Fussball

FC Bayern München - Trotz Attacke: Wieso Manuel Neuer dennoch beim FCB bleiben will

Manuel Neuer ist für Rummenigge der Beste aller Zeiten. Dennoch verteidigt der Bayern-Boss den Nübel-Deal.

Wie geht es weiter nach der öffentlichen Kritik von Manuel Neuer am FC Bayern? Ungestraft wird der Kapitän wohl nicht davonkommen und auch die Verhandlungen dürften sich noch hinziehen. Trotzdem gibt es Hoffnung.

Es war ein wahres Donnerwetter vom Kapitän. "Das ärgert mich, das kenne ich so nicht vom FC Bayern", sagte Neuer der Bild am Sonntag: "Wenn jetzt Sachen offenbar gezielt nach außen getragen werden, ist das auch etwas, was den Bereich Wertschätzung betrifft."

Klar ist: Neuer stört schon seit Monaten der Umgang beim Rekordmeister mit seiner Person. Der Torhüter sieht sich als loyalen Teamplayer, der mit seinen Leistungen seit seinem Wechsel 2012 maßgeblichen Anteil an der Erfolgsära des Rekordmeisters hatte.

Daher stößt Neuer das Verhalten seines Arbeitgebers offenbar sauer auf: Zum einen die zähen Verhandlungen, zum anderen die Zusage über eine bestimmte Zahl an Einsätzen an Sommer-Neuzugang Alexander Nübel vom FC Schalke 04 sowie die mehrfachen Durchstechereien der Inhalte der Vertragsgespräche an die Presse.

Doch wie geht es nun weiter? SPOX und Goal diskutieren die wichtigsten Fragen.

Droht Neuer eine Strafe des Vereins?

Auch wenn sich der Klub auf Anfrage noch nicht äußern will, ist eine Geldstrafe eigentlich zwingend. Im Lizenzvertrag haben die Profis unterschrieben, dass sie sich nicht ohne Erlaubnis des FC Bayern in der Öffentlichkeit äußern dürfen - genau das aber hat Neuer mit seinem Interview getan. Am härtesten sanktioniert wurde im November 2009 Ex-Kapitän Philipp Lahm, der für seine Attacken auf die FCB-Führung mit der vereinsinternen Rekordstrafe von 50.000 Euro belegt wurde.

So hoch wird sie bei Neuer allerdings nicht ausfallen, da der Torwart keine grundsätzliche Kritik an seinem Arbeitgeber geübt hat (sondern vor allem an den gezielten Indiskretionen) und der Klub bei dem sensiblen Thema nicht weiter Öl ins Feuer gießen will. Um eine zumindest symbolische Strafe werden die Bayern aber kaum herumkommen, auch im Sinne einer Gleichbehandlung aller Spieler.

Wie stark schaden die Vorwürfe Sportchef Hasan Salihamidzic?

Neuers Vorwürfe schwächen vor allem die Position von Salihamidzic, den er und seine Vertrauten in die Maulwurf-Ecke rücken. An der Arbeit des Sportdirektors gibt es seit Dienstantritt im Sommer 2017 bis heute anhaltende externe, aber auch interne Kritik. Auch die jüngsten Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung mit Trainer Hansi Flick liefen nicht problemlos, von einem Machtkampf zwischen den beiden ist sogar die Rede.

Gleichzeitig hat sich Salihamidzics größter Unterstützer Uli Hoeneß aus der Führungsetage zurückgezogen, während der neue Vorstand Oliver Kahn mit Salihamidzic die Verhandlungen führt und als Fürsprecher Neuers gilt. Derzeit spricht zwar nichts für eine Trennung, zumal der Bosnier im Sommer zum Sportvorstand aufsteigen soll. Aber hilfreich sind die anhaltenden Diskussionen für sein Standing nicht, zumal von ihm ja nicht weniger als ein Toptransfer von Leroy Sane und/oder Kai Havertz in diesem Sommer erwartet wird.

Ist das Tischtuch zwischen Neuer und Bayern nun zerschnitten?

