Suche...
NBA

NBA: Als Stephen Curry im Madison Square Garden 54 Punkte machte und seinen persönlichen Durchbruch hatte

Von Robert Arndt
Stephen Curry traf aus der Distanz elf seiner 13 Würfe

Der Madison Square Garden hat nach wie vor etwas Magisches. Im Mekka des Basketballs scheinen die Lichter noch immer am Hellsten. Die perfekte Bühne für jeden Star. Auch Stephen Curry gelang am 27. Februar 2013 sein persönlicher Durchbruch mit einer unglaublichen Performance. Der Warriors-Star legte 54 Punkte auf, noch heute ist dies sein persönlicher Bestwert.

Dieser Artikel erschien erstmals am 5. März 2017.

Fastbreak Warriors. Stephen Curry bekommt den Spalding in Transition und steuert Richtung gegnerische Hälfte. Doch anstatt bei einer Überzahl-Situation zum Korb zu ziehen, stoppt die Nummer 30 abrupt ab und nimmt den Dreier - Splash, 100:99-Führung für die Dubs in New York.

Es entwickelte sich eine Atmosphäre, in der Zuschauer schon den Atem anhielten, bevor der Point Guard überhaupt zum Wurf hochstieg. Die Angst gegenüber Curry war in der Arena zu spüren. Das fachkundige Publikum im Garden war sich bewusst, dass sie hier Großes erlebten, vergleichbar mit den heroischen Leistungen von Michael Jordan oder Kobe Bryant, die im grellen Scheinwerferlicht des Gardens stets zu Hochform getrieben wurden.

Der kleine Derwisch der Dubs war an besagtem Februar-Abend im Garden einfach nicht zu stoppen. Elf seiner 13 Versuche von Downtown landeten im Korb, seine 54 Punkte waren der Bestwert der kompletten Saison 2012/13 und sind trotz Currys MVP-Saisons noch immer persönlicher Karriererekord.

Vertrag als Risiko

Es war ein Statement für all die Kritiker, die an einem Franchise-Spieler Curry gezweifelt hatten. Zur Erinnerung: Die Warriors schickten Monta Ellis im Austausch mit Andrew Bogut weg. Die Schlüssel des Teams lagen seit dieser Saison klar in den Händen von Curry. Heute erscheint dies selbstverständlich, damals durchaus kontrovers.

Vor allem Ellis war über Jahre ein absoluter Fanliebling in der Bay Area. Nächte, in denen er neun von 24 aus dem Feld schoss, wurden übertüncht durch zahlreiche Big Shots in der Crunchtime. Aber: Ein Anführer war The Mississippi Missile nie, auch nicht später in Dallas. Zweifel, denen auch Curry ausgesetzt war.

Zu klein, nicht effizient, zu verletzungsanfällig. Allein in der Saison 2011/2012 verpasste der Guard 40 von 66 Spielen. In Oakland war man dagegen trotz massiver Kritik vom Davidson-Absolventen überzeugt. Der Vertrag über vier Jahre, dotiert mit 44 Millionen Dollar, war damals bei weitem kein Schnäppchen und ein großes Risiko für die Franchise. Über die Jahre entwickelte sich das Arbeitspapier zu einem der besten der Liga und ebnete auch den Weg dafür, dass die Warriors im Sommer 2016 Kevin Durant in die Bay Area locken konnten.

48 Minuten für den großen Knall

Schon in seiner ersten Saison nach der Vertragsunterschrift deutete Curry seine Qualitäten konstanter als zuvor an. 21 Punkte und 6,6 Assists vor dem All-Star Break waren ein guter Vorgeschmack für das, was noch kommen sollte. Kurios. Der Edelschütze traf von Downtown besser als aus dem Feld (44,7 zu 43,4 Prozent).

Starke Zahlen, wenn man bedenkt, dass die Dubs noch nicht das Monster darstellten, zu dem sie sich in den folgenden Jahren entwickeln sollten. Klay Thompson, Draymond Green und auch Harrison Barnes waren noch sehr grün hinter den Ohren und spielten ihre erste bzw. zweite Saison.

