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Fussball

Das ist erst der Anfang

Von Fatih Demireli
Viele Facetten, wenig Worte: Pep Guardiola beim FC Bayern
© spox

Montag vor einer Woche wurde Josep Guardiola beim FC Bayern München als neuer Trainer vorgestellt. Seither ist von Guardiola nichts mehr zu hören, die Schlagzeilen hat er dennoch fest im Griff. Die Pep-Woche beim FCB.

Montag, 24. Juni 2013: Die Vorstellung

"Die größte Pressekonferenz in der Geschichte des FC Bayern", kündigte Markus Hörwick an. Und die Veranstaltung hielt, was der Mediendirektor versprochen hatte. Rund 250 Journalisten versammelten sich in der Arena, um Josep Guardiola willkommen zu heißen. Dass Reporter aus aller Welt die Arena besuchen, war kein Neuland und für den frischgekürten Champions-League-Sieger zuletzt gar Routine. Aber der Hype war so gigantisch, dass selbst deutsche Entertainment-Sender, die sonst wenig mit Fußball am Hut haben, ihre Kameras aufstellten und Guardiola unter die Lupe nahmen. Der neue Trainer sprach bei der knapp einstündigen Zeremonie Deutsch, Spanisch, Katalanisch, Italienisch und Englisch. Danach gab es die erste Platzbegehung, die Übergabe des Dienstwagens und schließlich den Besuch in der Kabine. Alles medienwirksam inszeniert, sodass auch wirklich jeder auf der Welt mitbekommen konnte: Seht her, Pep Guardiola ist beim FC Bayern.

Dienstag, 25. Juni 2013: Der Tag danach

Die Ankunft des neuen Trainers schlug hohe Wellen. Welche Stahlkraft die Verpflichtung Guardiolas hatte, bewiesen die Schlagzeilen am Tag danach. "Bundeskanzler Guardiola", schrieb die "Marca". "Guardiola, der neue Kaiser! Diese Bayern können Geschichte schreiben", titelte der "Corriere dello Sport". Der englische "Telegraph" stellte fest: "Er ist zum Meister der deutschen Sprache geworden." Apropos Feststellungen: Nicht nur an diesem Tag wurde keine Gelegenheit ausgelassen, Experten zu Wort kommen zu lassen: über Pep, über dessen System, über dessen Zukunft beim FC Bayern. Pep, überall Pep. Derweil bereitete der FC Bayern intern den ersten Trainingstag akribisch vor. Die letzten Spieler trudelten in der Landeshauptstadt ein. Auch Mario Gomez, der entgegen vieler Erwartungen anreiste, um am Mittwoch mit dabei zu sein. Die Spieler, die nicht dabei waren, blieben der Pep-Mania nicht fern. So sah sich Confed-Cup-Tourist Javi Martinez die Vorstellung seines neuen Trainers von Brasilien aus im Internet an und sagte hinterher: "Ich habe große Lust darauf, von Pep zu lernen." Deutsch können beide ja schon. Auch Dante saß vor dem Rechner. Sein Urteil: "Überragend!"

Mittwoch, 26. Juni 2013: Das erste Training

In München regnete es den ganzen Tag wie aus Kübeln. Sollte das erste Guardiola-Training in Wasser fallen? Nein. Rechtzeitig zum Anpfiff um 17 Uhr schien plötzlich die Sonne. Den ersten Auftritt hatte aber Herrmann Gerland, der auf den längst vorbereiteten Trainingsplatz schritt, um seine Helferlein mit lauten Rufen herbeizuwinken. Guardiola kam mit seiner Mannschaft mit knapp dreiminütiger Verspätung, sprach zirka 20 Sekunden zur Mannschaft und schickte sie sofort ans Werk. Wenige Stunden vor dem Auftakt fand an der Säbener Straße die Vorstellungsrunde statt. "Es ist mir eine Ehre, euch zu trainieren", sagte Guardiola zu seinen Spielern und sagte, er sei da, "um zu helfen". Rund anderthalb Stunden später sah man, was er meinte. Guardiola war voll in seinem Element, war selbst mitten im Geschehen und griff gesten- und wortreich ein. Selbst bei den Dehnübungen griff er ein, redete auf viele Spieler ein. Lediglich Rafinha sorgte für einen Rollentausch und redete selbst im Mördertempo auf seinen neuen Trainer ein. Noch nicht dabei waren diverse Nationalspieler und auch Mario Götze, der zum einen noch verletzt ist und zum anderen erst ab dem 1. Juli offiziell neuer Bayern-Spieler ist und vorher nicht für die Münchener "arbeiten" darf. Das Resümee des Tages kam von Thomas Müller: "Wir haben viel mit dem Ball gemacht. Es hat Spaß gemacht."

Donnerstag, 27. Juni 2013: Erhöhte Schlagzahl

Erst einmal gab's Blut. Nicht, dass Guardiola es übertrieb; vielmehr stand der Laktattest auf der Sportanlage der Technischen Universität an. Aufgeteilt in zwei Gruppen mussten die Profis insgesamt 45 Minuten in unterschiedlichen Intensitäten laufen. Zwischendurch wurde ihnen immer wieder ein Tropfen Blut abgenommen. Guardiola wartete am zweiten Tag mit neuen - teils komplexen - Übungen auf. Auffällig: Das Passspiel geriet zur wichtigsten Aufgabe der Spieler - dieses wurde bei vielen Übungen besonders gefördert. Am Ende des Tages durften die Spieler dann aber auch mal aufs Tor schießen. "Es ist komplett anders als bei Jupp", sollte Franck Ribery feststellen. Indes meldete sich ein Gast, der eigentlich offiziell keiner war, beim Training. Anatolij Tymoschtschuk, unmittelbar vor seiner Rückkehr zu Zenit St. Petersburg stehend, nahm auch noch eine Nase Pep-Training mit. Auch am zweiten Tag mit dabei: zahlreiche Nachwuchskräfte. Neben den bereits bekannten Emre Can, Pierre-Emile Hojbjerg und Mitchell Weiser gesellten sich auch Patrick Weihrauch, Rico Strieder, Benno Schmitz, Alessandro Schöpf, Daniel Wein, Julian Green, Vladimir Rankovic und Ylli Sallahi zum Trainingskader. Gemeinsam stark? Beide Trainingstage verließen die Jüngsten in der Gruppe die Arena.

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Freitag, 28. Juni 2013: Die ersten Nachwirkungen

Medial ebbte der Guardiola-Hype etwas ab, in der Mannschaft ging er weiter. Ribery sagte: "Wir freuen uns, so einen großen Trainer zu haben. Er wird mich, er wird uns besser machen." Can, der eigentlich mit einem Wechsel kokettierte, will plötzlich bleiben: "Pep Guardiola ist sehr sympathisch, geht gut auf uns junge Spieler ein - das spüren wir." Und auch Kapitän Philipp Lahm verspürt nach der Mega-Saison mit vier Titeln wieder neue Impulse: "Wir hatten letzte Saison ein sehr erfolgreiches Jahr. Das zu bestätigen wird sehr, sehr schwierig. Aber ich glaube, dass wir die Möglichkeit haben, mit unserem Kader und mit diesem Weltklasse-Trainer eine Ära aufzubauen. Da bin ich sehr zuversichtlich." Guardiola brachte frischen Wind herein, dabei war das bisher Gezeigte erst nur der Anfang. Deswegen sagt auch Lahm: "Wir brauchen noch Zeit, um uns zu gewöhnen."

Samstag, 29. Juni 2013: Geburt der falsche Neun?

Es gibt zahlreiche Bücher über Pep Guardiola und dessen Erfolge beim FC Barcelona. Wenn es eines Tages ein Buch über Guardiolas Erfolge beim FC Bayern geben wird, könnte das oberpfälzische Weiden irgendwo im Einstieg auftauchen. Ein dortiger Fanklub stellte den ersten Gegner der Guardiola-Bayern dar: 15:1 gewann Bayern im Wasserpark-Stadion. Guardiola ließ 4-1-4-1 spielen, beorderte Offensivspieler Hojbjerg ins defensive Mittelfeldzentrum, dazu erst Müller, dann Ribery als Sturmspitze. Ribery hatte Guardiola gleich beim ersten Training auf seine Bereitschaft angesprochen, die Zehner-Position zu bekleiden. In Weiden brachte er den Franzosen dann als falsche Neun. Abwarten, heißt die Devise. Denn die Tatsache, dass mit Mario Mandzukic (Urlaub), Mario Gomez (befreit) und Claudio Pizarro (Urlaub) alle drei Stürmer fehlen, brachte Pep zwangsläufig dazu, eine separate Lösung zu finden. Dass Ribery seine Rolle, in der er noch freier agieren durfte, gefiel, dürfte Guardiola allerdings auch aufgefallen sein.

Sonntag, 30. Juni 2013: Das nächste Schützenfest

Der FC Bayern musste wieder in die Provinz, diesmal zum TSV Regen. Und siehe da: Nach fünf Minuten war der Underdog 1:0 in Front, bevor die Bayern ein am Ende standesgemäßes 9:1 herausschossen. Guardiola probierte wieder etwas Neues: Diesmal die Dreierkette, über die sein ehemaliger Weggefährte Michael Reiziger im SPOX-Interview vor Peps Antritt in München mutmaßte. Rückschlüsse auf die künftige Bayern-Ausrichtung ließ auch dieses Experiment nicht zu, doch auffällig ist allemal, dass Guardiola jede Minute nutzt, um jeden Spieler bestmöglich kennenzulernen. Die Jüngsten scheinen besonders im Blickpunkt zu stehen: Patrick Weihrauch, an dem Guardiola besonderes Interesse haben soll, steht genauso unter Beobachtung wie Julian Green. Auch Oliver Markoutz empfahl sich wie schon der Vorsaison, als er von Guardiola-Vorgänger Jupp Heynckes mit ins Trainingslager genommen wurde, für höhere Aufgaben. Guardiolas Affinität zu Jugendspielern könnte auch beim FC Bayern fruchten.

Montag, 1. Juli 2013: Ein bisschen Pause?

Nach intensiven sieben Tagen bekommen die Bayern-Spieler einen Tag frei - und die Bayern-Welt kommt scheinbar zur Ruhe. Doch der nächste Hype steht schon bevor. Am Nachmittag gab der Klub bekannt, dass am Dienstag 37-Millionen-Euro-Neuzugang Mario Götze vorgestellt wird. Und alle wissen: Das war bisher nur der Anfang.

Josep Guardiola im Steckbrief

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