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NFL: Die Franchise Tags unter der Lupe

Captain Kirks ungewöhnliche Situation

Donnerstag, 02.03.2017 | 17:45 Uhr
Kirk Cousins hat von den Washington Redskins zum zweiten Mal in Folge den Franchise Tag erhalten
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Die Franchise Tags 2017 stehen fest - Zeit für ein Zwischenfazit, ehe am 9. März der Free-Agency-Wahnsinn losgeht. Washingtons Kirk Cousins befindet sich dabei in einer ungewöhnlichen Position, während anderorts die Verhandlungen bereits auf Hochtouren laufen dürften. Die Pittsburgh Steelers haben indes einen klaren Plan, und wollen den auch bei Le'Veon Bell verfolgen.

Die Frist für die Vergabe der Franchise Tags ist abgelaufen, insgesamt sieben Spieler haben den (vorläufigen) Einjahresvertrag vorgelegt bekommen. Mit dabei: Redskins-Quarterback Kirk Cousins, der bereits seinen zweiten Tag erhält, Pittsburghs Le'Veon Bell oder auch Giants-Defensive-End Jason Pierre-Paul.

Allerdings fällt dabei schnell auf: Die Ausgangslagen für die sieben Spieler sind mitunter sehr verschieden. So hat Cousins in Washington eine aus Spieler-Perspektive gesprochen ungewöhnlich starke Verhandlungsposition, während die Gespräche zwischen Bell und den Steelers Spannung versprechen.

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Das gilt auch für JPP und New York - der Defensive End hatte nach seiner starken Vorsaison bereits betont, dass er nicht erneut unter einem Einjahresvertrag spielen will. Investieren die G-Men weiterhin viel Geld in ihre Defensive Line? Was bedeutet die Vergabe des Franchise Tags an Chandler Jones für die Arizona Cardinals? Und wer darf bis zum Fristende am 15. Juli auf einen langfristigen Vertrag hoffen? SPOX nimmt die sieben Fälle unter die Lupe und wagt je den Ausblick in die kommenden Wochen und Monate.

Kirk Cousins, QB, Washington Redskins

Deshalb der Tag: Wer keinen Franchise-Quarterback hat, ist unaufhörlich auf der Suche nach einem - dieses Motto gilt in der auf das Passspiel ausgelegten NFL heute mehr denn je. In Washington hat sich Cousins nach Robert Griffin III. zumindest für diese Stellung in Position gebracht, so ganz aber vertrauen die Verantwortlichen ihm scheinbar noch immer nicht. Immerhin gab Washington Cousins zum zweiten Mal in Folge den Franchise Tag. Das bedeutet, dass Cousins in der 2016er- und der 2017er-Saison zusammengerechnet 44 Millionen Dollar kassiert. Vorausgesetzt, beide Seiten einigen sich in den kommenden Monaten nicht doch noch auf einen langfristigen Deal.

Der Franchise Tag: SPOX erklärt das System mit dem Einjahresvertrag

Für den Quarterback eine in der NFL aus Spieler-Sicht gesehen ungewöhnlich starke Verhandlungsposition. Die Redskins hatten zumindest jetzt keine Wahl, hätte Cousins doch auf dem Markt großes Interesse erregt und der Preis wäre merklich gestiegen. Jetzt kann sich der 28-Jährige entweder auf einen Einjahresvertrag über 24 Millionen Dollar freuen und danach den langfristigen Vertrag - auch anderswo, Ex-Redskins-Offensive-Coordinator Kyle Shanahan, inzwischen Head Coach der San Francisco 49ers, soll Interesse haben - unterschreiben, oder aber noch vor der kommenden Saison für viel Geld und mehrere Jahre in Washington unterzeichnen.

Der Ausblick: Cousins hat bereits mehrfach angedeutet, dass er mit dem Tag kein Problem hat. Insider gehen davon aus, dass die Unterschrift nur Formsache ist. Die Redskins täten jedoch mehr als gut daran, bis zum Ablauf der Frist am 15. Juli eine Einigung auf einen langjährigen Deal zu erzielen. Andernfalls stünde das Team in einem Jahr womöglich ohne Quarterback da.

Gleichzeitig wäre die vorzeitige Einigung womöglich auch in Cousins Interesse: Durch den Abgang von Offensive Coordinator Sean McVay (neuer Head Coach bei den Rams) sowie den auslaufenden Verträgen von DeSean Jackson und Pierre Garcon könnte die Offense 2017 merklich limitierter aussehen, was sich womöglich auch auf Cousins' Preisschild auswirken würde. Es sei denn natürlich, er will das Team spätestens 2018 ohnehin verlassen. So oder so, die kommenden Monate werden mehr Aufschluss geben - und Cousins hat die Fäden in der Hand.

