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NBA

Jenseits aller Worte

Von Haruka Gruber
Gaso, Pau, Memphis, Grizzlies
© Getty

München - Plötzlich stockte die Unterhaltung. Seine Stimme wurde leiser, die Worte wurden mit Bedacht gewählt. Pau Gasol fühlte sich nicht mehr allzu wohl.

Wenige Augenblicke zuvor beantwortete er gewohnt professionell die Fragen - obwohl es im Gespräch mit SPOX.com zunächst um das vermaledeite EM-Finale ging. Der haushohe Favorit Spanien verlor gegen Russland, auch wegen Gasol, der mit sieben Fehlversuchen bei zwölf Freiwürfen seinen Teil zur Niederlage beitrug.

"Es war ein komisches Spiel. Wir waren müde und nicht top in Form, aber das Turnier insgesamt war sehr gut. Wir können stolz sein", sagte Gasol. Und die Freiwürfe? "So was kann passieren. Zuvor habe ich sehr gut geworfen, offenbar war die Konzentration nicht ganz da."

Klingt plausibel. Klingt abgeklärt. Die bittere Endspielpleite bei der Heim-EM mag erst fünf Wochen her sein, der Power Forward schien wieder die Ruhe selbst. Selbstzweifel? Verunsicherung? Fehlanzeige. Der NBA-All-Star von 2006 ist halt ein Profi.

"Es war sehr, sehr hart"

Kurz darauf jedoch das: "Ich will keine großen Worte mehr darüber verlieren. Können wir das Thema wechseln?"

Dabei ging es gar nicht mehr um verworfene Freiwürfe, verpasste Goldmedaillen oder enttäuschte Fans. Vielmehr wurde Gasol nach seinen Erfahrungen vergangene Saison bei den Memphis Grizzlies befragt. Seinen Fußbruch, der ihn 14 Wochen außer Gefecht setzte. Seine Dissonanzen mit der Klubführung, die sogar fast zu einem Trade geführt hätten.

All das ist mehrere Monate her, aber noch immer bereitet es dem 27-Jährigen Unbehagen, über das Erlebte zu sprechen. "Das letzte Jahr in Memphis war sehr, sehr hart - und das in allen Facetten. Die Verletzung, die vielen Niederlagen, die Kritik", sagte Gasol. Nach einer kurzen Denkpause: "Diese Saison wird bestimmt besser. Wir sind sehr optimistisch. Aber über das Vergangene will ich einfach nicht mehr reden."

Schlammschlacht mit Memphis

Es ist einiges passiert zwischen Gasol und Memphis. Früher noch unzertrennlich, stand die zuvor so harmonische Beziehung kurz vor dem Ende.

Zunächst der angesprochene Fußbruch, mit dem sich Gasol von der WM 2006 zurückmeldete, daraufhin der Fehlstart der Grizzlies ohne ihren wichtigsten Spieler. Danach nahm die Schlammschlacht ihren Lauf.

Gasol habe, so die Franchise-Verantwortlichen, nicht die richtige Einstellung gehabt und nicht konsequent für sein Comeback gearbeitet.

Der vermeintlich Demotivierte wiederum machte kein Geheimnis daraus, dass er gerne zu den Chicago Bulls gewechselt wäre. Er sei des Verlierens und des öden Angsthasen-Basketballs von Coach Mike Fratello überdrüssig, hieß es immer wieder. Mit 60 Niederlagen in 82 Spielen stellte Memphis die ligaweit schlechteste Bilanz auf.

Neuer Coach, neuer Manager, neue Mitspieler

Gasol und Memphis. Es schien, als sei es nur noch eine reine Zweckehe. Eine Ehe, die sich in der Offseason jedoch überraschend erholte. Und das aus zwei Gründen.

Einerseits wurde mit Marc Iavaroni ein neuer Trainer vorgestellt, der mit seiner Offensivphilosophie Gasol entgegenkommt. Andererseits nahm der ebenfalls im Sommer angestellte General Manager Chris Wallace im Kader einige Korrekturen vor.

Mit Darko Milicic verpflichtete Memphis endlich die von Gasol lang geforderte Unterstützung am Brett, auf der Spielmacherposition ersetzt Nummer-vier-Pick Mike Conley Jr. den alternden Chucky Atkins. Die wichtigste Akquise ist jedoch ein anderer: Juan Carlos Navarro, 27 Jahre alt, Europas vielleicht bester Shooting Guard - und Gasols engster Vertrauter.

"Gefühl der Einigkeit"

"Ich bin wirklich froh, dass Juan Carlos bei uns ist. Seit meiner ersten Saison beim FC Barcelona vor elf Jahren kennen wir uns. Wir sind die besten Freunde. Nein, wir sind mehr als das", so Gasol. „Wir verstehen uns einfach, egal ob es um Basketball geht oder nicht. Und dieses Gefühl der Einigkeit wollen wir auch bei den Grizzlies einführen."

Ein hehres Anliegen. Aber noch bestehen Zweifel, ob Gasol seine Ressentiments gegen den Klub tatsächlich zu Gänze aufgegeben hat. "Ich sehe, dass er sich seit dem Sommer mehr einbringen will", sagte Iavaroni. "Aber Pau muss beweisen, dass er es mit dem Bekenntnis zu uns ernst meint."

Ein "Können wir das Thema wechseln?" wird dem neuen Trainer nicht reichen.

 

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