Curry war es nun, der die Dubs erstmals seit den WeBelieve-Warriors von 2007 in die Playoffs führte und mehr Spiele gewann als verlor. Für das All Star Game reichte dies nicht, schon damals umstritten und in der Retrospektive eine der größeren Snubs der jüngeren Vergangenheit.

Auf größtmöglicher Bühne hatte Curry im Madison Square Garden vor nationalem Publikum die Möglichkeit zu beweisen, aus welchem Holz er geschnitzt war und die Fans und Coaches zu widerlegen. Durch zusätzliche Verletzungssorgen spielte der Point Guard die kompletten 48 Minuten durch.

Er konnte nicht einmal den Ring sehen

Es sollte ein Vorgeschmack werden, wie Curry in den folgenden Jahren gleich zweimal den MVP-Award abräumen sollte. Ansatzlose Dreier aus der Bewegung, teils einen Meter hinter dem Perimeter, verrückte Floater in der Zone. All das, wofür die Fans den kleinen Guard später lieben lernen würden, präsentierte Curry an diesem Abend.

"Er ist einfach heiß gelaufen. Bei manchen Würfen konnte er nicht einmal den Ring sehen. Er ist einfach ein spezieller Spieler", musste auch der damalige Knicks-Center Tyson Chandler (28 Rebounds in dieser Partie!) neidlos anerkennen.

Lediglich vier Zähler verbuchte der Star des Abends im ersten Viertel. Satte 50 folgten in den restlichen 36 Minuten. Dabei fanden 16 von 22 Würfen den Weg in den Korb. Es schien, als könne er nicht daneben werfen. "Ich habe mich die ganze Zeit sehr gut gefühlt. Als ich meinen Dreier in Transition reingehen sah, wusste ich, dass es ein guter Abend für mich werden würde", erklärte Curry seine Gefühlswelt an besagtem Abend.

Curry im Madison Square Garden: "Wunderschön"

Dabei kristallisierte sich heraus, welch ein grandioser Zocker der Sohn des ehemaligen Profis Dell Curry werden könnte. Egal, was die Knicks taten, sie hatten kein Mittel. Selbst ein ausgezeichneter Perimeter-Verteidiger wie Iman Shumpert wirkte eher wie ein fußlahmer Jose Calderon.

"Ich habe viele großartige Spieler und tolle Leistungen in dieser Arena gesehen, aber diese Shooting Performance war einfach nur wunderschön anzusehen", schwärmte sein Trainer und ehemaliger Knicks-Spieler Mark Jackson. Alleine im zweiten Viertel explodierte Curry für 23 Zählern mit Pullup-Dreiern, wie es die Liga so noch nie gesehen hatte.

Er alleine war der Grund, dass schwache Dubs die Partie offen hielten. Seine Kollegen aus der Starting Five kamen auf lediglich 13 Zähler (6/22 FG).

Elf verwandelte Distanzwürfe (bei 13 Versuchen) unterstrichen, dass Curry zur absoluten Elite der Shooter zu zählen war. Er ist kein Akteur, der nur um Blöcke läuft oder in der Ecke geduldig auf den Pass wartet wie beispielsweise Ray Allen oder Kyle Korver. Die Fähigkeit, jederzeit einen halbwegs offenen Wurf zu kreieren, vor allem dank seines blitzschnellen Release, war und ist eine Rarität.

Dass der Dreierrekord von Kobe Bryant Ende 2016 endlich fiel, war einzig und allein folgerichtig. Mit Blick auf das Knicks-Spiel muss man sich fragen: Warum nahm der Junge lediglich 13 Würfe von Downtown? Eine logische Erklärung dafür gibt es wohl nicht.

Wiederholbar?

Dass die Knicks dieses Spiel dennoch gewannen, ist vielen heute gar nicht mehr bewusst. Beim Stand von 105:105 blockte Raymond Felton einen Notwurf von Curry, in der Folge scorten die Gastgeber die letzten vier Punkte der Partie.

Curry selbst konnte so seine Performance nicht so genießen, wie er es hätte tun sollen, wie sein Vater Dell später verriet: "Er war schon enttäuscht, dass sie das Spiel verloren haben. Hoffentlich ist diese Leistung keine Eintagsfliege, aber es wird sehr schwer, diese noch einmal zu duplizieren - vor allem in New York."

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung