A bis Z des Fußball-Jahres 2011

Bomber, March Madness und junge Götter

Von Fatih Demireli/Oliver Wittenburg
Samstag, 31.12.2011 | 18:00 Uhr
Rafati, Dortmund, Barca: Das war das Fußball-Jahr 2011
© spox
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Das Fußball-Jahr 2011 ist zu Ende. Zeit für einen umfassenden Rückblick. SPOX erinnert an verstorbene Legenden wie Socrates, verneigt sich vor dem FC Barcelona, wünscht Breno, Rangnick und Rafati alles Gute und freut sich auf viele weitere Jahre mit Sepp Blatter. 2011 von A bis Z.

A wie Abschied: Leider musste die Fußball-Welt wieder trauern. Socrates, einer der größten Fußball-Stars der 80er Jahre, starb im Alter von 57 Jahren in Sao Paulo. Er war nicht nur Fußballer, sondern früher auch Kinderarzt und wurde von seinen Fans "Doutor" genannt. Über sich selbst sagte Socrates einmal: "Ich bin kein Athlet. Ich bin Fußball-Künstler." Das Leben nahm sich im November der walisische Nationaltrainer Gary Speed. Der 42-Jährige trat kurz vor seinem Suizid noch in einer TV-Show auf. Die Gründe sind bis heute noch unklar. Wir trauerten auch mit Japan, als Ex-Nationalspieler Naoki Matsuda im Alter von 34 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts starb.

B wie Bomber des Jahres: In Zeiten, in denen Räume eng gemacht werden, ballorentiert verteidigt wird und Dreierketten zu Fünferketten mutieren, sind sie die Aspirin-Tablette für jeden Fußball-Fan: Die Stürmer. Gut, jetzt dürfen sich nicht gleich alle angesprochen fühlen, nur weil sie mal aus Versehen Stürmer genannt wurden, aber es gibt doch welche, die so regelmäßig treffen, dass es schon fast wieder mysteriös wird: Die Glückwunsche gehen an die Herren Gomez, van Persie, Messi, Ronaldo, Di Natale. Sie erzielten nämlich alleine 2011 32, 34, 32, 43 und 28 Liga-Tore. Glückwunsch auch an Edmond Kapllani für sein erstes Bundesliga-Tor seit 2008.

C wie Clasico: Es gibt diesen Film, in dem ein Mann sich seine Gesundheit ruiniert, indem er nur noch McDonald's-Zeug frisst, um zu beweisen, dass McDonald's-Zeug krank macht. Man wird schon krank beim Zuschauen. Krank kann man im übrigen auch werden, wenn man seinen Grundbedarf an Fußball ausschließlich mit dem visuellen und emotionalen Konsum von Clasicos bestreitet. Da wird gehauen und gehackt, geschrieen, gestritten und geflennt, bis es einem hochkommt. Sieben Mal gab es das Duell FC Barcelona gegen Real Madrid allein in 2011 - und ganz ehrlich: zwei oder drei Mal hätte es auch getan.

D wie Demonstration: Mal abgesehen von so mancher Clasico-Entgleisung hat Barcelona auch 2011 wieder entzückenden Fußball gespielt und sich endgültig zu den anderen Ausnahmeteams der Geschichte gesellt wie Real Madrid (50er/60er/um 2000), Ajax (Anfang 70er), Bayern (Mitte 70er) oder Milan (um 1990). Die Machtdemonstration im Champions-League-Finale gegen den zu diesem Zeitpunkt unbestreitbar stärkstmöglichen Widerpart, Manchester United, hätte nicht eindrücklicher ausfallen können. Wer glaubt, der Spuk hat bald ein Ende, sollte sich mal die Nachrücker angucken.

E wie EM kann kommen: Völlig zurecht sprechen Jogi Löw und seine Mannen immer offensiver vom Titelgewinn in Polen und der Ukraine. Und womit? Mit Recht. 2011 war die DFB-Auswahl das Nonplusultra. Das Reservoir an Spielern ist schier unbegrenzt, so dass man schon mehr oder weniger laut über ein System ohne Stürmer nachdachte und nachdenkt, weil sich so viele großartige kreative Mittelfeldspieler im Kader tummeln. Keine Frage, Spanien muss sich warm anziehen und der Rest sollte sich die Reisekosten sparen. Hammergruppe? Dass wir nicht lachen...

F wie Frauenpower: Das Finale schien schon gebucht und - mal ehrlich - der Titel sollte eigentlich auch nur Formsache sein. Doch dann verloren unsere Mädels gegen diese zähen kleinen Japanerinnen und der Traum vom Titel im eigenen Land, dem perfekten Sommermärchen, platzte im Viertelfinale. Es war frappierend, wie sehr die deutschen Spielerinnen unter dem Druck des Siegenmüssens eingingen und am Ende die großen Verliererinnen im Hype um die Frauen-Fußball-WM 2011 waren.

