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NBA

Früherer Mavs-Head of Player Development im Interview: Carlisle? "Ich habe ihn gehasst und er hasste mich"

Kobe Bryant war nur an Kritik interessiert.

Sie kannten Kobe dadurch wie kaum jemand sonst. Haben Sie in Ihrer Arbeit mit den Mavs Parallelen zwischen ihm und Dirk gesehen?

Procopio: Sie waren sehr unterschiedlich. Kobe ist Mitspieler hart angegangen, wenn sie nicht das taten, was sie tun sollten. Ihm waren die Gefühle nicht wichtig. Als ich bei den Mavs anfing, war Dirk schon etwas älter, hatte körperlich andere Voraussetzungen. Er war eher ein stiller Anführer - ich würde ihn eher mit Paul Pierce vergleichen, den ich in meiner Zeit in Boston als Scout viel erlebt habe. Sie haben ihre Arbeit erledigt. Wenn jemand mithalten konnte, super, wenn jemand zumindest die gleiche Einstellung hatte, ebenfalls. Wenn nicht, dann konnten sie nicht viel mit dir anfangen. Dirk hat es auch genervt, wenn Mitspieler ihre Routine nicht richtig erledigten, aber ich habe nie gesehen, dass er jemanden zur Schnecke gemacht hat. Er wusste einfach, was er zu erledigen hatte, und hat das über 20 Jahre getan. Was er mit Kobe gemein hatte, abgesehen von dem Umgang mit Druck, diesem "Eye of the Tiger"-Look: Beide hatten ihre Routine und enorme Disziplin. Dirk hat andere Sachen gemacht als Kobe, aber er hat sie jeden Tag gemacht, immer in der gleichen Abfolge. Er war diszipliniert mit seinem Essen, seinen Ruhephasen, seiner Arbeit auf dem Court, mit allem. Und das war Kobe auch. Aber sie waren im Umgang mit Teamkollegen komplett unterschiedlich. Dirk hat aber auch viele Mitspieler besser gemacht, weil sie sich bei ihm Dinge in der Vorbereitung abgeguckt haben und mithalten wollen.

Für Player Development und eigentlich auch alles andere hatte Nowitzki stets Holger Geschwindner. Wie haben Sie den Mentor erlebt?

Procopio: Holger ist anders. Er ist ein Basketball-Genie, er denkt ganz anders über Dinge als gewöhnliche Menschen. Mein Hirn funktioniert nicht so wie seins, deswegen gehen wir die Dinge ganz unterschiedlich an, aber Holgers Erfolg gibt ihm Recht. Er hat einen der besten Spieler in der Geschichte des Sports geformt. Er hat immer weiter an ihm gefeilt, die gesamte Laufbahn über, und aus einem nicht sehr athletischen Spieler diese Legende gemacht. Es gibt nicht viele Menschen, die so einen Einfluss auf irgendeinen Spieler ausgeübt haben, und das auch noch über einen so langen Zeitraum. Ich saß oft daneben und dachte, die Übungen ergeben keinen Sinn, es wirkte wirr - wie gesagt, ich glaube, das alles war zu hoch für mich. Ich bin ein Einfaltspinsel. Aber es hat für Dirk super funktioniert. Jeder Coach muss es schaffen, einen Weg zu seinem Publikum zu finden. Holger hat das geschafft: Wenn er es befohlen hätte, wäre Dirk von einer Brücke gesprungen. Diese Beziehung war auch deshalb so besonders, weil alles holistisch war. Mit Holger arbeitest du nicht drei Monate, sondern ein ganzes Leben lang.

Was hat dazu geführt, dass Sie die Mavs im Jahr 2019 verließen?

Procopio: Ich habe den Head Coach gehasst und er hasste mich. Ich wurde gefeuert beziehungsweise mein Vertrag lief aus. Es erreichte einen Punkt, an dem es keinen Sinn mehr ergab. Wir hätten wahrscheinlich nie zusammenarbeiten sollen. Wir werden uns nie gegenseitig Weihnachtskarten schicken und ich denke, das ist für uns beide in Ordnung.

Es passte von Anfang an nicht zwischen Ihnen und Carlisle?

Procopio: Es ist mit der Zeit schlimmer geworden. Es war am Anfang okay, aber es ist schnell schlechter geworden. Wie gesagt, es ist in Ordnung: Man trifft von Zeit zu Zeit auf Leute, mit denen man nicht gerne zusammenarbeitet. Ich habe meine Fehler und er ist nicht der perfekte Boss für jeden. Wir sind beide besser dran ohne einander. Ich möchte die Zeit in Dallas trotzdem auf keinen Fall missen.

