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NFL

Hail Mary! Wunder rettet Green Bay!

Packers-Tight End Richard Rogers fängt den "Hail-Mary"-Pass von Aaron Rodgers

Die Detroit Lions (4-8) haben ihr Heimspiel gegen die Green Bay Packers (8-4) in allerletzter Sekunde mit 23:27 verloren und müssen damit wohl endgültig alle Hoffnungen auf die Playoffs begraben. Den Sieg nach großer Aufholjagd sicherte Packers-Quarterback Aaron Rodgers erst in allerletzter Sekunde mit einem Spielzug für die Geschichtsbücher.

Mit einem 17:0-Vorsprung waren die Lions, die das Hinspiel in Green Bay vor drei Wochen gewonnen hatten, in die Pause gegangen, nach dem Seitenwechsel führten sie sogar mit 20:0. Doch ein Ballverlust von Quarterback Matt Stafford (23/35, 220 YDS, 2 TDs) sorgte für ein schnelles 14:20, dann verkürzte Rodgers (24/36, 273 YDS, 2 TDs, INT, Rushing-TD) mit einem Touchdown-Lauf auf 21:23, drei Minuten vor Schluss.

Eine halbe Minute vor dem Ende bekam er den Ball schließlich tief in der eigenen Hälfte zurück, und eigentlich wäre das Spiel schon entschieden gewesen, doch im letzten Spielzug leistete sich die Defense einen Griff in Rodgers' Gesichtsmaske - 15 Yards Strafe und ein Spielzug mit Null Sekunden auf der Uhr waren die Folge. So feuerte der Packers-Quarterback den Ball über 61 Yards zu seinem Namensvetter Richard Rodgers - und der fing der Ball in der Endzone zum unfassbaren Erfolg.

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Im 137. Duell der beiden Traditions-Teams war es das größte Comeback überhaupt. Mit dem Sieg bleiben die Packers in der NFC North auf Schlagdistanz zu Tabellenführer Minnesota, in zehn Tagen geht es gegen die Dallas Cowboys. Detroit reist nach St. Louis.

Die Stimmen:

Aaron Rodgers (Quarterback Green Bay Packers): "Ich kriege kaum noch Luft. Das war das verrückteste Spiel meines Lebens und das beste seit dem Super Bowl. Ich wusste, wir sind ungefähr an der (eigenen) 40, ich wollte den Ball einfach nur in die Endzone bekommen. Ich kann nicht fassen, dass Richie den gefangen hat."

...über seine Gedanken, während der Ball in der Luft war: "Fang ihn! Du musst ihn fangen! Ich hatte genügend Anlauf und war optimistisch, dass ich so weit komme. Ich konnte [Golden] Tate sehen, wie er sich in Position brachte. Richard habe ich erst im letzten Moment gesehen, aber als er ihn gefangen hat... ich war kurz bewusstlos. Keine Ahnung, was dann passiert ist. Ein solch großartiges Gefühl hatte ich schon lange nicht mehr. In der ersten Halbzeit waren wir richtig schlecht, in der zweiten wurden wir besser."

...über die Form des Teams: "Es ist ein harter Kampf für uns derzeit. Wir sind in der Offense sehr unkonstant. Das können wir uns nicht leisten."

Richard Rodgers (Tight End Green Bay Packers): "Wir haben das vor dem Spiel ein bisschen geübt. Als ich sah, dass er den Ball mit derart hoher Flugkurve wirft, wusste ich, dass ich eine Chance habe, an ihn ranzukommen. Ich sollte eigentlich blocken, damit Davante eine gute Chance hat, aber als der Ball in der Luft war, habe ich realisiert: den kann ich kriegen!"

Golden Tate (Wide Receiver Detroit Lions): "Das Spiel ist erst vorbei, wenn die Uhr auf Null herunter gelaufen ist - und selbst dann ist es manchmal noch nicht vorbei. Das ist eine bittere Pille, die man erst einmal verdauen muss. Aber wir haben eine gute Leistung abgeliefert. Ein Spielzug..."

Jim Caldwell (Head Coach Detroit Lions): "Solche Spiele nagen an dir. Wir waren bereit für ein großes Spiel - und so sind wir auch aufgetreten - bis auf die letzten Augenblicke."

Devin Taylor (Defensive End Detroit Lions) über seine Facemask-Penalty: "Es ist das, was die Refs letzten Endes entscheiden. Das kann ich nicht beeinflussen. Ich kann einfach nur spielen. Ich glaube nicht, dass ich [Rodgers' Gesichtsmaske] berührt habe."

Der Spielfilm:

Vor dem Kick-Off: Im Lions-Land hofft man nach nur einem Sieg aus den ersten acht Spielen doch tatsächlich wieder auf die Playoffs. Grund dafür ist die wiedererstarkte Offense unter Coordinator Jim Bob Cooter, "Megatron" zeigte im Thanksgiving-Game wieder sein ganzes Können, Stafford ist gut drauf, und auch die Defense funktioniert. Alles gut - also bis auf die sieben Niederlagen auf dem Konto.

