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Fussball

Die Regierungserklärung kann warten

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Fatih Demireli
Auch die Mannschaftskabine der Bayern stattete der neue Coach einen Besuch ab
© getty

Das monatelange Warten fand am Montag ein Ende: Josep Guardiola wurde beim FC Bayern München als neuer Cheftrainer vorgestellt. Der Spanier sah davon ab, große Ankündigungen zu machen und sich selbst zu inszenieren. Den Fokus lenkte er mit viel Demut auf den FC Bayern.

Sie saßen gar nicht vor allzu langer Zeit an derselben Stelle. Die Verantwortlichen des FC Bayern München verabschiedeten am 3. Juni Erfolgstrainer Jupp Heynckes in den Ruhestand, schwelgten in schönen Erinnerungen und blickten auf eine tolle Saison zurück.

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Nun, am 24. Juni nahmen, sie wieder auf dem Podest im Pressesaal der Münchener Allianz Arena Platz, diesmal verstärkt von Matthias Sammer, aber vor allem von Josep Guardiola. Es war die seit Monaten sehnsüchtig erwartete Ankunft des Weltstars für den Trainerposten. Aber wieder wurde erste einmal über den tollen FC Bayern der Saison 2012/2013 gesprochen.

Guardiola: "Das hohe Niveau fortsetzen"

Guardiola gab sich dabei selbst als größter Bewunderer der jüngsten Errungenschaften seiner neuen Truppe. "Die Mannschaft hat außergewöhnlich gespielt, vier Titel gewonnen", sagte der neue Mann, um dann auch eine Lanze für Jupp Heynckes zu brechen. "Ich versuche, das hohe Niveau meines Vorgängers fortzusetzen. Natürlich hat jeder Trainer seine Meinung über eine Mannschaft, über seinen Fußball. Wenige, wenige Dinge möchte ich gerne wechseln."

Er betonte es aber noch einmal eindringlich, sodass es auch wirklich jeder mitbekommt: "Wenige!"

Diese Demut war der prägende Tonfall des ersten Arbeitstages des Pep Guardiola beim FC Bayern. Der Katalane war beinahe demonstrativ darum bemüht, nicht sich selbst zur Schau zu stellen. Er sprach von einem "Geschenk", Trainer dieses Klubs geworden zu sein und dass es eine "Riesenehre" sei, wenn der FC Bayern einem Trainer ein Angebot unterbreite.

Dankbarer Pep

Er dankte den Entscheidern beim FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß. Als sie über ihn redeten, bekam Guardiola große Augen.

Die Dankbarkeit, die Guardiola verkörperte, wirkte nicht gespielt. Die Nervosität, die sich vor allem in der Ausübung der deutschen Sprache begründete, wirkte dagegen sympathisch. Guardiola war das komplette Gegenstück zu einem Louis van Gaal, der bei seiner Vorstellung in München 2009 den Entertainer mimte: "Mia san mir! Wir sind wir! Und ich bin ich", hieß damals seine Message.

Und Guardiola war mitnichten das Ebenbild des Hypes, das um seine Person seit Monaten gemacht wird. Der übertriebene Personen-Kult fand in den letzten Tagen teils hysterische Züge: Jede noch so nichtige und vermeintliche Neuigkeit wurde verbreitet. Guardiola war entgegen der Inszenierung des Klubs keineswegs gern im Mittelpunkt. Er stellte sich keineswegs als Messias dar, den viele in ihm sehen.

Keine Revolution

"Ich muss mich 100 Prozent anpassen", heißt seine Ansage, die viel beinhaltet. Wer eine Revolutionsdeklaration oder gar eine Regierungserklärung des Welttrainers erwartet hatte, wartete vergeblich. Denn soweit denkt Guardiola längst nicht. Zwar hat der 42-Jährige den FC Bayern eingehend studiert und sieht Verbesserungspotenzial, aber erst einmal will er die Bayern-Welt hautnah erleben. "Geben Sie mir Zeit", sagte er immer wieder.

Doch, und das kann jetzt schon festgehalten werden, Pep Guardiola will und wird den Klub nicht auf den Kopf stellen: "Es wäre arrogant zu sagen, wir werden jetzt eine neue Ära einleiten."

Peps Antritts-PK im Ticker: "Ich passe mich zu 100 Prozent den Spielern an"

Guardiola versteht sich nicht als Avantgardisten, sondern als Helfer. "Wir wollen hier nicht Dinge ändern einfach um der Änderung willen. Vieles kann beibehalten werden." Auch das viel diskutierte Barcelona-System, das Pep ins Leben rief und bis ins Detail perfektionierte, wird in München keine zentrale Rolle spielen. Seit Jahren wird über die Philosophie Guardiolas gesprochen, debattiert und doziert.

Es gibt Bücher über seinen Fußball, doch Pep selbst liefert eine einfache Formel: "Das System ist egal. Der Fußball gehört den Spielern, nicht dem Trainer." Übersetzt: Er spielt das, was die Bayern-Spieler am besten können - und das ist das, was sie in den letzten Jahren gezeigt haben.

Demut als Tagesordnung

Daher ist auch eine großangelegte Transferoffensive des FC Bayern kaum zu erwarten. "Meiner Meinung nach braucht eine Mannschaft, die vier Titel gewonnen hat, wenige Wechsel", sagt Guardiola, um sich dann sofort wieder unterzuordnen: "Ich weiß aber nicht, was Matthias, der Präsident und Kalle denken. Sie kennen diese Mannschaft besser als ich."

Und da war sie wieder, diese Demut. Dem Guardiola-Kenner kommt sie nicht unbekannt vor: Sie war fester Bestandteil seiner Arbeit in Barcelona. Nicht nur in der eigenen Außendarstellung, sondern auch im Verhalten seiner Mannschaft. Sie spielte besitzergreifend und autoritär Fußball, legte aber einen bedächtigen Ton an den Tag. Xavi, Iniesta, Puyol und Co. leben diese Art heute noch vor.

Trainingsstart am Mittwoch

Guardiola wird sich treu bleiben, und braucht keine Bedenken haben, dass es ihm seine Mannschaft nicht nachmacht. Den Beweis lieferte sie in der Vorsaison, als sie fokussiert arbeitete, ohne den Blick auf das Wesentliche zu verlieren.

Die erste Begegnung mit ihr wird Guardiola am Mittwoch haben. Dann ist um 17 Uhr Trainingsauftakt in der Allianz Arena. Dann wird Guardiola endlich dem nachgehen können, was er am liebsten macht.

"Ich mag dieses Spiel. Ich mag es, mit jungen Spielern zu sprechen, sie im Fernsehen zu sehen. Es ist mein Drang." Guardiola ist beim FC Bayern angekommen - mit Demut und Drang.

Pep Guardiola im Steckbrief

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