Nein. Neuer und sein Berater Thomas Kroth haben trotz allen Ärgers deutlich gemacht, dass sie weiterhin an einer Einigung interessiert sind und die Verhandlungen weitergehen. "Ich möchte einen Vertrag haben, bei dem der FC Bayern und ich eine Win-Win-Situation haben, mit der wir alle glücklich sind", sagte der Keeper.

Auch Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gab am Montag in einem Video-Talk mit der Bild hoffnungsvoll zu verstehen: "Ich bin überzeugt und optimistisch, dass wir eine für beide Seiten glückliche Lösung finden werden und Manuel bei uns verlängern wird. Beide Seiten wissen, was sie aneinander haben."

Da auch dem 34-jährigen Neuer selbst "völlig klar" ist, dass die kolportierten Maximalforderungen (fünf Jahre Vertrag und 20 Millionen Euro Jahresgehalt) "utopisch" seien, könnte ein Kompromiss also ein Zweijahresvertrag mit Option auf Verlängerung bei einer bestimmten Zahl an Einsätzen sein, auch finanziell wird sich eine Einigung, etwa durch Prämien und Unterschriftsboni, finden lassen.

Vor-Vorgänger Kahn hatte seinen Vertrag bei Bayern übrigens mit 32 Jahren Ende 2001 vorzeitig um vier Jahre verlängert und dann noch einmal bis zu seinem Karriereende 2008 um weitere zwei Jahre.

Zudem gehörte ein Wechsel ins Ausland nie zum Karriereplan Neuers, der sich in seinem Anwesen am Tegernsee sehr wohlfühlt. Eine seiner wichtigsten Forderungen wird erfüllt werden: Dass der FC Bayern eine international konkurrenzfähige Mannschaft hat, die realistische Chancen auf den Gewinn der Champions League besitzt. Daher sei die Vertragsverlängerung mit dem von ihm sehr geschätzten Flick "ein Signal" gewesen, so Neuer.

Aber intern und medial wird nun genau darauf geachtet werden, ob aus den nächsten Runden erneut Details nach außen dringen. Nur wenn hier eine ähnlich geräuschlose Gesprächskultur wie beim Abschluss mit Hansi Flick einzieht, ist eine weitere Eskalation zu vermeiden.

Wie schnell muss eine Einigung gefunden werden?

Für den FC Bayern wäre eine Erfolgsmeldung nach den Verlängerungen mit Flick und Thomas Müller (sowie vermutlich bald Thiago und auch David Alaba) ein wichtiges Zeichen, um wieder für Ruhe zu sorgen und den Klub in der Coronakrise als handlungsfähig und für die Zukunft gut aufgestellt zu zeigen.

Neuers Seite hat allerdings keine Eile, da der Vertrag noch bis 2021 läuft und er bis dahin abwarten kann. Einen vorzeitigen Abschied in diesem Sommer hat er ausgeschlossen. Sicherlich auch, weil der angeblich interessierte FC Chelsea sportlich keine Verbesserung wäre und das vermeintliche Werben von Manchester Citys Coach Pep Guardiola nicht wirklich konkret ist. In einem Jahr kann die Welt aber ganz anders aussehen.

Wie ist die sportliche Situation bei den Bayern-Torhütern?

Gerade nach den starken vergangenen Monaten ist Neuer derzeit unantastbar, das haben Flick und Kahn sehr klar geäußert. Deshalb geht es mindestens bis 2021 nur um die Hackordnung hinter dem Weltmeister von 2014. Nach wie vor ist fraglich, warum sich Neuzugang Alexander Nübel mit gerade mal 23 Jahren über einen längeren Zeitraum als Bankdrücker zufriedengeben soll. Hinzu kommt, dass die bisherige Nummer zwei, Sven Ulreich, im Team sportlich und menschlich sehr geschätzt wird und noch keinesfalls entschieden hat, ob er vor Nübel flüchten oder das Duell um den Platz hinter Neuer aufnehmen soll.

So erscheint weiterhin eine Leihe Nübels die beste Lösung, wird aber (noch) ausgeschlossen. Dagegen wird der hoch talentierte Junioren-Nationaltorwart Christian Früchtl die Konsequenzen ziehen und laut einem Bericht des kicker per Leihe zu einem anderen Verein in Deutschland oder in einer europäischen Topliga wechseln, um dort Spielpraxis zu sammeln.

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