Aber wer in Green Bay gewinnt, der darf an die Postseason-Chance glauben. Zum ersten Mal seit über 20 Jahren gewann man in Week 10 auswärts in Wisconsin. Und das wurmt den großen Bruder aus Green Bay doch gewaltig. Der hat die Division-Führung an die Vikings abgeben müssen, mit Running Back Eddie Lacy läuft es nicht, und Aaron Rodgers wirkt ob seiner fehlenden Anspielstationen doch sehr sterblich. Klappt es mit der Revanche?

Die Lions müssen auf Center Travis Swanson verzichten, schlimmer hat es aber die Gäste erwischt: Mit TJ Lang und Bryan Bulaga fehlt die komplette rechte Seite der O-Line, dazu sind Receiver Ty Montgomery und Corner Damarious Randall nicht dabei.

7.: Die Packers starten mit James Starks im Backfield, der im ersten Drive gleich fünfmal die Pille tragen darf, während Lacy zuschaut. Bringt aber nichts, und auch im zweiten Drive geht man leer aus. Detroit hat derweil durch ein 51-Yard-Field-Goal von Matt Prater vorgelegt. Der ist in dieser Saison bei FGs noch ohne Fehlversuch. 3:0 Lions!

14.: Wow, was für ein Doppelschlag der Lions! Zuerst kommt man dank eines 36-Yard-Runs von Ameer Abdullah nahe an die Endzone, und dann bemerkt Stafford, dass Tight End Eric Ebron keinen Gegenspieler hat. Kinderleichter Touchdown! Nur zwei Plays später wirft Rodgers, einen Tag nach seinem 32. Geburtstag, aus dem Lauf zu James Jones. Der Pass gerät etwas hoch und rutscht dem Altmeister durch die Finger - dahinter wartet Glover Quin! Und Stafford nutzt den Pick: Langer Pass auf Megatron, der im One-on-one hochsteigt und das Ding wunderschön einsackt. 14 Punkte in 48 Sekunden! 17:0 Detroit!

30.: Halbzeit - und weiterhin keine Punkte für Green Bay - unglaublich. Sogar Kicker Mason Crosby macht mit und verballert einen 41-Yarder, dazu steht A-Rod in der Pocket ständig unter Beschuss. Immerhin hält die Defense, aber das sind trotzdem nun schon 60 Minuten ohne Punkte. 17:0 Lions!

41.: BAM! Alles wieder offen! Nachdem die Lions die zweite Halbzeit mit einem Field Goal eröffnen, sind die Packers endlich vor der Endzone. Starks bekommt den Ball und fumbelt doch tatsächlich, aber der Ball spritzt zu Randall Cobb, der sich über ihn hermacht. Touchdown. Stafford will antworten, doch da ist Julius Peppers mit dem Strip-Sack - der Ball geht an die Packers! Rodgers sagt danke und wirft zu Davante Adams. Sein erster TD in dieser Saison. Sehr ähnlich zu Detroits Doppelschlag, dauerte nur geringfügig länger. 20:14 Detroit!

57.: Rodgers! Nachdem die Lions mit einem langen Drive viel Zeit von der Uhr nehmen und dabei auch einen vierten Versuch ausspielen, liegen die Packers wieder mit neun Punkten hinten. Auch die Packers riskieren einen vierten Versuch und haben Erfolg, und dann teilt sich vor dem QB bei Third-and-10 plötzlich das Meer: 17 Yards rennt er ungehindert ins Glück, dann folgt der Gronk-Spike! Jetzt würde ein Field Goal wieder reichen! 23:21 Lions.

60.: Das gibt's doch nicht! Das kann doch nicht wahr sein! Zweieinhalb Minuten nehmen die Lions von der Uhr, nach dem Punt beginnen die Packers an der eigenen 21-Yard-Linie. Zwei Pässe ohne Abnehmer, nur noch sechs Sekunden sind übrig. Rodgers passt nach vorn, dann kommt der Ball per Lateral zu ihm zurück. Er wird getackelt, dabei streift Devin Taylor aber seine Gesichtsmaske. 15 Yards, noch ein Spielzug, obwohl die Uhr abgelaufen ist. Rodgers von der eigenen 39, er nimmt Reißaus, nimmt Anlauf - und dann feuert er den Ball gute 70 Yards durch die Luft. Richard Rodgers steht in der Endzone am besten, er hat den Ball, Sieg, Sieg, die Packers gewinnen! Ein waschechter Hail Mary! Wahnsinn! 27:23 Packers.

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Der Star des Spiels: Richard Rodgers. Acht Catches für den 23-Jährigen Tight End, für insgesamt 146 Yards. Aber natürlich interessiert so nur der eine, der allerletzte Catch! Respekt an seinen QB, den Ball überhaupt so weit zu feuern, aber sein Tight End spielte den Ball perfekt, tauchte erst im letzten Moment vor der wartenden Meute in der Endzone auf und fing den Ball in voller Streckung. Einfach nur perfekt gemacht!

