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NBA

Früherer Mavs-Head of Player Development im Interview: Carlisle? "Ich habe ihn gehasst und er hasste mich"

Rick Carlisle

Mike Procopio arbeitete sechs Jahre lang als Head of Player Development bei den Dallas Mavericks, nachdem er zuvor der "persönliche Jack Bauer" von Kobe Bryant war. SPOX sprach mit dem Coach über seine Zeit mit der Legende, Dirk Nowitzki und Trash-Talk.

Procopio arbeitete unter anderem als Scout bei den Boston Celtics sowie als Individualcoach in Chicago unter Tim Grover, dem ehemaligen persönlichen Trainer von Michael Jordan. Dieser Posten führte ihn auch zu Kobe Bryant, für den er über mehrere Jahre täglich individuelle Scouting Reports erstellte.

Dieser Auftrag machte ihn bekannt - und führte ihn 2013 zu den Mavericks, wo er bis 2019 insbesondere mit den Rollenspielern zusammenarbeitete. Das Engagement endete, da Procopio und Mavs-Coach Rick Carlisle einander "hassten", wie er selbst es ausdrückt.

Im Interview blickt der Direktor von Hoops Consultants zurück auf seine verschiedenen Jobs in der NBA, die Methoden von Holger Geschwindner und Development Coaches, denen er nicht einmal einen Fünftklässler anvertrauen würde.

Die wichtigste Frage zuerst: Läuft Ihr persönlicher Trash-Talk mit Dirk Nowitzki noch?

Mike Procopio: Ja, natürlich. Immer. Wir reden nicht mehr so häufig wie in früheren Jahren, aber alle paar Wochen finden wir schon noch Zeit dafür. Es ist authentisch, nicht fake, nicht für die Kamera, einfach witzig. Das macht immer noch großen Spaß.

Sie haben mal über ihn gesagt, dass er sich den Flamingo-Wurf angeeignet hat, weil es ihn so genervt hat, ständig von Bill Russell im Garden geblockt zu werden. Haben Sie ansonsten einen Lieblingsspruch auf seine Kosten?

Procopio: Naja, er macht sich gern darüber lustig, wie dick und hässlich ich bin. Ich habe vor allem sein Alter und seinen Zustand aufs Korn genommen, wie gebrechlich er war ... ich habe 500 Sprüche, die sich Platz eins teilen. Er ist so ein spezieller Typ, bei dem es nicht ständig alles ernst sein muss. Er teilt aus, aber er kann auch einstecken. Die letzten Jahre waren ja nicht mehr erfolgreich, aber die ganzen Sprüche haben dabei geholfen, die Monotonie einer langen Saison ein wenig zu durchbrechen.

Hatten Sie diese Beziehung zu ihm von Beginn an?

Procopio: Ich kam zum Ende der 12/13er Saison hin nach Dallas. Vorher kannte ich ihn gar nicht und er dachte, ich würde für Samsung arbeiten. Als ich für mein Job-Interview dort war, dachte er, ich würde Telefone verteilen, weil ich so ein T-Shirt anhatte. Er hielt mich also schon damals für einen Witz. Aber wir haben dann angefangen, über Basketball zu sprechen, in der Offseason war er viel in der Halle, um sich behandeln zu lassen und so weiter. Das gab uns die Chance, mehr miteinander zu sprechen. Zum Ende des Sommers hin ging es los mit den Sprüchen, und darauf wurde mit der Zeit aufgebaut. In meiner zweiten Saison ging es schon jeden Tag rund. Für dünnhäutige Leute waren die Mavs nicht der richtige Ort, vor allem in der Nähe von Dirk und mir. Aber alle haben mitgemacht, der Trainerstab ebenfalls, für uns war es eine sehr spaßige Umgebung.

Gleichzeitig hatten Sie alle Jobs zu erledigen. Wie schafft man es, den Humor mit seriöser Arbeit zu verbinden?

Procopio: Auf dem Court sollte es ernst sein. Es muss nicht wie bei der Armee zugehen, aber professionell ablaufen. Bei Trainings oder Workouts will man sich ja verbessern. Es ist etwas anderes, wenn es nur um lockeres Werfen geht, gerade ein paar Spiele verloren hat, dann kann man auch mal etwas dazwischen werfen, aber das ist die Ausnahme. Neben dem Court denke ich aber: Man darf sich nicht zu ernst nehmen. Es schadet nicht, bei Stretchings mal zu lachen. Unser Head Coach sah das zwar anders, aber ich will beim Dinner oder im Bus nicht ständig seriös sein. Auch die Spieler wollen nicht 24/7 jemanden um sich haben, der nur rigide ist. Dirk war sehr gut darin, das voneinander zu trennen: Wenn das Spiel lief, dann war er sehr seriös. Ich bin es auch, wenn ich muss.

