"Wir haben es einfach verdient"

Von Daniel Börlein
Sonntag, 18.05.2008 | 20:37 Uhr
2. Bundesliga, 1899 Hoffenheim, Ralf Rangnick, Dietmar Hopp
© Getty
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München - Egal ob Meisterschaft, Klassenerhalt oder Aufstieg - eine ausgiebige Bierdusche gehört im Fußball ebenso zur jeweiligen Feierlichkeit wie Freudentränen und Gesangseinlagen.

Auch in Hoffenheim übergossen sich die Beteiligten nach dem Sieg gegen Greuther Fürth und dem damit verbundenen Bundesliga-Aufstieg mit Gerstensaft. Allerdings nicht, wie man das beispielsweise vom FC Bayern kennt, aus überdimensionalen Gläsern, sondern ganz schlicht aus handelsüblichen Halbliter-Krügen.

In Hoffenheim ist eben alles noch ein wenig anders. Dort, wo ab kommender Saison der - gemessen an der Einwohnerzahl - kleinste Klub der Bundesliga-Geschichte spielt.

Dort, wo das Stadion noch eher einer Bezirkssportanlage denn einer modernen Fußball-Arena gleicht. Und dort, wo der große Geldgeber "zehn bis fünfzehn Interessierte" nach jedem Tor noch höchstpersönlich per SMS informiert.

Das Saisonfinale in Bildern! 

Akribische Arbeit

Und dennoch ist der Aufstieg in Deutschlands höchste Spielklasse alles andere als eine Dorfromanze oder ein Fußball-Märchen. Denn provinziell ist bei 1899 Hoffenheim nur das Drumherum.

Im Verein selbst wurden längst professionelle Strukturen geschaffen, beim "Dorfklub" wird schon seit zwei Jahren unter der Leitung von Trainer Ralf Rangnick akribisch gearbeitet. Alles mit dem Ziel, irgendwann mal in die Bundesliga aufzusteigen. "Irgendwann" ist jetzt.

"Ich hatte einen optimistischen Zeitplan, aber dass wir es so schnell schaffen würden, hätte ich nicht gedacht", sagte Rangnick, der neben Mäzen Dietmar Hopp maßgeblich verantwortlich für den Durchmarsch ist.

Häme für Entscheidung pro Hoffenheim

Dazu musste Rangnick allerdings zuerst zwei Schritte zurück machen, von der Champions League mit Schalke in die Regionalliga zur TSG wechseln und dafür auch Häme einstecken. "Als ich mich damals für Hoffenheim entschieden habe, waren viele Leute überrascht, der eine oder andere reagierte mit Unverständnis", sagte Rangnick im Februar im Interview mit SPOX.com.

Der 49-Jährige verteidigte allerdings seine Entscheidung: "1899 ist nun mal eine Aufgabe, die es in der Form so noch nicht gab." Denn Rangnick durfte die Mannschaft, ja den kompletten Verein, nach seinen Vorstellungen gestalten.

Verstärkungen in allen Bereichen

Bernhard Peters, zuvor auch beim DFB im Gespräch, kam vom Deutschen Hockey-Bund und übernahm den Posten des Direktors für Sport und Nachwuchsförderung. Hans-Dieter Herrmann, unter Jürgen Klinsmann auch beim Nationalteam beschäftigt, gewann man für die psychologische Betreuung. Jan Schindelmeiser, ehemals FC Augsburg, wurde fürs Management verpflichtet.

Hinzu kamen Verstärkungen für den Spielerkader: Alle mit Bedacht gewählt und gezielt ausgesucht. Schließlich gelte das Hauptaugenmerk weiterhin der Ausbildung von Top-Talenten, sagt Rangnick. So gelang zunächst der Aufstieg aus der Regionalliga.

Nachbesserungen in der Winterpause

Als der Trainer dann merkte, dass bereits im ersten Jahr in der 2. Liga mehr als nur ein Mittelfeldplatz drin ist, wurde der Kader noch während der Saison und in der Winterpause punktuell verstärkt.

Der Schlüssel für den Durchmarsch, denn in der Rückrunde kletterte die TSG noch von Tabellenplatz sieben auf zwei und machte dabei einen Acht-Punkte-Rückstand wett. "Nach dieser Rückrunde hat es die Mannschaft einfach verdient", sagte Francisco Copado.

"Unsere Tradition ist die Zukunft"

Vom Konzept, das Team weiter nur Schritt für Schritt zu verstärken, will Rangnick auch in der Zukunft nicht abweichen: "Wir werden maximal drei oder vier Neuzugänge holen, mehr brauchen wir auch nicht."

Seine Kritiker hat Rangnick längst zum Schweigen gebracht, die Kritiker des "Konzepts Hoffenheim" nimmt sich Vereinspatron Hopp höchstselbst zur Brust: "Alle denen sage ich: Sie sollen auf ihren eigenen Verein, ihre eigene Mannschaft schauen."

Dem Gerede von fehlender Tradition in Hoffenheim entgegnet Hopp: "Ich finde die ganze Diskussion über die Tradition völlig überflüssig. Unsere Tradition ist die Zukunft." Auch etwas, das in Hoffenheim eben anders ist. 

Was dachten die mySPOX-User direkt nach Hoffenheims Bundesliga-Aufstieg? Hier die Kommentare!

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