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NFL

Ravens gewinnen irres Herzschlagfinale

Will Hills Return-Touchdown sorgte für ein unglaubliches Finale in Cleveland

Die Cleveland Browns (2-9) bleiben auf Kurs Top-Draft-Pick: Gegen stark verletzungsgeplagte Baltimore Ravens (4-7) verloren die Browns in einem verrückten Finish - mussten ihre letzten Drives aber auch mit Backup-Quarterback Austin Davis bestreiten. Starter Josh McCown hatte sich zuvor an der Schulter verletzt, ein Touchdown per geblocktem Field Goal bescherte den Ravens den kaum noch für möglich gehaltenen Auswärtssieg.

Davis (7/10, 77 YDS, TD) fügte sich nach der Verletzung von McCown (21/38, 212 YDS, TD) gut ein - auch wenn er von den eigenen Fans, die Johnny Manziel sehen wollten, zunächst ausgepfiffen wurde. Doch Browns-Coach Mike Pettine blieb seiner Ansage, wonach Manziel vorerst nur die dritte Option ist, treu. Beinahe wäre er dafür auch belohnt worden: Weil sich Matt Schaub (20/34, 232 YDS, 2 TDs, 2 INT) eine Interception zur Unzeit leistete, brachte Davis Cleveland spät in Field-Goal-Reichweite.

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Doch Baltimore blockte den Kick und Will Hill trug den Ball zurück in die Endzone. Es war ein irres Finish für ein ansonsten, wie erwartet, auf beiden Seiten eher durchwachsenes Spiel, das durchaus von den Fehlern lebte. Während Baltimore somit den zweiten Sieg in Folge einfährt, bleibt abzuwarten, ob Manziel auch im Falle einer längeren McCown-Zwangspause weiter auf der Bank schmoren muss. Die ersten Berichte lassen zumindest für McCown wenig gutes erahnen: Der Routinier hat sich womöglich das Schlüsselbein gebrochen.

Die Stimmen:

Will Hill (Ravens-Defensive-Back, über seinen Return-TD am Ende): "Ich habe gebetet, dass ich einen Block bekomme. Es war ein Wunder. Ich habe den Ball gesehen und als ich ihn bekommen habe wusste ich, dass ich in die Endzone kommen kann. Alles was wir im Moment haben, ist Glaube und Mut. Ich hatte nach dem Spiel direkt 43 Nachrichten auf dem Handy. Auf die freue ich mich jetzt."

Matt Schaub (Ravens-Quarterback): "Ich habe schon einige verrückte Spiele erlebt, aber das übertrifft sie alle. Wir haben Cleveland mit dem späten Turnover alle Möglichkeiten gegeben, das Spiel zu gewinnen. Aber dann hat unser Special Team das Play gemacht. Natürlich können wir uns in vielen Bereichen steigern. Aber es ist immer schön, zu gewinnen."

John Harbaugh (Ravens-Coach, zu seinem Gegenüber Mike Pettine direkt nach dem Spiel): "So etwas habe ich noch nie erlebt."

Mike Pettine (Head Coach Browns): "Wir haben das Spiel am Ende nicht entscheiden können, es ist frustrierend. Man sieht die Jungs in der Kabine - wir standen so kurz davor, jeder kämpft. Diese Niederlage ist schwer zu schlucken."

...(über die Quarterback-Frage): "Wir werden uns das Tape anschauen und dann morgen darüber diskutieren. Das kann ich jetzt nicht beantworten. Wenn Josh fit ist, wird er spielen."

Der Spielfilm:

Vor dem Kick-Off: Herzlich Willkommen zum Duell der Helden aus der zweiten Reihe! Vor allem Baltimore ist vom Verletzungspech schwer getroffen, seit dem vergangenen Spieltag gesellen sich auch Quarterback Joe Flacco und Running Back Justin Forsett zu Steve Smith, Terrelle Suggs, Breshad Perriman und Co. ins Lazarett. Somit dürfen sich heute unter anderem Matt Schaub, der seit einem Jahr keinen Pass in der NFL geworfen hat, und Rookie-RB Javorius Allen beweisen.