Das klassische Bild vom Basketball-Coach ist meist ja sehr streng, nicht witzig.

Procopio: Naja, deswegen werden die Head Coaches oft nach wenigen Jahren gefeuert. Spieler machen das ein oder zwei Jahre mit, vielleicht auch etwas länger, wenn der Erfolg da ist. Aber auf Dauer haben sie keine Lust, immer nur hart angefasst zu werden und Angst davor haben zu müssen, einen Fehler zu begehen. So hast du keine Langlebigkeit. Wobei das auch ein Teil meiner Rolle ist: Ich war nicht der Head Coach, nicht der Taktiker, sondern ich sollte Spieler besser machen. Ein Teil davon ist, eine Vertrauensbeziehung zu ihnen aufzubauen: Sie müssen die Kompetenz erkennen, aber sie müssen auch das Gefühl haben, von einem Menschen betreut zu werden, der auch lächeln kann.

Ihr Weg zum Player Development Coach bei den Mavs war ja bereits sehr speziell. Einen Namen hatten Sie sich in der Zusammenarbeit mit Kobe Bryant gemacht.

Procopio: Richtig. Ich hatte zehn Jahre lang mit Tim Grover in Chicago gearbeitet, dem persönlichen Trainer von Michael Jordan. Über ihn landete ich bei Kobe beziehungsweise Kobe landete bei mir. Ich habe Scouting-Reports zu all seinen Gegnern für ihn erstellt und dabei vor allem sein Spiel kritisiert. Das war zu dem Zeitpunkt völlig neu, dass ein Spieler mit seinem Stellenwert so jemanden wie mich engagierte - und ich bekam viel Publicity, zumal die Lakers in den ersten Jahren unserer Zusammenarbeit zwei Meisterschaften gewannen. Unter anderem schrieben Adrian Wojnarowski und die New York Times über unsere Zusammenarbeit, und so wurde auch Mark Cuban auf mich aufmerksam. Er wollte Leute in seiner Organisation haben, die etwas anders waren, die nicht schon ewig in der NBA waren. Cuban rief mich an, er und Donnie Nelson engagierten mich, aber sie sagten: "Der Head Coach muss es erst absegnen. Pack' deine Sachen für sechs Monate, vielleicht bist du aber auch nur eine Woche hier." Das war in Ordnung für mich, ich flog nach Dallas, hatte mein Vorstellungsgespräch und am Ende blieb ich sechs Jahre und drei Monate.

Wie sah Ihre Rolle aus?

Procopio: Sie hatten zuvor nicht viel Erfolg darin, Spieler weiterzuentwickeln. Ich sollte in Dallas Jungs dabei helfen, ihren zweiten Vertrag zu erreichen. Vor allem arbeitete ich mit Spielern zusammen, die eher am Ende der Bank saßen, Rookies oder ungedraftete Spieler, Free Agents, die ihren Weg noch nicht gefunden hatten. Spieler wie Dorian Finney-Smith, Dwight Powell, Jae Crowder, auch Maxi Kleber. Bei ihnen ging es darum, durch die Entwicklung bestimmter Skills eine Nische zu finden. Bei Leuten wie Luka Doncic oder Dirk ist es weniger die Entwicklung von Skills, mehr das Mentale. Sie können alles, sie müssen es nur verstehen. Die meisten Spieler haben hingegen ein Limit in Sachen Talent. Wobei sich auch Dirk und Luka stark voneinander unterschieden.

Inwiefern?

Procopio: Dirk war mehr ein Skill-Spieler, Luka ist ein Denker. Luka denkt Basketball auf dem nächsten Level, er ist wie Magic Johnson, Larry Bird, LeBron James, Rajon Rondo oder Jason Kidd. Sie sind auf dem Court mental drei Schritte vor allen anderen. Deswegen ging es bei ihm mehr um Wiederholungen als um irgendetwas sonst. Er musste einfach erleben, wie sich der NBA-Basketball von Europa unterscheidet. Meine Rolle ihm gegenüber war die eines Resonanzbodens. Ich stand ihm vor allem als Vertrauensperson zur Verfügung. Aber mein Hauptjob bei den Mavs war wie gesagt die Entwicklung der Rollenspieler.

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