Sorgenkinder der Liga

Plötzlich auf dem Abstellgleis

Von SPOX
Dienstag, 11.11.2014 | 11:53 Uhr
Vier Sorgenkinder der Liga: Nils Petersen, Tranquillo Barnetta, Maxi Arnold und Konstantin Rausch
© spox
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Vom Stammspieler zum Bankdrücker: Zahlreiche Bundesliga-Stars und Talente fanden sich diese Saison plötzlich in neuen Rollen wieder. Die Sorgenkinder der Liga - von Nils Petersen bis Maximilian Arnold.

Nils Petersen (Werder Bremen)

Startelf-Einsätze 2014/2015: 1

Startelf-Einsätze 2013/2014: 19

Als Nils Petersen im Sommer 2013 endgültig zum SV Werder wechselte, wurde der Transfer auf Seiten der Bremer sehr begrüßt. Fünf Millionen Euro kostete der Stürmer vom FC Bayern München.

Traf er in der letzten Saison bei 27 Einsätzen (19 von Beginn an) immerhin noch sieben Mal, so bekommt er in diesem Jahre kein Fuß auf den Boden. 156 Einsatzminuten, ein Assist - das sind die Zahlen des 25-Jährigen in der bisherigen Saison. Kam er in unter Robin Dutt wenigstens ab und an noch von der Bank, so muss er unter Viktor Skripnik sogar um seinen Kaderplatz fürchten.

Doch der Stürmer gibt sich in einem Interview mit "Transferkmarkt.de" kämpferisch: "In zweieinhalb Jahren Werder war ich noch nicht in einer solchen Situation. Aber auch diese harte Zeit gehört zum Leben eines Fußballers und ich bin davon überzeugt, dass der Verein noch meine Qualitäten braucht."

Dabei sieht er gerade in seinem Konkurrenten das beste Beispiel: "Ich will dem neuen Trainer zeigen, was ich kann. Franco di Santo hat gezeigt, wie man sich noch mal entwickeln kann, obwohl man keine 18 mehr ist. Er ist ein Vorbild für Spieler, die in dieser Hinsicht stagnieren. Mich eingeschlossen.

Tranquillo Barnetta (FC Schalke 04)

Startelf-Einsätze 2014/2015: 0

Startelf-Einsätze 2013/2014: 20

Im letzten Jahr noch war der ehemalige Leverkusener an die Frankfurter Eintracht ausgeliehen und war dort unumstrittener Stammspieler. Einen ähnlichen Status hatte sich der Schweizer auch bei der Rückkehr nach Gelsenkirchen vorgestellt. Doch weit gefehlt. Lediglich 93 Minuten trug Barnetta bisher in dieser Saison das königsblaue Trikot.

Einzig in der Champions League beim 1:1 gegen Maribor kam er über 90 Minuten zum Einsatz. Ansonsten wurde er nur eingewechselt, kein einziges Mal stand er in der ersten Elf. Sowohl unter Jens Keller als auch unter Roberto Di Matteo genießt der offensive Mittelfeldspieler wenig Vertrauen. Immerhin absolvierte er am vergangenen Spieltag sein Debüt unter dem neuen Coach - in der 73. Minute kam er für Jan Kirchhoff.

Für Verwirrung sorgte im September ein Facebook-Post vom 29-Jährigen während der Partie gegen Borussia Mönchengladbach: "3 Wechsel, kein Quillo. Na dann: Hopp Gladbach". Doch Barnetta distanzierte sich umgehend davon und stellte anschließend klar: "Seit Bestehen meines Accounts habe ich die Pflege der Seite in die Hände eines Freunds gelegt. Leider hat dieser während der Partie in Mönchengladbach aus der Emotion heraus einen Beitrag veröffentlicht, der zu Verwirrung geführt hat."

Rein sportlich wird es für Barnetta auch so schwer. Mit Max Meyer, Kevin-Prince Boateng, Julian Draxler, Eric-Maxim Choupo-Moting, Sidney Sam, Leon Goretzka, Jefferson Farfan und Christian Clemens ist die Konkurrenz auf seiner Position enorm.

