Die Imperatoren der Liga

Das Prinzip Nörgeln

Von Stefan Rommel
Donnerstag, 27.09.2007 | 15:13 Uhr
Bayern, Klose, van Bommel
© Getty
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München - Mit Videoanalysen ist das ja so eine Sache. War früher schon im Biologieunterricht so. Kaum waren die Jalousien unten, wurde gepennt oder geflirtet oder abwechselnd beides.

Im Schutz der Dunkelheit ließ es sich prima aushalten. Und das Oberschlundganglion der Heuschrecke interessierte eh niemanden.

Wie eine Videostunde beim FC Bayern München aussieht, ist leider nicht bekannt. Neulich bat Ottmar Hitzfeld seine Untertanen zum Studium vereinzelter Spielsequenzen. Es waren einige Chancen des Karlsruher Sport Clubs zu sehen, die sich der freche Aufsteiger gegen die Bayern erspielte.

Ottmar Hitzfeld hat das gar nicht gefallen. Und deshalb hat er über das doch recht klare 4:1 seiner Mannschaft im Wildpark hinweggesehen und haarklein über falsches Individualverhalten und grobe taktische Missverhältnisse im Mannschaftsverbund schwadroniert.

Imperatoren der Liga

Es ist als großes Glück für Hitzfeld anzusehen, dass Spieler wie Claudio Pizarro oder Roque Santa Cruz bei der Analyse nicht mehr dabei waren. Die beiden hätten sich wohl eher über die feschen Mädels im P1 unterhalten oder sich schmutzige Witze erzählt.

Denn: Wer braucht schon eine Videoanalyse nach einem 4:1-Sieg auswärts? Die neuen Bayern brauchen so was. Denn das macht sie aus, diese Imperatoren der Bundesliga. Es geht immer noch besser, noch effektiver, noch schöner.

Uli Hoeneß zum Beispiel könnte sich schon längst selbst auf die Schulter klopfen. Tolle Spieler hat er da gekauft, der Uli. Der Franck zaubert, der Luca verzückt die weiblichen Fans und der Miro knackt vielleicht die 40-Tore-Marke von Gerd Müller.

Alle machen Druck

Aber was macht Hoeneß? Greift Lukas Podolski an, erwartet endlich Leistung, macht Druck. Bescheinigt einem Toni Kroos eine ordentliche Leistung, wo andere Weltklasse sehen.

Ein veritables Rezept, das sich auch Hitzfeld und Co-Trainer Michael Henke zu Nutze machen. Wo letzte Saison noch vermeintlich leichte Spiele gegen schwächere Gegner vergeigt wurden, schaffen es die Bayern diesmal, in jeder Phase der Saison die Konzentration hoch zu halten.

Stillstand heißt Rückschritt. Und bei den Bayern steht keiner still. Immer mal wieder schießt einer quer und stichelt ein bisschen rum. Die Bayern basteln sich selbst immer wieder Reibungspunkte und sind damit der Liga mindestens einen Schritt voraus.

Ein Spiel wie das gegen Cottbus wäre prädestiniert gewesen für ein bescheidenes Remis, gerade nach den vielen gelungenen Auftritten zuletzt.

Die Bayern gewinnen aber 5:0 und spielen erfrischenden Fußball. Der neutrale Fan hat überhaupt nicht das Gefühl, dass den Münchener eine Panne unterlaufen könnte. Alles wirkt zu sicher und gefestigt.

Hungrige, charakterstarke Spieler

Und noch was haben die Verantwortlichen super hinbekommen: Die Stinkstiefel sind weg. Das dumme an den Stinkstiefeln war ja nicht nur, dass sie Stinkstiefel waren, sondern auch erfolgverwöhnt, müde und satt.

Die Neuen haben noch nichts gerissen. Aus der Reihe tanzen Ze Roberto, aber der ist ja auch Heimkehrer und nicht Novize und Sosa, der mit Estudiantes 2006 den Titel holte. Aber Klose, Altintop, Janssen, Schlaudraff, Toni, Ribery - alle ohne Meisterwürden. Dementsprechend hungrig präsentiert sich der FC Bayern auch in dieser Saison.

Da nehmen die Spieler auch gerne die eine oder andere Videoschulung in Kauf. Ist schließlich für einen guten Zweck. Und Fußball gucken während der Arbeitszeit ist das Schlechteste nicht.

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