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NBA

NBA - Machtkämpfe bei den Los Angeles Lakers: Wenn selbst ein Trade von LeBron James nicht undenkbar ist

Von Robert Arndt
LeBron James hat noch einen Vertrag bis 2023 bei den Los Angeles Lakers.

Bei den Los Angeles Lakers brodelt es. Eine enttäuschende Saison, keine Verbesserungen zur Trade Deadline und ein LeBron James, der in Interviews einen Abschied andeutet. Es ist ein Machtkampf, der noch einige Monate andauern dürfte.

Wenn einer in der NBA das Spiel mit den Medien verstanden hat, dann ist es LeBron James. In 19 Jahren hat der 37-Jährige so ziemlich alles gesehen und ist inzwischen ein Meister darin, das Narrativ zu seinen Gunsten zu spinnen. Am vergangenen All-Star-Wochenende war dies nicht anders. James gab sich bestens gelaunt, machte Späße - und ließ mit einigen Aussagen aufhorchen.

Wie immer war dies kalkuliert, womöglich sogar orchestriert. James gab unter anderem einem Cavs-Beatwriter, Jason Llyod (The Athletic), ein Interview, in welchem er die Möglichkeit einer erneuten Rückkehr nach Cleveland nicht ausschloss. Dazu lobte der Superstar der Los Angeles Lakers aus dem Nichts Thunder-GM Sam Presti ("Er ist der MVP"), obwohl er eigentlich nur nach seiner Meinung zu Rookie-Guard Josh Giddey gefragt wurde.

LeBron hatte Dinge zu sagen und nutzte dafür die größtmögliche Bühne, das All-Star-Wochenende - und erhöhte damit noch einmal den Druck auf die Lakers. Mit einer Bilanz von 27-31 belegen die Kalifornier derzeit nur Platz neun im Westen, das Play-In-Turnier scheint spätestens nach der neuerlichen Verletzung von Anthony Davis nicht mehr zu verhindern zu sein. Es riecht nach einer weiteren verlorenen Saison für LeBron, der nunmehr dritten in seinen vier Spielzeiten in der Stadt der Engel, wobei nur die Meistersaison 2020 eine Ausnahme bildet.

James hat Zeit verloren, von der er im hohen Sportleralter eigentlich keine mehr hat. Die Situation in Los Angeles ist jedoch verfahren, es gibt nicht den einzigen Schuldigen, auch wenn dies gerne so dargestellt wird. Stattdessen tobt nun hinter den Kulissen ein Machtkampf, der das Gleichgewicht der NBA ins Wanken bringen könnte. Versuchen wir das Ganze mal Stück für Stück aufzudröseln.

LeBron James setzt die Lakers unter Druck

Ausgangspunkt für LeBrons Aussagen in Cleveland war sicherlich die Trade Deadline, an der sich die Lakers nicht beteiligten. Kurz zuvor hatte LeBron noch einmal dafür getrommelt und einen Vergleich mit dem Super-Bowl-Champion L.A. Rams gezogen: "So gut wie die Rams auch waren, als sie die Chance hatten, einen Top-Spieler wie Odell (Beckham Jr.) zu bekommen, haben sie zugeschlagen. Wenn du eine Chance hast, dich zu verbessern, versuchst du sie zu nutzen, wenn nicht, machst du das Beste aus dem, was du hast."

Die Lakers verbesserten sich nicht, auch wenn GM Rob Pelinka im Anschluss beteuerte, viele Gespräche geführt zu haben. Gleichzeitig betonte Pelinka auch, dass alles in Absprache mit James und Davis geschehen sei und diese mit ihm auf einer Wellenlänge seien. Dem widersprach wenig später Dave McMenamin (ESPN), der auf Quellen aus dem Umfeld der Spieler verwies.

Wer diese Quellen sein mögen, ist nicht schwer zu erraten. LeBron und AD werden beide von der Agentur Klutch vertreten, die von James' Buddy Rich Paul (und LeBron selbst) gegründet wurde. Sie ziehen im Hintergrund seit Jahren mehr oder weniger die Fäden, auch wenn Pelinka stets von einer Zusammenarbeit mit seinen Stars sprach.

Pelinka weiß schließlich auch, wie der Hase läuft. Über Jahre war er der Agent von Kobe Bryant, vertrat aber auch zeitweise andere Stars wie Kevin Durant, James Harden oder Andre Iguodala. Agenten versuchen stets, das Beste für ihre Klienten herauszuholen und nehmen somit auch Einfluss auf Vereinspolitik, das ist keine Neuigkeit - ebenso wenig, dass Superstars einen gewissen Machthebel haben.

LeBron James machte die Lakers wieder relevant

Die Lakers wussten also, auf was sie sich 2018 einließen, als sie James nach Los Angeles holten. L.A. operierte von Beginn an aus einer Position der Schwäche. LeBron wollte nach Los Angeles, unabhängig von der sportlichen Situation. Mit Lonzo Ball, Brandon Ingram, Josh Hart und Kyle Kuzma hatten die Lakers zwar einige hoffnungsvolle Spieler, doch letztmals wurde 2011 eine Playoff-Serie gewonnen.

Der Glanz der Lakers war vergilbt, selbst Free Agents wie LaMarcus Aldridge (2015) machten einen großen Bogen um die eigentliche Glamour-Franchise. So war es James, der die Lakers wieder relevant machte. Anschließend übte Klutch Druck auf die New Orleans Pelicans aus und war so ein Jahr später Wegbereiter für den Mega-Trade von Davis nach Tinseltown. Nur 16 Monate später gewannen die Lakers in der Bubble von Orlando ihren ersten Titel seit zehn Jahren.

Dies kam jedoch nicht ohne Preis. Für Davis wurden mit Ausnahme von Kuzma alle Youngster verhökert, gleiches galt für die Erstrundenpicks bis 2026. Klutch hatte geliefert - und stärkte so auch die eigene Position innerhalb der Franchise. Nicht einmal Kobe Bryant konnte in seinen Hochzeiten so viel Macht auf sich vereinen, doch die Zeiten hatten sich geändert.

Als Kobe 2007 einen Trade forderte, konnte dies durch einen starken Besitzer in Dr. Jerry Buss abgefangen werden. Das ging soweit, dass dieser Bryant dessen Wunsch verweigerte und ihn zum Bleiben überredete. Selbst die zweite Amtszeit von Coach Phil Jackson konnte durchgedrückt werden, obwohl dieser an Bryant in seinem Buch "The Last Season" harsche Kritik übte.

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