Der Flop des Spiels: Devin Taylor. Man kann darüber streiten, ob es unbedingt eine Facemask-Strafe gegen den Pass Rusher sein musste am Ende, zudem hatte der Defensive End davor ein starkes Spiel mit zwei Sacks abgeliefert. Aber sie hatten Rodgers sicher, in einem solchen Moment darf man einfach keine Strafe riskieren, und sei sie noch so umstritten. Lässt er seine Finger aus dem Gesicht des QBs, ist das Spiel gewonnen. Der zweite Platz geht an die Hail-Mary-Defense - viel schlechter kann man das nicht machen. Nur drei Mann rushen, so hatte Rodgers genügend Zeit für den Wurf. Und dann war Richard Rodgers auch noch völlig frei. Ganz bitter.

Das fiel auf:

  • Aaron Rodgers kann dem geneigten Packers-Fan nur leid tun. Zusätzlich zu seinem dezimierten und nicht überzeugenden Receiver-Korps hatte sich diesmal auch sein Running Game verabschiedet. Bis ins lezte Viertel standen die Packers bei nicht einmal zwei Yards pro Carry. Wobei auch die Frage gestellt werden darf, warum Eddie Lacy (5 CAR, 4 YDS) nach zwei 100-Yard-Games in Folge gerade zu Beginn nicht an den Ball durfte. Vielleicht wollte Coach McCarthy gegen die athletische Front Seven der Lions auf mehr Wendigkeit setzen.
  • Egal - gegen die Defensive Line der Hausherren machte niemand einen Stich - und schon gar nicht die zusammengestückelte O-Line der Packers. Ohne zwei Starter lief es schon zu Beginn nur mittelmäßig, dann musste im zweiten Viertel auch noch der angeschlagene Center Linsley mit Knöchelproblemen raus. Resultat: Keine Löcher für die Backs, dafür aber ein ums andere Mal für den gegnerischen Pass Rush. Devin Taylor kam bei Third Down zweimal zu Rodgers durch, auch der pfeilschnelle Ziggy Ansah, der die 100 Meter früher unter 11 Sekunden lief, war nicht zu stoppen.

  • Sieg hin oder her, Mike McCarthy muss sich etwas einfallen lassen, um seine Offense wieder in Schwung zu bringen. Nach drei Spielen in Serie unter 20 Punkten lief es gegen die Lions auch in der ersten Hälfte überhaupt nicht (zum ersten Mal seit 56 Spielen ohne Punkt in Halbzeit eins), für die beiden Scores im dritten Viertel mussten mehr als glückliche Umstände herhalten - vom Hail Mary wollen wir da nicht reden. Überhaupt gelang es den Packers, alle vier Fumbles im Spiel zu sichern - darauf kann man sich ganz sicher nicht verlassen. Rodgers ist die ultimative Wild Card, trotzdem sind die Cheeseheads noch lange nicht in Playoff-Form.
  • Lions-Coach Caldwell spielte in den letzten drei Minuten einen Third Down offensiv aus und ließ Stafford einen Pass spielen. Der feuerte dann auch einen perfekten Pass durch die Mitte auf TJ Jones, an den Fingerspitzen von Cornerback Quinten Rollins vorbeizischte. Aber dann stellte Caldwell doch auf konservativ um, rannte dreimal in die Line of Scrimmage und gab den Ball so noch einmal zurück - dabei hätte ein First Down gereicht.
  • Einen wunderbaren Touchdown konnte sich Calvin Johnson sichern, danach war von ihm aber zu wenig zu sehen (3 Catches, 44 Yards). Ein paar tiefe Pässe warf Stafford noch in seine Richtung, doch die waren allesamt etwas zu ungenau - Megatron war eigentlich offen. Im Nachhinein wären noch ein paar Bälle mehr in Calvins Richtung eine weise Entscheidung gewesen.
  • Werden die Spiele in der NFL immer enger? Manchmal hat man das Gefühl, dass sich 99 Prozent aller Spiele erst im letzten Moment entscheiden. Ganz so ist es nicht. ABER: Die letzten drei Partien - übrigens alle im LIVESTREAM bei SPOX zu sehen - waren allesamt "Walk-off Wins", wurden also durch Punkte im letzten Spielzug entschieden: Denvers Erfolg über die Patriots, das geblockte Field Goal der Ravens - und nun die Rodgers-zu-Rodgers-Connection.
  • Coldplay beim Super Bowl: In der Halbzeit des Spiels wurde bekanntgegeben, dass die britische Band Coldplay bei der Halbzeitshow von Super Bowl 50 in Santa Clara auftreten werden. Mit 80 Millionen verkauften Platten und sechs Nummer-Eins-Alben gehört die Truppe von Frontmann Chris Martin zu den erfolgreichsten Bands der Welt.

Der Schedule: Week 12 im Überblick

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