G wie "grandios Saison gespielt": Roman Weidenfellers Englischkenntnisse mögen Luft nach oben haben, sein Spruch ins Mikro der werten Kollegen von Dubai Sports nach der Dortmunder Meisterschaft ist unübertroffen. Der BVB hatte tatsächlich eine grandiose Saison und viele, viele Väter des Erfolgs. Man kann sie gar nicht genug würdigen.

Die Gewinner des Jahres 2011

H wie Ha-Ha-HSV: In Hamburg kann so ein Jahr schon mal Stoff für einen Fortsetzungsroman von biblischen Ausmaßen liefern. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll: Beim Wintertheater um van Nistelrooy (dem albernen), der Sportdirektorensuche (der gründlichen), der Entmachtung von Hoffmann (der basisdemokratischen), der Entlassung von Veh (der unausweichlichen), dem Kader-Kahlschlag oder beim Pseudo-Umbruch mit Michael Oenning... Am besten man lässt die Geschichte ruhen und macht bei I weiter.

I wie Intrigantenstadl: Der deutsche Fußball darf eigentlich Stolz auf sich sein. So viele überaus talentierte junge Spieler wie nie zuvor, eine Nationalmannschaft, die sich EM-Favorit nennen darf und die Liga boomt weiter. Wären da nicht diese Nebengeräusche, die - seien wir mal ehrlich - einen Otto-Normal-Fußballfan eigentlich nicht interessieren, aber unterschätzen sollte man den Intigrantenstadl beim DFB nicht. Koch vs. Zwanziger, Amerell vs. Zwanziger, Amerell vs. Kempter, Amerell vs. DFB - diverse Gipfeltreffen, Prozesstermine, Entmachtungen, immer neue Vorwürfe und im Oktober noch eine Steueraffäre hinterher.

J wie Jubiläum: Sir Alexander Chapman Ferguson. Guter Name und kein Wunder, dass ihn Reporter-Röhre Wolff C. Fuss in jeder ManUnited-Reportage einmal in voller Länge ausspricht. Wir wollen an dieser Stelle nun nicht Fergies Titel aufzählen oder ein Anekdoten-Best-of vortragen, sondern lediglich erwähnen, dass er im November sein 25-jähriges Dienstjubiläum bei United feierte und am 31. Dezember 70 Jahre alt wird. Wie Ferguson in etwa tickt, erzählte bei SPOX der englische Journalist Daniel Taylor.

K wie Kleingeld: Red Bull verleiht bekanntlich Flügel und der freundliche Scheich von nebenan macht Fußballer-Träume wahr. Man muss nur eine halbe Milliarde Euro in die Hand nehmen, dafür alles kaufen, was teuer ist und einen guten Namen hat und schon klappt's wieder mit den Titeln. Manchester City holte so im Mai mit dem FA-Cup den ersten Titel seit 1976 und peilt jetzt die erste Meisterschaft seit 1968 an. Eine Hausnummer kleiner gibt sich noch Paris St. Germain. Knapp 90 Millionen feuerte der französische Hauptstadtklub nach der Übernahme durch ein Konsortium aus Katar in den Markt und ist im Rennen um die Meisterschaft in der Pole-Position. Geht doch, wenn man sich ein wenig Mühe gibt.

L wie Lahm, der Buchautor: Es war ja nicht böse gemeint und liest man das Buch "Der feine Unterschied" von Philipp Lahm, erweckt es auch keinen anderen Eindruck, als dass es sich um eine durchaus gelungene Biografie handelt. Für Lahm ist es sogar der Guide für junge Leute, die ganz groß rauskommen wollen. Ungeschickt von ihm und seinem Management war nur, die Promotion des Werkes komplett dem Boulevard zu überlassen. Dieser rückte - fast logisch - die spannendsten Kapitel so sehr in den Fokus, dass Lahm von allen Seiten viel Prügel einstecken musste. "Nach sechs oder acht Wochen wussten bereits alle Spieler, dass es mit Klinsmann nicht gehen würde. Der Rest der Saison war Schadensbegrenzung", schrieb Lahm beispielsweise über Ex-Bayern-Coach Jürgen Klinsmann. Auch Felix Magath, Louis van Gaal und Rudi Völler standen - milde ausgedrückt - im kritischen Fokus Lahms. "In 10 Tagen spricht über das Buch keiner mehr", sagte damals Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger. Er behielt recht.

Teil 2: M wie March Madness bis Z wie Zwanziger

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