Donnerstag, 22.01.2015

Die Lage beim HSV

Zeit für Euphorie?

Der Kühne-Deal setzt Emotionen frei und verschafft dem Hamburger SV etwas Zeit und Spielraum. Klub-Boss Dietmar Beiersdorfer ist geradezu euphorisch, hinter den Kulissen wird bereits am zweiten wichtigen strategischen Partner gebaggert. Auf sportlicher Ebene hat der HSV ein Wochen vor dem Rückrundenstart aber noch jede Menge Probleme zu bewältigen.

Der Hamburger SV verkündete am Donnerstagmorgen den großen Deal mit Investor Kühne
© imago
Der Hamburger SV verkündete am Donnerstagmorgen den großen Deal mit Investor Kühne

Das Bömbchen platzte am Donnerstagmorgen: Der Hamburger SV und Gönner Klaus Michael Kühne haben sich nun doch auf die Teil-Umwandlung seines Darlehens von 18,75 Millionen in Anteile an der HSV Fußball AG geeinigt. Kühne wird dafür mit 7,5 Prozent an der Gesellschaft beteiligt.

Von den 25 Millionen Euro, die Kühne dem Klub geliehen hat, muss der HSV bis 2019 die restlichen 6,25 Mio. Euro zurückzahlen. Der Zinssatz hierfür soll bei 4,5 Prozent liegen. Zugleich wird die Imtech Arena vom 1. Juli 2015 an wieder Volksparkstadion heißen. Für den Erwerb der Namensrechte bezahlt Kühne in den kommenden vier Jahren insgesamt 16 Millionen Euro.

Der HSV hat sich also mit einer überraschenden Volte ordentlich Zeit und Handlungsspielraum geschaffen und einen ersten Schritt gesetzt im Bestreben, nach der Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung Teile der Gesellschaft an Investoren zu veräußern.

Rechtzeitig vor der Mitgliederversammlung am 29. Januar scheinen damit einige dringliche Fragen beantwortet. Ungeachtet des Ausrufezeichens abseits des Platzes hat der Hamburger SV aber weiter mit einigen großen Problemen zu kämpfen. Eine Bestandsaufnahme.

Die Kühne-Situation:

Am Donnerstagmorgen hat der HSV eine Reihe Medienvertreter mit dem Mannschaftsbus am Stadion abgeholt und auf dem Weg zum Neujahrsempfang einen kleinen Abstecher in den nahe gelegenen Volkspark gemacht. Der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer, Marketingvorstand Joachim Hilke und Finanzvorstand Frank Wettstein warteten da bereits, Aufsichtsratschef Karl Gernandt kam direkt hinter dem Bus ans Ziel.

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An der geradezu mystischen Stätte offenbarte das Quartett den ebenso verdutzen wie ahnungslosen Journalisten den einigermaßen spektakulären Deal. Noch vor Weihnachten hatte sich der 77-jährige Kühne wenig für den erhofften Anteilskauf interessiert und im Gegenteil davon gesprochen, sein Darlehen inklusive der fälligen Zinsen zum schnellstmöglichen Termin einzufordern.

Die Folge wäre ein finanzieller Drahtseilakt für den HSV gewesen, viele Experten hatten dem Dino sogar eine veritable Unterdeckung in der Bilanz und Lizenzschwierigkeiten prophezeit. Durch den plötzlichen Umschwung Kühnes ist dieses gefährliche Szenario vorerst vom Tisch.

Beim Neujahrsempfang für die Sponsoren war die Euphorie bei den Verantwortlichen nahezu greifbar. Kühne wurde als "strategischer Partner" vorgestellt und soll nur der erste seiner Art sein. "Es gibt einen möglichen Investor, der mir gestern gesagt hat, dass er sich ernsthaft mit einem Einstieg beim HSV beschäftigt", sagte Gernandt.

