Mittwoch, 27.02.2008

Ralf Rangnick exklusiv, Teil I

Der FC Bayern von morgen?

München - Noch vor einigen Monaten als Retortenklub verlacht und als Mini-Chelsea verpönt, gilt 1899 Hoffenheim nach vier Siegen am Stück in Liga zwei und dem Vorpreschen auf Rang sechs als  Fußball-Deutschlands vorzeigbarstes Pilotprojekt.

Rangnick, Ralf, Hoffenheim
© Imago

Im SPOX.com-Interview spricht Trainer Ralf Rangnick über die Philosophie des Vereins und die Verbindungen zu Jens Lehmann.

SPOX: Freiburgs Trainer Robin Dutt hat gesagt, dass "Hoffenheim der einzige Verein ist, der Bayern irgendwann gefährlich werden könnte". Dennoch haben Sie angekündigt, dass jeder, der vom Aufstieg redet, von ihnen "ein Brett verpasst" bekommt...

Rangnick, seit Sommer 2006 Trainer in Hoffenheim
Rangnick, seit Sommer 2006 Trainer in Hoffenheim
© Getty

Rangnick: ...was bislang aber nicht nötig war.

SPOX: Manager Jan Schindelmeiser wird aber mit den Worten zitiert, dass das Pokal-Spiel in Dortmund bereits ein Fingerzeig wäre, "inwieweit die Mannschaft schon in der Bundesliga bestehen kann".

Rangnick: Da wurde er falsch zitiert. Er hat gesagt, dass die Partie eine generelle Standortbestimmung für den Verein ist. Das Wort Bundesliga wurde dazugedichtet. Aber wissen Sie, mir ist es relativ egal, was die Medien schreiben. Bei uns bleibt es dabei, dass wir den Aufstieg innerhalb des 5-Jahres-Plans erreichen wollen. Da gibt es überhaupt keinen Grund, nach vier Siegen in Serie schon vom Aufstieg zu fabulieren.

SPOX: Weil Sie befürchten, dass die Bundesliga zu früh kommen würde?

Rangnick: Nein. Erfolg kommt grundsätzlich nie zu früh. Wenn sich die Möglichkeit bietet, muss man sie ergreifen. Aber um das zu betonen: Wir sind in der Tabelle Sechster, und hinter uns lauern weitere Mannschaften wie 1860 München, die auch auf Tuchfühlung sind. Wir haben im Gegensatz zu anderen Teams nicht den Druck, aufsteigen zu müssen, und den Druck lassen wir uns auch nicht einreden.

SPOX: Hat sich die öffentliche Meinung Ihrem Verein gegenüber gewandelt, nachdem in der Hinrunde doch Kritik an der Politik des Vereins aufkam?

Rangnick: Es ist sicherlich so, dass sich seit ein paar Monaten der Fokus mehr auf die sportliche Situation bei uns gelegt hat. Wir haben nie erwartet, dass wir mit unserer Philosophie auf ungeteilte Begeisterung stoßen, mittlerweile sind die Leute aber eher interessiert und gespannt, wie es sich bei uns entwickelt. Und so wünschen wir uns das. 1899 ist nun mal eine Aufgabe, die es in der Form so noch nicht gab.

SPOX: Vor allem mit der Mischung aus einerseits Jugendarbeit, andererseits den teuren Neuzugängen.

Rangnick: Wir sind in erster Linie daran interessiert, Toptalente auszubilden. Und dabei sind wir auf einem guten Weg. Gegen Freiburg haben wir mit vier Deutschen in der Startelf gespielt, und mit dem Durchschnittsalter von etwas über 22 Jahren in den letzten 20 Minuten haben wir die mit Abstand jüngste Profimannschaft in Deutschland.

SPOX: Und um den Talenten ein Vorbild zu geben, sind Millioneneinkäufe wie Carlos Eduardo nötig?

Rangnick: Ganz genau.

SPOX: Demnach wäre auch ein Jens Lehmann nicht schlecht gewesen, oder?

Rangnick: Wenn Sie auf die Wechselgerüchte ansprechen: Es waren nur Spekulationen gewesen, die sicherlich nicht völlig aus der Luft gegriffen waren, weil Lehmann mit unserem Geschäftsführer verwandt ist. Sportlich war er für uns aber nie ein Thema.

SPOX: Ein Topmann wie Lehmann wäre dementsprechend keine Option im Sommer?

Rangnick: Wenn er 15 Jahre jünger wäre, vielleicht. So aber nicht.

Rangnick über neidische Trainerkollegen, neidische Traditionsvereine und 1500 alkoholisierte Kassler, die sich vor Neid kaum mehr artikulieren konnten: Hier geht es zum zweiten Teil!

Interview: Haruka Gruber

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