Elkin Soto (1. FSV Mainz 05)

Startelf-Einsätze 2014/2015: 1

Startelf-Einsätze 2013/2014: 17

Bei Elkin Soto gestaltet sich die Diskussion im Vergleich zu den hier genannten Personalien ein wenig anders. Schon unter Thomas Tuchel pendelte der Kolumbianer zwischen Bank, Tribüne und Startelf. 20 Ligaspiele bestritt er in der letzten Saison - 17 von Beginn an.

In diesem Jahr stand er erst einmal in der ersten Elf, einmal wurde er acht Minuten vor dem Ende eingewechselt. In Mainz aber verliert keiner ein schlechtes Wort über Soto. "Wir brauchen solche Spieler", sagt Kasper Hjulmand über den Mittelfeldspieler. "Ich habe großen Respekt vor Elkin, weil er ein Top-Profi ist."

Im Sommer läuft sein Vertrag aus, doch der Coach kann sich trotz der wenigen Einsatzzeiten eine Verlängerung vorstellen. "Ich finde nicht, dass Elkin fertig ist. Er hat seine Möglichkeiten und wir werden sehen, was die Zukunft bringt", so der Däne.

Vor allem für das Klima im Team ist der Linksfuß besonders wichtig. "Er tut alles für die Mannschaft und hat großen Einfluss in der Kabine", versichert Hjulmand. Gerade die Integration der spanisch sprechenden Profis wie Gonzalo Jara, Jairo und Pablo de Blasis hätte Soto erleichtert. Für den Coach ist Soto ein "Hidden Hero" - ein versteckter Held. Möglich, dass er das Heldentum noch ein Jahr länger ausleben darf.

Yannick Gerhardt (1. FC Köln)

Startelf-Einsätze 2014/2015: 1

Startelf-Einsätze 2013/2014: 21

Yannick Gerhardt galt als eines der Gesichter des Kölner Aufstiegs im Sommer. Aus der A-Jugend kommend hatte ihn Peter Stöger in die Startelf der Profi-Mannschaft geholt, wo der zentrale Mittelfeldspieler fast die ganze letzte Saison überzeugte. Im Sommer gab es dann einige Gerüchte um einen Wechsel ins Ausland. Der portugiesische Rekordmeister Benfica hatte bei Gerhardt angefragt, acht Millionen Euro standen im Raum. Doch der Youngster lehnte ab. Er wollte lieber mit dem FC in der ersten Liga für Furore sorgen.

Das klappte bisher noch nicht. Lediglich gegen Bayern stand Gerhardt in der Startelf, wurde aber nach knapp einer Stunde ausgewechselt. Insgesamt absolvierte er bisher nur 102 Ligaminuten, zwischenzeitlich stand Gehardt nicht einmal im Kader. Erst Ende Januar hatte er seinen Vertrag vorzeitig bis 2018 verlängert, daher werden kleine sportlichen Rückschläge nicht zu negativ gesehen. "Wir sind stolz, dass er hier geblieben ist und uns alle sicher, dass er seine Entwicklung beim FC nehmen wird", sagt Geschäftsführer Alexander Wehrle.

Dass Gerhardt nicht den Kopf in den Sand stecken wird, zeigte die Geschichte vor dem BVB-Spiel. Als er merkte, dass es gegen Dortmund wieder nicht für einen Kaderplatz reichen würde, bat er Trainer Stöger darum, in der Regionalliga-Mannschaft auflaufen zu dürfen. Der U20-Nationalspieler fuhr der zweiten Mannschaft hinterher, auch wenn es letztlich nicht für Einsatz reichte.

Dennoch: Manager Jörg Schmadtke bat Gerhardt, der immer noch auf die Dienste eines Beraters verzichtet, in sein Büro - als Lohn für die guten Leistungen gab es eine saftige Gehaltserhöhung. "Man muss gute Leistung belohnen. Und das haben wir getan", bestätigt Schmadtke im "Express".

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