Aufseiten der Browns dominierte unter der Woche Johnny Manziel die Schlagzeilen - wenn auch aus den falschen Gründen. Der Quarterback wurde nach einer Party-Nacht während der Bye Week vom Starter zum dritten QB degradiert, Josh Mccown steht also erneut im Fokus. Dabei muss er aber auf die Receiver Taylor Gabriel und Andrew Hawkins verzichten. Insgesamt dürfen sich also mehrere Backups beweisen - auch wenn die Playoffs für beide Teams in dieser Saison keine Rolle mehr spielen.

11.: Per Special Team schlagen die Ravens als erstes zu! Nachdem sich beide Offenses je einmal erfolglos versuchen durften, gelingt Browns-Punter Andy Lee eigentlich ein guter Kick. Doch Kaelin Clay liest die Blocks perfekt und trägt den Ball 82 Yards zurück in die Endzone. Wenige Minuten später legt Justin Tucker aus 49 Yards nach. 10:0 Ravens!

21.: Und Baltimore erhöht nach einen Browns-Field-Goal abermals: Ein weiter Pass von Schaub per Play Action auf Chris Givens bringt die Ravens in die Red Zone, aus 13 Yards findet Schaub Allen. Der schließt den 90-Sekunden-Drive durch schwache Tackling-Versuche der Hausherren mühelos ab. 17:3 Ravens.

30.: Die Browns leben! Cleveland legt seinen bislang besten Drive aufs Parkett, in der Red Zone glänzt McCown dann mit Beweglichkeit und Athletik. So verlängert er unter Druck den Spielzug und bedient schließlich Marlon Moore in der Endzone! Cleveland kommt dann nochmals in die Red Zone, dieses Mal reicht es aber nur zum Field Goal. 17:13 Ravens zur Pause.

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40.: PICK SIX! Und Cleveland geht erstmals in Führung! Schaub offenbart sein altbekanntes Problem, bei einem Pass über die Mitte übersieht er Linebacker Karlos Dansby komplett und Dansby trägt den Ball zurück in die Endzone. Doch die Antwort der Ravens lässt nicht lange auf sich warten: Schaub schüttelt die Interception schnell ab und führt seine Offense das Feld runter, Kamar Aiken fängt schließlich den Pass von der 15-Yard-Line und streckt sich über die Goal Line. 24:20 Ravens.

52.: Baltimore zeigt jetzt gute Drives in der Offense, nimmt viel Zeit von der Uhr und baut seine Führung per Field Goal wieder auf sieben Punkte aus. Cleveland will antworten - doch McCown ist sichtbar angeschlagen. Einige Minuten zuvor war Clevelands Quarterback hart auf der Schulter gelandet, kam aber nochmals auf den Platz zurück. Jetzt ist klar: Es geht nicht weiter. Austin Davis (und nicht Manziel, zur lautstark hörbaren Unzufriedenheit der Fans) kommt rein. 27:20 Ravens.

58.: DAVIS! UNFASSBAR! Clevelands Backup-Quarterback schafft ein sehr langes Third Down tief in der eigenen Hälfte und führt seine Offense schnell das Feld runter. Aus 42 Yards ist plötzlich Travis Benjamin über die Mitte zwischen zwei Defensive Backs frei, Davis liefert den Pass und wir haben ein Unentschieden! 27:27!

60.: DAS GIBT ES NICHT! Der Reihe nach: Erst schlägt Schaub nochmals zu. Baltimore erzwingt einen schnellen Browns-Punt und hat die Chance, mit wenigen First Downs in Field-Goal-Reichweite zu kommen. Stattdessen wirft Schaub aber in den Rücken von Aiken und in die Arme von Tramon Williams. Turnover, an der Mittellinie und damit hat Austin den Game-Winning-Drive auf dem Silbertablett. Trotz fragwürdigem Time-Management kommt Cleveland in FG-Reichweite - doch der Kick Sekunden vor dem Ende wird von Brent Urban geblockt und Will Hill trägt das Ei zurück in die Endzone!! RAVENS WIN! Was ein irres Finish!