Le'Veon Bell, RB, Pittsburgh Steelers

Deshalb der Tag: Bell ist, wenn fit, der beste Running Back in der NFL und schon seit Wochen war klar, dass die Steelers ihm den Tag wohl geben würden. Bell ist erst 25 Jahre alt und mit seiner Bedeutung auch für Pittsburghs Passing Game mehr als nur der klassische Running Back. Zudem harmoniert er glänzend mit der starken Offensive Line der Steelers - dementsprechend will er wohl auch bezahlt werden.

Der Ausblick: Hier wird es sehr spannend bei Bell. Denn trotz seiner unbestrittenen sportlichen Klasse haben die Steelers bei den jetzt anstehenden Verhandlungen ebenfalls einige Trümpfe in der Hand: Bell hatte in seinen bislang vier NFL-Jahren nicht nur schon einige mehrwöchige (und noch schwerwiegendere) Verletzungen, er wurde darüber hinaus auch schon mehrfach suspendiert.

Auf der anderen Seite aber steht Bell beispielhaft für den Running Back der neuen Generation: Eine Allzweckwaffe, die nahezu alle Skill-Positions exzellent bekleiden kann. Bells Vorgeschichte wird Pittsburgh jedenfalls nicht grundsätzlich davon abhalten, vor dem 15. Juli eine Einigung zu erzielen.

"Es war und ist schon immer unsere Absicht, ihn langfristig zu binden", verriet Geschäftsführer Kevin Colbert am Mittwoch der Pittsburgh Post-Gazette. "Ich sehe es so: Du belohnst deine besten Spieler. Wir wollen die besten Spieler, die angemessen bezahlen und dann so viele wie möglich von ihnen haben." Bei Receiver Antonio Brown haben die Steelers dieses Motto vor einigen Tagen bereits gelebt.

Jason Pierre-Paul, DE, New York Giants

Deshalb der Tag: Als sich JPP im Juli 2015 bei einem Feuerwerks-Unfall mehrere Finger weggesprengt hat, wusste niemand, wie stark sich das auf seine Leistungen auswirken würde. In der Folge gaben die Giants ihm zwei Einjahresverträge nacheinander (den Franchise Tag 2015 sowie einen One-Year-Prove-It-Deal 2016), um genau das herauszufinden. In der gerade beendeten Saison empfahl sich Pierre-Paul dann schließlich eindrucksvoll nachhaltig.

Der Defensive End hatte in der starken Defensive Line der Giants mit 54 QB-Pressures über zwölfeinhalb Spiele - ehe die Saison für ihn verletzungsbedingt vorzeitig endete - großen Anteil an New Yorks Playoff-Einzug und glänzte dabei gleichzeitig auch gegen den Run. Die Defensive Line ist, wie in guten alten Tagen, wieder die Stärke der G-Men. Damit das so bleibt, sollte Pierre-Paul bleiben.

Der Ausblick: Allerdings drohen New York von allen Franchise-Tag-Teams in diesem Jahr mit die schwierigsten Verhandlungen. Pierre-Paul hatte bereits im Januar angekündigt: "Ich werde nicht wieder unter einem Einjahresvertrag spielen. Ich habe mich bewiesen, ich habe gezeigt, dass ich es kann. Es gibt nicht wirklich irgendwen sonst da draußen, der mit siebeneinhalb Fingern noch so spielt."

JPP ist erst 28 Jahre alt und will jetzt nochmals groß abkassieren. Zwischen beiden Seiten soll in den Gesprächen jedoch noch ein sehr großes Loch klaffen, selbst die Giants allerdings dürften mit dem Tag nur bedingt glücklich sein - New York hat in diesem Jahr nicht allzu viel Cap Space (etwa 32 Millionen Dollar), der Tag über rund 17 Millionen Dollar schränkt das Team dementsprechend stark ein.

Somit sind die kommenden Tage besonders kritisch: Belastet Pierre-Paul den Cap zum Start der Free Agency am 9. März noch immer mit 17 Millionen Dollar, müsste New York Defensive Tackle Johnathan Hankins wohl definitiv ziehen lassen. Und auch für die dringend benötigten Upgrades in der Offensive Line wäre das Geld dann knapp.

Chandler Jones, OLB, Arizona Cardinals

Deshalb der Tag: Die Entscheidung, Jones via Trade von New England zu holen, hat sich für Arizona bislang voll ausgezahlt: Der 27-Jährige verzeichnete elf Sacks, vier Forced Fumbles und insgesamt 66 QB-Pressures. Darüber hinaus nahm er Druck von Calais Campbell und Markus Golden, so dass Letzterer einen großen Schritt nach vorne machte.

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Die Cardinals haben über Jahre einen dominanten Pass-Rusher gesucht, mit Jones haben sie ihn scheinbar gefunden. Dementsprechend hatte Coach Bruce Arians bereits vor Wochen angekündigt, dass Jones notfalls den Tag erhalten würde.

