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Handball

Deutschland so gut wie gescheitert

Von Thomas Jahn
Dem DHB-Team bringt auch der klare Sieg gegen Israel nichts mehr
© getty

Das Desaster ist nahezu perfekt: Trotz eines 38:19 (21:12)-Kantersiegs über Israel findet die Handball-Europameisterschaft 2014 wohl ohne Deutschland statt. Da Konkurrent Tschechien gegen Montenegro mit 30:25 gewann, blieb der Heimsieg des DHB-Teams am Ende wirkungslos.

Deutschland - Israel 38:19 (21:12)

Tore: Deutschland: Groetzki (10), Schmidt (9/6), Sellin (7/1), Wiencek (5), Klein (3), Pevnov (2), Glandorf (1), Kneer (1) für Deutschland - C. Pomeranz (5/2), Stelman (3), Smoler (2), Halifi (2), Turel (2), Sychenko (1), G. Pomeranz (1), Davida (1), Strydom (1) für Israel

Damit verpasst Deutschland als Tabellendritter im elften Anlauf aller Voraussicht nach erstmals die Qualifikation für die Europameisterschaft, die im kommenden Jahr in Dänemark ausgetragen wird.

Die Qualifikation als bester Dritter der sieben Gruppen, für die unter anderem Österreich am Sonntag mit mindestens neun Toren Vorsprung gegen Russland gewinnen müsste, ist nur noch in der Theorie machbar.

"Fakt ist, dass unsere Mannschaft heute Charakter bewiesen hat", sagte Bundestrainer Martin Heuberger nach der Partie im Interview mit dem "BR": "Trotzdem überwiegt natürlich die Enttäuschung darüber, dass wir uns nicht qualifizieren konnten."

Auch einen Seitenhieb in Richtung des Gruppensiegers konnte der Coach sich nicht verkneifen: "Mich ärgert, dass die Montenegriner ohne vier Stammspieler angetreten sind, das ist ein bisschen unsportlich. Aber wir haben selbst in Montenegro nicht gewonnen und deswegen sind wir ausgeschieden."

DHB-Team erneut mit Personalproblemen

Die Ausgangslage vor der Partie in Aschaffenburg war klar: Nach der bitteren Pleite in Montenegro musste Deutschland die Gäste aus Israel zwingend schlagen und zeitgleich auf einen Sieg der bereits qualifizierten Montenegriner über DHB-Konkurrent Tschechien hoffen, um so über den direkten Vergleich (22:24 und 28:23) an den Tschechen vorbeizuziehen.

Kaum verwunderlich also, dass DHB-Coach Martin Heuberger das Thema EM vor dem letzten Spieltag als "normalerweise durch" bezeichnete. Gegen das Schlusslicht aus Israel musste er zudem erneut auf zahlreiche Akteure verzichten, darunter die verletzten Sven-Sören Christophersen, Christoph Theuerkauf, Steffen Fäth sowie Göppingens Tim Kneule, der im personell besonders gebeutelten linken Rückraum hätte aushelfen können.

Deutschland dank Groetzki auf Kurs

In der mit 4.500 Zuschauern gefüllten F.a.n. Frankenstolz Arena wurde die Heuberger-Truppe ihrem Favoritenstatus nach einem kleinen Anfangswackler schnell gerecht. Gegen die unerfahrene Defensive des israelischen Teams brachte Patrick Groetzki die Hausherren mit vier Treffern in Serie mit 4:2 auf Kurs, Dominik Klein und Patrick Wiencek per Doppelpack legten daraufhin zum 7:2 nach.

Israel, das bis die Ex-HBL-Profis Avishay Smoler und Chen Pomeranz kaum namhafte Spieler in seinen Reihen hatte, konnte das hohe Tempo der konzentriert aufspielenden Deutschen nicht mitgehen und leistete sich zahlreiche Ballverluste.

Silvio Heinevetter im DHB-Tor war somit wenig gefordert, Coach Heuberger wechselte fleißig durch. Hätte die Heuberger-Truppe ihre Chancen gegen die mit viel Respekt agierenden Gäste zu Anfang noch konsequenter genutzt, wäre zur Halbzeit eine deutlich höhere Führung drin gewesen - so hieß es nach 30 Minuten schließlich 21:12 für Deutschland.

Spielfreude ungetrübt

Die Spielfreude der deutschen Mannschaft ebbte auch im zweiten Durchgang nicht ab. Zunächst traf Kevin Schmidt vom Punkt, um schließlich mit einem sehenswerten Dreher zum 24:13 nachzulegen - sein bis dato sechster Treffer der Partie. Zwei Tore von Johannes Sellin beseitigten bereits in der 35. Minute sämtliche Restzweifel über den Ausgang der Partie, Deutschland lag mit 13 Treffern in Front.

Das junge israelische Team war danach völlig von der Rolle und musste mit ansehen, wie es im Sekundentakt im eigenen Netz einschlug: Schon nach 49 Minuten hieß es 34:16 für die Hausherren, die den Kantersieg am Ende leicht und locker nach Hause brachten.

Kretzsche: "Größte Krise überhaupt"

Erfolgreichste Werfer des DHB-Teams waren Groetzki (10 Treffer), Schmidt (9) und Sellin (7).

Stefan Kretzschmar hat das Team nach dem fast sicheren Scheitern scharf kritisiert. "Von den letzten drei Großereignissen haben wir jetzt zwei verpasst - das ist für den deutschen Handball ein Fiasko", sagte der 40-Jährige der "Welt am Sonntag".

Auch Heuberger müsse sich fragen lassen, ob er noch der Richtige ist: "Die Entwicklung ist bedrohlich, meiner Meinung nach erlebt der deutsche Handball derzeit seine größte Krise überhaupt.

Die Tabelle der EM-Quali im Überblick

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