Die Rückkehr des Normalos

Freitag, 22.11.2013 | 15:26 Uhr
Mario Götze hat beim FC Bayern einen Vertrag bis 2017
© getty
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Wenn Borussia Dortmund und Bayern München am Samstag (18.30 Uhr im LIVE-TICKER) aufeinander treffen, dann wird es insbesondere für Mario Götze eine außergewöhnliche Begegnung. Das Rampenlicht, das der 37-Millionen-Einkauf der Münchener im Rahmen dieser Begegnung bekommt, hat aber derzeit kaum sportliche Gründe.

Da ist dieses grüne Feld. Unendlich weit und breit und die Umgebung mutet etwas gespenstisch an, als Mario Götze sein Umfeld erkundet. Er hat ein leicht gequältes Lächeln aufgesetzt. Es verrät eine gewisse Neugier und auch etwas Anspannung.

Das Szenario könnte Symbolcharakter für Samstag haben, wenn im Signal-Iduna-Park Borussia Dortmund und Bayern München aufeinandertreffen.

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Dann, wenn Götze mit seinem neuen Arbeitgeber bei seinem alten Arbeitgeber gastiert und alle Welt auf den Mann schaut, der im Sommer für 37 Millionen Euro Ablösesumme von Deutschlands 1b zu Deutschlands 1a wechselte.

Zuvor stand Götze in Wirklichkeit auf dem besagten grünen Feld. Im Rahmen der TV-Kampagne eines Elektronik-Giganten mimte Götze einen der "Außerwählten", die für ein Fußballspiel gegen Aliens antreten, um die Welt zu retten. Lionel Messi ist dabei, der Teamchef heißt Franz Beckenbauer.

Götze hält die Welt im Atem

Der Außerwählte war Götze schon im April, als der FC Bayern im Hochbetrieb der Saison etwas notgedrungen die Verpflichtung Götzes bekanntgab.

Weltweit wurde über den Transfer Götzes berichtet, in Deutschland war er Thema nichtsportlicher Nachrichtensendungen. Jürgen Klopp, offensichtlich noch geschockt von der Nachricht, hielt eine denkwürdige Pressekonferenz und in München stellte der Transfer beinahe den 4:0-Erfolg gegen den FC Barcelona im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals in den Schatten.

Und heute? Götze ist wieder in aller Munde, ob der Rückkehr an alte Wirkungsstätte. "Das wird einer der schwersten Momente meiner Karriere", sagte der 21 Jahre alte Mittelfeldspieler. Pfiffe dürften genauso zum Programm gehören wie das eine oder andere Plakat. Mutmaßlicher Inhalt: Ehre, Geld, Verrat. Das Übliche, wenn der geliebte Sohn das Haus verlässt. Besonders, wenn er - wie Götze - zwölf Jahre daheim war.

"Pfiffe wären nicht gerecht"

"Im Endeffekt muss ich damit klarkommen, denn es war meine Entscheidung zu gehen. Irgendwie verstehe ich ja auch die Fans, die mich lieber weiter im BVB-Trikot gesehen hätten", sagt Götze.

Aus Dortmund versöhnliche Worte: "Pfiffe wären nicht gerecht. Das hätte Mario nicht verdient. Er hat sich uns gegenüber korrekt verhalten", sagt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Auch Sportchef Michael Zorc rief die Anhänger auf, Götze weitgehend in Ruhe zu lassen.

Und Klopp hofft ohnehin Unterstützung für die eigene Mannschaft. "Ich habe keinen Prozentpunkt frei, um mir Gedanken zu machen, wie Mario Götze empfangen wird. Es wäre mir auch ganz recht, wenn wir uns nicht wahnsinnig mit dem Thema beschäftigen würden, sondern dass jeder Fan, der im Stadion ist und schwarz-gelb fühlt, die eigene Mannschaft anfeuert."

Klar ist, dass die Anti-Götze-Stimmung durch die Appelle nicht verhindern werden können.

Klar ist aber auch, dass Götze noch längst nicht in der Verfassung zurückkommt, in der er Borussia Dortmund half, drei Titel in zwei Jahren zu gewinnen und die ihn jetzt schon zu einem der besten Offensivspieler werden ließ. Götze kehrt nach Dortmund als Normalo zurück.

Seine Bilanz liest sich bisweilen überschaubar: Götze kam in sieben Bundesliga-Spielen zum Einsatz, genau gesagt waren es 392 Minuten. Ein Tor und zwei Assists stehen zu Buche - überhaupt schoss er als Bundesliga-Spieler des FC Bayern bisher nur vier Mal aufs Tor. In der Champions League spielt er bisher 119 Minuten, schoss zwei Mal aufs Tor und traf immerhin auch schon ein Mal.

Gute Leistungen als Joker

"Man darf nicht vergessen, dass Mario drei Monate verletzt war", sagt Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Für "Sky"-Experte Jens Lehmann ist der Körper derzeit Götzes größter Feind.

"Er kann einmal so gut wie Lionel Messi werden. Dafür muss er aber dauerhaft gesund sein. Götzes Situation erinnert mich an die von Lars Ricken. Der galt auch als Supertalent, war dann oft verletzt und kam nie wieder an sein Leistungsniveau heran", sagte Lehmann

Ausrufezeichen hat Götze bislang nur als Einwechselspieler gesetzt, wie beim 4:1 gegen Mainz 05, als er erstmals im Bayern-Dress wirklich brillieren konnte. Götze selbst sah sich Anfang November schon bei "95 Prozent" seiner Leistungsfähigkeit.

Doch dann blieb er in Hoffenheim, gegen den FC Augsburg und auch mit der Nationalmannschaft in Italien, als er in vorderster Front wie ein Fremdkörper wirkte, blass.

Die falsche Neun, das scheint Götze mitunter bestätigen zu wollen, ist nicht seine Paraderolle. Schon gar nicht beim FC Bayern, der in dieser Saison von vielen Kopfball-Toren eines Mario Mandzukic lebt und mit deutlich mehr Diagonalbällen operiert, als noch unter Jupp Heynckes.

"Die Position ist mir egal"

Nicht großartig anders verhält es sich in der Nationalmannschaft: "Wenn man über außen kommt und flankt, kann man oft nicht hoch reinspielen. Jetzt waren Miro und Mario verletzt, so viele Möglichkeiten haben wir nicht", so Philipp Lahm nach dem Italien-Spiel.

Götze kann mit der Positionsdebatte nicht viel anfangen, pocht auf die Einsatzminuten, um an alte Tage knüpfen zu können. "Die Position ist mir relativ egal", sagt er. "Ich kann außen im Mittelfeld spielen, als Achter, als Zehner, oder auch vorne drin. Da bin ich glücklicherweise sehr flexibel."

Eine Flexibilität, die vor allem sein Trainer schätzt. "Wenn er spielt, hat er viele Ballkontakte, gute Ideen am Ball, das ist auf einem sehr guten Niveau", sagt Pep Guardiola und fügt an: "Mario braucht Zeit."

Jüngst rechnete er Journalisten die Trainingszeiten Götzes im Vergleich zur Rest der Mannschaft vor. Selbiges tat er auch mit den Einsatzminuten.

Widerspruch erscheint unter diesen Vorzeichen erst einmal zwecklos. Ausgerechnet das Gastspiel in Dortmund könnte eine Initialzündung für Götze sein. Es wäre ein erster Schritt, um sich vom Normalo-Status zu befreien.

Der FC Bayern im Profil

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