Bis in alle Ewigkeit

Von SPOX
Montag, 03.02.2014 | 20:15 Uhr
Luis Aragones war allgegenwärtig, als Atletico die Tabellenführung in Spanien übernahm
© getty
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Atletico probt zu Ehren von Luis Aragones den Aufstand gegen die großen Zwei, auch weil Valencias Patchwork-Truppe Barca übertölpelt. Jose Mourinho beleidigt nach Lust und Laune, und Arsene Wenger wird mit einem besonders sinnreichen Transfer auffällig. Inter fehlt gegen Juve der göttliche Beistand. Und: Cagliaris Patrone lehrt England das Fürchten.

Serie A

Von Oliver Birkner

Jesus des Spieltags: Es ist immer eine Mordsgaudi für Inter, wenn es zu Juve geht. Falls man Steine und Eier goutiert - die flogen nämlich bei der Ankunft inflationär gegen den Mannschaftsbus der Mailänder und knackten eine Scheibe. Nun sollte man meinen, das würde für erhöhtes Adrenalin sorgen, aber mitnichten. Juventus fuhr den 100. Sieg über die Nerazzurri im 223. Derby d'Italia ein und musste die Trikots dafür kaum vollschwitzen.

"Wir hätten locker mehr als drei Tore schießen können", konstatierte Coach Antonio Conte und hatte sogar Recht. War freilich auch ein ungleiches Messen, wenn Mittelklasse wie beispielsweise Kuzmanovic, Jonathan, Taider oder Nagatomo von der A-Klasse Vidal, Pogba, Pirlo oder Lichtsteiner grußlos überfahren wird. Acht Punkte aus den letzten zehn Partien, schlechtester Jahresstart der Klubgeschichte, nie besaß man am 22. Spieltag 26 Zähler Rückstand auf Juve - liebe es, verrücktes Inter liebe es, heißt es in der Vereinshymne.

Neuzugang Hernanes hätte Inter womöglich aushelfen können, doch der Ex-Laziale musste wegen einer verspätet eingereichten Bankbürgschaft auf der Tribüne sitzen. Das Handy des Brasilianers steht nach eigenen Angaben seit kurzem übrigens im persönlichen Trophäenschrank. Über 10.000 Abschieds-SMS erhielt der 28-Jährige nach seinem Wechsel, so viele bekommt man nicht einmal nach einer unilateralen hysterischen Beziehungsauflösung.

Hernanes, genannt "Prophet", bewertete die Zukunft etwas mysteriös über Facebook: "Danke mein Herr Jesus, auf ewig reicht mir der Ball am Fuß, um glücklich zu sein. Demnächst will ich alle Menschen glücklich machen, die mir nahe stehen - Tifosi, Freunde und Familie - und die Vertrauen in mich besitzen: Trainer Mazzarri und Inter. Dazu reicht, den Ball zwischen den Füßen zu haben." Der Ball ist aktuell allerdings kein Freund der Interisti, und wenn Hernanes mit Jesus den Inter-Verteidiger meinte, zählt der ebenfalls nicht zu den Mailänder Heilsbringern.

Organisator des Spieltags: Er gehört zu den letzten wahnwitzigen Patronen der Serie A und möchte nun auch Fußball-England mit dem abstrusen Habitus bekannt machen. Massimo Cellino, Unternehmer und Cagliari-Eigner seit Juni 1992, lehrte die Insel in weniger als 24 Stunden prächtig den Cellino-Style. Der 57-Jährige übernahm 75 Prozent von Leeds United, entließ prompt Trainer Brian McDermott, genoss abwesend Cagliaris 1:0-Erfolg über eine indiskutable Fiorentina und das 5:1 seines neuen Klubs Leeds im Yorkshire-Derby gegen Huddersfield.

"Nein zu Cellino" lasen Spruchbänder an der Elland Road, die lautstark den geschassten Coach feierten. Vor der Abreise in die Wahlheimat Miami überlegte es sich Cellino doch anders und reinstallierte McDermott auf Geheiß des Volkes, obwohl er bereits den ehemaligen Inter- und Cagliari-Profi Gianluca Festa auf die Bank setzen wollte. "Als hätte die Welt nicht schon genug über die Reputation des kriselnden Calcio zu lachen", reagierte die italienische Presse.

Cellinos Übernahme wird derzeit noch vom englischen Verband überprüft, da vorbestrafte Personen keine Funktionen übernehmen dürfen. Erst im letzten Jahr saß er wegen Veruntreuung und Falschaussage beim Stadionneubau im italienischen Gefängnis ein. 2010 scheiterte Cellinos Versuch, West Ham zu kaufen: "Die fragten mich doch wirklich über mein Strafregister. Ich hätte lieber deren kriminelle Vergangenheit erfahren wollen", posaunte Cellino damals. "Die Engländer haben keine Ahnung, wie man Fußball organisiert." Vielleicht einen Tick mehr als die italienischen Cellinos.

Und sonst? Vom Winter-Markt zeigte sich Lazio-Trainer Edy Reja leicht angesäuert: "Wir haben zehn Spielern ein Angebot unterbreitet, doch niemand wollte zu Lazio kommen. Offenbar sitzen die lieber auf der Tribüne oder Bank, wo sie sind." Unter anderem sagten Jonathan Biabiany (Parma), Sebastian Giovinco, Mirko Vucinic und Fabio Quagliarella (alle Juventus) ab. Nun ja, zwei neue Profis kamen dann doch. Natürlich erst einmal auf Leihbasis, um zu prüfen, warum niemand zu Lazio möchte.

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