Mittlerweile sind sowohl Carlisle als auch große Teile des Front Office in Dallas weg, dazu gab es alle möglichen Gerüchte über den Einfluss des früheren Mitarbeiters Haralabos Voulgaris. Hat Sie das überrascht?

Procopio: Es gab schon Spannungen, nicht nur zwischen mir und Carlisle. Ich wusste in meinem letzten Vertragsjahr schon, dass es wohl zu Ende geht, und habe mich nicht groß darauf konzentriert. Es ist im Profisport einfach so: Das Geld macht alles kaputt. Leute erheben Ansprüche, werden paranoid, jeder denkt, dass andere ihm den Status wegnehmen wollen. Und ich verstehe das, jeder will ja seinen Wert steigern. Von Bob habe ich nicht so viel mitbekommen. Sein erstes Jahr mit dem Team war mein letztes, seine Rolle hat sich nach meinem Abgang noch verändert. Man wusste am Anfang schon, dass er etwas zu sagen hatte, aber es entsprach in meiner Wahrnehmung nicht der Darstellung aus dem Artikel, den Sie meinen. Es gibt solche Themen in jeder Organisation. Die Coaching-Stäbe und Front Offices sind viel zu groß. Jeder will etwas sagen, jeder will Geld verdienen, so viel und so lange wie möglich. Deswegen gibt es nur in den wenigsten Organisationen eine gute Kultur, es gibt zu viele Leute, die eine unterschiedliche Agenda verfolgen. Die NBA ist ein verfickter Zirkus, ein Zirkus ohne Zelt. Deswegen überrascht mich eigentlich nichts mehr.

Was machen Sie seit dem Abgang aus Dallas?

Procopio: Der größte Teil meiner Arbeit beläuft sich darauf, dass mir Spieler und Spielerinnen von überall auf der Welt Videos von sich schicken und ich sie analysiere. Sie sagen mir, in welchen Minuten sie auf dem Court stehen, ich achte auf Offense, Defense, alles Mögliche, und gebe ihnen Feedback dazu. Das ist meine Nische. Ich leite auch Clinics und Dinge dieser Art, arbeite als Consultant für Coaches, aber das ist das Hauptthema.

Hat sich das Feld des Player Development Coaches über die letzten Jahre sehr verändert?

Procopio: Ja, heutzutage hat einfach jeder jemanden, vor zehn Jahren waren es vielleicht 20 Prozent der Spieler. Und die Stäbe sind wie gesagt riesig. Aber ich glaube, dass eine interne Untersuchung in den meisten Fällen ergeben würde, dass es zu viele Leute sind. Es kann schädlich sein, wenn ein individueller Coach den Head Coach eines Teams untergräbt, das sorgt für viel Ärger. Die Entwicklung ist oft keine gute Sache. Sie trägt auch dazu bei, dass sehr viel komisches Zeug gelehrt wird.

Was meinen Sie?

Procopio: Spieler wollen Dinge lernen, die Stephen Curry oder James Harden machen, ohne am Fundament dafür zu arbeiten. Dabei ist das Spiel ziemlich simpel: Es geht darum, Würfe zu treffen, die Defense zu lesen, sich ohne Ball zu bewegen, solche Dinge. Wir sollten den Fokus mehr darauf legen, gerade bei jungen Spielern. Das Spiel wird sonst teilweise sehr unansehnlich, gerade in der NBA. Ich sehe momentan oft lieber Spiele in der EuroLeague, weil mir der Stil mehr zusagt. Hier verdienen die Development Coaches teilweise viel Geld, obwohl sie den Spielern nicht die wichtigsten Dinge beibringen. Es gibt natürlich auch sehr gute, aber manche von ihnen würde ich nichtmal mit einem Fünftklässler zusammenarbeiten lassen.

Zum Abschluss: Nehmen Sie an, ein aktueller Spieler meldet sich bei Ihnen und will nicht einen Video-Breakdown, sondern sagt: "Ich will das, was Kobe hatte." Würden Sie so einen Auftrag noch einmal annehmen?

Procopio: Gute Frage. Es gibt nicht viele Spieler, die diese Mentalität mitbringen, und ich jage nicht danach, aber es gibt schon Kandidaten. Giannis Antetokounmpo oder Bam Adebayo wirken mir wie Spieler, die das Mindset haben. Auch Jimmy Butler. Man muss schon sehr fokussiert sein, das sind nicht alle. Aber mit diesen Jungs würde es mich schon reizen, natürlich.

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