Der Star des Spiels: Baltimores Special Team. Offensiv wie defensiv fehlten den Ravens elementare Säulen, und so sprang kurzerhand das Special Team ein. Die Blocks beim Punt-Return-Touchdown waren mustergültig, genau wie Clays Run. Gleiches lässt sich weitestgehend über die Punts von Sam Koch sagen und auch beide Field-Goal-Versuche saßen. Das Highlight gab es zum Schluss: Der Touchdown per geblocktem Field Goal als Game Winner - ein unfassbares Ende.

Der Flop des Spiels: Natürlich könnte man auf Matt Schaub rumhacken, der Baltimore mit seinem Pick Six und der zusätzlichen späten Interception beinahe das Spiel gekostet hätte. Doch Schaub hatte mehrere gute Drives und gute Würfe, er verarbeitete seine Fehler schnell. Stattdessen wäre hier Clevelands Running Game zu nennen: Es ist und bleibt ein Desaster, was die Browns, zudem hinter dieser Offensive Line, im Running Game produzieren. Heute standen letztlich 63 Yards (davon 19 durch die beiden Quarterbacks) bei 18 Versuchen. So ist es schwer, dem gegnerischen Pass-Rush den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Das fiel auf:

  • Baltimores Game Plan war ideal für einen Quarterback, der lange nicht gespielt hat und angesichts seiner von Turnovern geprägten vergangenen Jahre zu schneller Verunsicherung neigen dürfte. Schaub bekam einfache Reads, Bootlegs und einen schnellen Release per Slant oder Hitch Routes. Aufbauend auf dem Running Game konnte Baltimore dann auch per Play Action einige weite Pässe einstreuen. Trotzdem leistete sich Schaub einen komplett unnötigen Pick Six - damit hat er jetzt in den vergangenen acht NFL-Starts fünf Interceptions auf dem Konto, die zum Touchdown zurück in die Endzone getragen wurden.

  • Defensiv hatten die Ravens anfangs Probleme im Pass-Rush, Clevelands Offensive Line dominierte zunächst in Pass Protection und nur wenn die Gäste blitzten, wurde es gefährlich. Doch Baltimore lief hier zunehmend heiß und McCown steckte (wenn auch meist nach dem Pass) einige harte Hits ein. Ein solcher führte letztlich auch zu seiner Verletzung.
  • Clevelands Defense auf der anderen Seite hätte mehrere Ravens-Drives früher beenden können. Allerdings hatten die Browns, primär, aber nicht nur, in der Secondary, große Schwierigkeiten wenn es ans Tackling ging. Baltimore verzeichnete so mehrfach kritische Yards nach dem Catch.
  • Baltimores Rookie Javorius Allen war von allen Backups die im Vorfeld vielleicht interessanteste Personalie - und der Running Back hinterließ alles in allem einen guten Eindruck. Auch wenn sich die nackten Zahlen (12 ATT, 55 YDS; 4 REC, 29 YDS, TD) noch nicht allzu spektakulär lesen, so fand er doch die Lücken im Running Game, agierte gut nach dem Catch und lieferte einige gute Blitz-Pickups in Pass Protection. Allen ist ein Spieler, den Ravens-Fans für den Rest der Saison im Auge haben sollten.
  • McCown suchte, wie schon die ganze Saison über, in fast jedem kritischen Moment Gary Barnidge - und fand seinen Tight End immer wieder. Barnidge (7 REC, 91 YDS) fing auch schwierige Pässe zuverlässig und war ein konstanter Dorn im Auge der Ravens-Defense. Auffällig: Wie schon im ersten Duell zwischen diesen beiden Teams früher in der Saison hatte Baltimore in der Passing-Defense große Probleme, die Mitte des Feldes zu verteidigen.
  • Baltimore baut indes einen NFL-Rekord aus: Noch nie gab es ein Team, dessen erste elf Saisonspiele allesamt mit maximal acht Punkten Unterschied zwischen den beiden Kontrahenten entschieden wurden. Auch wenn die Ravens die Playoffs wohl verpassen werden, für Drama ist Woche für Woche gesorgt.

Der Schedule: Week 12 im Überblick

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