Fast alle stellten die Emotionen in den Vordergrund, die mit der Rückkehr zum alten Namen Volksparkstadion in Verbindung gesetzt werden sollen. HSV-Boss Beiersdorfer: "Wir sind sehr glücklich, dass mit Herrn Kühne ein echter HSVer, verlässlicher Begleiter und wirklicher Unterstützer jetzt auch als strategischer Partner eingestiegen ist. Dass Herr Kühne uns ermöglicht, wieder im Volksparkstadion zu spielen, freut mich ganz besonders. Für viele unserer Fans und auch für mich ist der Name des Stadions eine emotionale Angelegenheit, weil wir damit Tradition, Erfolge und unvergessliche Momente verbinden. Daher möchte ich mich bei Herrn Kühne ganz herzlich für dieses außergewöhnliche Engagement bedanken."

Für Kühne selbst sei der Vorstoß "eine Herzensangelegenheit. Ich wünsche mir, dass unsere Mannschaft im Volksparkstadion wieder an alte Erfolge anknüpfen kann." AR-Boss Gernandt, in Kühne Speditionsfirma die rechte Hand des Chefs, gilt als entscheidender Vermittler zwischen Mäzen und Klub.

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"Herr Kühne ist voller Emotionalität. Er wollte den Fans den Namen schenken, mit dem er immer ins Stadion gegangen ist. Es ist auch ein großer Schritt für ihn", sagte Gernandt. "Wir haben ihn vom Konzept überzeugt und er hat sein Herz in die Hand genommen. Es ist auch ein Signal, dass der Wandel zur HSV AG nicht die Kommerzialisierung bedeutet."

Bei allem berechtigten Jubel über den Kontrakt bleibt aber auch festzuhalten, dass es sich bei Kühnes Engagement nur partiell um zusätzliches und frisches Geld handelt. Es entfallen die Tilgungsraten von rund einer Million Euro pro Jahr für die 18,75 Millionen, dazu kommen auf der Einnahmenseite die vier Millionen Euro pro Jahr für den Erwerb des Stadionnamens. Einen ähnlichen Betrag hätte aber wohl auch ein anderes Unternehmen dafür bezahlt.

Den Fans wird es sicherlich warm ums Herz werden, wenn sie nach 14 Jahren wieder in ihren Volkspark strömen dürfen. Seit 2001 hatte die Arena im Stadtteil Stellingen gleich drei verschiedene Namen: AOL Arena, HSH Nordbank Arena, Imtech Arena. Mit der in Hamburg ansässigen Imtech GmbH und Co. KG wurde ein Auflösungsvertrag ausgehandelt.

Die HSV-Bosse haben ihrerseits nun wohl etwas mehr "Kontrolle" über den bisweilen widerspenstigen und eigenwilligen Gönner, der in den letzten Monaten und Jahren von außen zunehmend Druck aufgebaut und einzelne Personen zum Teil schwer attackiert hatte. Ab sofort darf und soll Kühne aktiv und konstruktiv mitreden und gestalten. Das kann Segen sein - oder Fluch.

Das stete und über die Jahre gewachsene Misstrauen im Umfeld des Klubs dürfte die Bekanntgabe des Kühne-Deals nur kurzzeitig beruhigen. Immerhin ist jetzt ein Anfang gemacht. Kühnes Beispiel, das den zuvor wenig geliebten Mäzen jetzt wie einen Wohltäter dastehen lässt, sollen in naher Zukunft noch weitere Investoren folgen. Unter anderem steht der HSV in Gesprächen mit Alexander Otto vom Versandhaus "Otto". Mit dem ehemaligen AR-Chef soll über die Finanzierung des geplanten "HSV Campus" gesprochen werden.

Darüber dürfte unter anderem auf der Versammlung in wenigen Tagen Näheres bekannt werden. Die Mitglieder dürften an dieser nun mit einem etwas besseren Gefühl teilnehmen.

Seite 1: Die Kühne-Situation

Seite 2: Die schwierige Transferlage

Seite 3: Die angespannte Personallage

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