Fussball

"Viele Klubs lehnen sich jetzt zurück"

Korkmaz beim Spiel gegen den SK Rapid im Zweikampf mit Wöber

Nach elf Pflichtspielen für den SKN St. Pölten befindet sich Ümit Korkmaz momentan wieder auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber. "Es wäre mein Wunsch, in Österreich zu bleiben, aber so wie die Vereine ticken, sieht es momentan nicht danach aus", erklärt der ehemalige ÖFB-Nationalspieler gegenüber SPOX.

Auch aufgrund von Verletzungsproblemen etablierte sich der Flügelflitzer bei St. Pölten nie als Stammspieler. Sein Können ließ er dennoch immer wieder aufblitzen. So erinnerte er beispielsweise beim 1:1 gegen Rapid an jenen Ü-Ü-Ümit, der bei der Heim-EURO 2008 mit seinen Dribblings ganz Österreich verzauberte.

Dennoch scheint der 31-Jährige vielen österreichischen Klubs schon zu alt für eine Verpflichtung zu sein. "Die meisten Mannschaften verfolgen ein Jung-Konzept", berichtet Korkmaz. Hinzu komme die spezielle Situation, die sich durch die Ligareform ergibt. "Nächstes Jahr gibt es keinen Fix-Absteiger. Daher lehnen sich viele Klubs zurück und sehen das Ganze als Aufbaujahr", erzählt Korkmaz. "Natürlich ist das für junge Spieler eine Chance, aber es kann auch nach hinten losgehen, wenn du dir als Verein keine echten Ziele setzt."

"Wenn du viel Geld verdienen willst, gehst du in die Regionalliga"

Der ehemalige Rapid-Dribbelkünstler will diese Aussagen nicht als Kritik verstanden sehen. Eine solche Strategie zu fahren, sei das gute Recht der österreichischen Vereine. Dennoch zeigt sich Korkmaz ein wenig verwundert. Zumal nun umso mehr Geld in den Regionalligen fließt. Dort wollen viele Klubs den Aufstieg in die zweite Liga schaffen, die ab der übernächsten Saison 16 Teilnehmer umfasst.

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"Ich habe einige Angebote aus der Regionalliga bekommen. Wenn ein junger Mann viel Geld verdienen will, dann geht er in die Regionalliga und nicht zu einem Bundesligisten, wo er auf der Bank sitzt", gibt Korkmaz seltene Einblicke in die Welt des österreichischen Fußballs.

Kein Wechsel zu Rapid II

Der ehemalige Frankfurt-Legionär hätte sich auch einen Verbleib beim SKN St. Pölten gut vorstellen können. Mit Ex-Sportdirektor Frenkie Schinkels gab es sogar schon Gespräche über eine Verlängerung. Dessen Nachfolger Markus Schupp suchte nicht mehr den Kontakt zu Korkmaz. Ganz im Gegensatz zu Trainer Jochen Fallmann, den er in höchsten Tönen lobt: "Er hat sich persönlich von mir verabschiedet. Das zeugt von einem tollen Charakter, viele andere Trainer lassen dir so etwas nur ausrichten."

Korkmaz will nun noch ein wenig abwarten, bevor er einen neuen Vertrag unterschreibt. Ein Wechsel zu Rapids zweiter Mannschaft, wie es sein Freund Andreas Dober vorgemacht hat, ist für ihn kein Thema. Die Regionalliga kann er sich bei einem passenden Angebot aber schon vorstellen.

Wahrscheinlicher erscheint jedoch ein Wechsel in die Türkei, wo sich Zweitliga-Vereine um seine Dienste bemühen. Dabei hatte er noch vor einem halben Jahr eine Rückkehr ausgeschlossen. Nun sieht er die Sache pragmatisch: "Ich bin Fußballer, ich muss auch irgendwie mein Geld verdienen."

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