Der Ausblick: Genau wie bei Pierre-Paul und den Giants würde es auch für Arizona durchaus Sinn machen, einen langfristigen Vertrag bis zum 9. März zu präsentieren und so die Cap-Belastung für 2017 zu minimieren - immerhin haben mit unter anderem Calais Campbell und Tony Jefferson zwei weitere Defensiv-Säulen auslaufende Verträge. Auch die Cardinals haben nicht gerade viel finanziellen Spielraum. Bis zum Sommer wird eine Einigung gemeinhin erwartet, aktuell aber sind beide Seiten wohl noch ein gutes Stück voneinander entfernt.

Melvin Ingram, OLB, Los Angeles Chargers

Deshalb der Tag: Ingram hat pünktlich zu seinem letzten Vertragsjahr einen ganz großen Sprung nach vorne gemacht: Der Outside Linebacker glänzte mit 72 QB-Pressures (8 Sacks, 4 Forced Fumbles) und bewährte sich sogar in Coverage, gemeinsam mit Rookie Joey Bosa bildete er ein brandgefährliches Edge-Duo.

Trotzdem wurde im Vorfeld rund um die Chargers spekuliert, ob Ingram tatsächlich den Tag erhält - immerhin stellt L.A. von einer 3-4-Defense unter dem neuen Defensive Coordinator Gus Bradley auf eine 4-3 um, in der Ingram zunächst seinen Platz finden muss.

Der Ausblick: Die Chargers-Verantwortlichen haben zuletzt unisono betont, dass der 27-Jährige auch langfristig gehalten werden soll. Trotzdem wäre es alles andere als überraschend, wenn bis zum 15. Juli kein Deal zustande kommt: Beide Seiten dürften interessiert sein, zu sehen, wie sich Ingram in der neuen Defense schlägt. Gleichzeitig aber haben die Chargers aktuell noch weniger Cap Space, als etwa Arizona oder die Giants, umso schwerer wiegt der Tag.

Kawann Short, DT, Carolina Panthers

Deshalb der Tag: In gewisser Weise hat Short den Verantwortlichen in Carolina selbst mit seinen schwachen Leistungen zu Saisonbeginn seinen eigenen Wert gezeigt. Als der Defensive Tackle sehr langsam in die Saison startete, schwächelte die gesamte Defensive Line. So ging das 2015 so bewährte Rezept der Panthers, mit der Front genügend Druck zu erzeugen, damit die Secondary geschützt wird, nicht auf und die jungen Defensive Backs wurden teilweise auseinander genommen.

Doch Short fing sich, und so wurde auch die gesamte Front deutlich besser. Immerhin 49 QB-Pressures und dazu 38 Defensive-Stops rechnet Pro Football Focus dem Defensive Tackle für die vergangene Saison zu.

Der Ausblick: Carolina hat zumindest aktuell wenig zeitlichen Druck, die Panthers verfügen selbst mit Shorts Tag noch über knapp 40 Millionen Dollar an Cap Space. Es besteht aktuell von keiner Seite Zweifel daran, dass Short auch über 2017 hinaus in Carolina bleiben soll - sein Berater dürfte sich finanziell an den Defensive Tackles Fletcher Cox (6 Jahre, 63,2 Millionen garantiert) und Malik Jackson (6 Jahre, 42 Millionen Dollar garantiert) orientieren.

Trumaine Johnson, CB, Los Angeles Rams

Deshalb der Tag: Im Vorjahr mussten sich die Rams noch zwischen Johnson und Cornerback-Kollege Janoris Jenkins entscheiden. Die Wahl fiel auf Johnson, Jenkins ging stattdessen zu den New York Giants und spielte dort eine sehr gute Saison.

Johnson hatte derweil 2016 Hochs und Tiefs, über die letzten beiden Jahre hat er laut Pro Football Focus durchschnittlich pro Saison 591 Receiving-Yards und 2,5 Touchdowns zugelassen. Doch nach Jenkins wollten es sich die Rams nicht erlauben, einen weiteren soliden Cornerback ziehen zu lassen.

Der Ausblick: Für Johnson ist es, genau wie für Kirk Cousins, das zweite Jahr in Folge mit dem Franchise Tag - die allgemeine Erwartung rund um L.A. war zunächst, dass dieses Mal vor dem Ende der Deadline ein neuer Vertrag ausgehandelt ist.

Doch Rams-Geschäftsführer Les Snead verriet am Rande der Combine am Donnerstag, dass das Team zunächst sehen wolle, ob Johnson in die Defense des neuen Defensive Coordinators Wade Phillips passt. Ein klarer Indiz dafür, dass er auch 2017 unter dem Franchise Tag spielen soll. Johnson würde so über zwei Jahre insgesamt 31 Millionen Dollar kassieren, eine mehr als stolze Summe.

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