Cookie-Einstellungen
Fussball

Timo Werner und Romelu Lukaku: Chelsea-Sturmduo noch in der Findungsphase

Von Maximilian Lotz
Timo Werner erzielte gegen den FC Southampton sein erstes Premier-League-Tor in dieser Saison

Mit einem langgezogenen "YESSSSSSSSSS" bejubelte Timo Werner in den Sozialen Medien seine Saison-Torpremiere in der Premier League. Bei Sturmpartner Romelu Lukaku fehlten zum großen Glück hingegen ein paar Zentimeter. Der vermeintliche Traumsturm des FC Chelsea befindet sich noch in der Findungsphase.

Zumindest bei Werner ist der Knoten geplatzt. Gegen den FC Southampton (3:1) brachte der 25-Jährige die Blues in der Schlussphase mit seinem Treffer zum 2:1 (84.) am Samstag auf die Siegerstraße. Auf Knien rutschte Werner Richtung Eckfahne und schrie seine ganze Freude heraus. Und diesmal hatte auch der Schiedsrichter nichts dagegen.

So wie in der 42. Minute, als sich nach Werners Kopfballtreffer plötzlich der VAR meldete und den Treffer wegen eines Fouls von Cesar Azpilicueta in der Entstehung annullierte. Bereits zum 16. Mal wurde ein Tor Werners seit dessen Wechsel zu den Blues im Sommer 2020 aberkannt.

"Jedes Mal, wenn er ein Tor schießt, haben wir das Gefühl, dass es eine VAR-Entscheidung gibt, die ihm das Tor wegnimmt, es gab eine Menge sehr knapper Entscheidungen", sagte Chelsea-Coach Thomas Tuchel.

Umso größer war daher auch bei ihm die Freude und Erleichterung, dass der Videoassistent diesmal nichts zu beanstanden hatte. "Am Ende hat er so gespielt, wie er spielen soll", analysierte Tuchel Werners Leistung. "Wenn der Ball von Ross Barkley so gespielt wird und die Flanke von Cesar Azpilicueta so kommt, dann musst du als Stürmer da sein."

FC Chelsea: Timo Werner feiert Torpremiere in der Premier League

Vor allem hat sich Werner einmal mehr nicht entmutigen lassen. Der Nationalspieler war am Ende der abschlussfreudigste Mann auf dem Platz (sechs Schüsse, vier davon aufs Tor) und belohnte sich schließlich mit seinem ersten Premier-League-Tor in dieser Spielzeit. Seit Tuchels Amtsübernahme Ende Januar war kein Chelsea-Spieler in der Premier League an mehr Toren beteiligt. Drei Tore und fünf Assists gelangen Werner seitdem, der zweitbeste Scorer Mason Mount kommt im gleichen Zeitraum nur auf sieben Scorerpunkte.

"Es war ein sehr wichtiges Tor für uns, um den Sieg zu sichern. Er war da, wo er sein sollte", sagte Tuchel am Samstag - und nahm Werner zugleich in die Pflicht: "Er muss weitermachen, er kann sein Spiel noch weiter verbessern. Er kann noch viele Dinge verbessern."

Romelu Lukaku beim FC Chelsea seit fünf Spielen torlos

Vor allem im Zusammenspiel mit 115-Millionen-Mann Lukaku herrscht noch Luft nach oben. Gegen die Saints standen die beiden Offensivspieler erst zum zweiten Mal gemeinsam in der Startelf. Und nur wenige Zentimeter fehlten zum gemeinsamen Glück. Kurz nach Werners Tor scheiterte zunächst Lukaku in einer kuriosen Szene am Innenpfosten (89.), ehe auch Azpilicuetas Versuch am Aluminium landete, bevor Ben Chilwell schließlich zum Endstand abstaubte.

Während Werner also seine Durststrecke beendet hat, wartet Lukaku nach verheißungsvollem Start mit vier Toren in den ersten vier Pflichtspielen nun schon seit fünf Einsätzen auf einen Treffer.

Leistungsdaten 20/21PflichtspieleToreVorlagen
Romelu Lukaku940
Timo Werner821

Für den ehemaligen Tottenham- und Aston-Villa-Trainer Tim Sherwood sollte der Belgier aber nicht nur an seinen Toren gemessen werden. "Es war großartig, Lukaku zu sehen", sagte Sherwood am Samstag in seiner Funktion als englischer TV-Experte. "Er hatte seine Chancen auf einen eigenen Treffer, aber er ist ein richtiger Mannschaftsspieler. Er hat in fünf Spielen nicht getroffen, aber er will erfolgreich sein und die Premier League gewinnen."

Ex-Inter-Trainer Conte stichelt gegen Tuchel und Chelsea

In der Vorsaison trug der 28-Jährige mit 24 Toren und zehn Vorlagen einen entscheidenden Teil zum Titelgewinn von Inter Mailand in der Serie A bei. Sein früherer Trainer Antonio Conte konnte sich in der vergangenen Woche einen Seitenhieb in Richtung Tuchel nicht verkneifen. "Wenn man solch einen Mittelstürmer wie ihn hat, muss man das ausnutzen. Und ich denke, Chelsea weiß nicht, wie man ihn am besten nutzt", sagte Conte Sky Sport Italia nach Chelseas 0:1-Niederlage in der Champions League bei Juventus.

Tuchel zog vor der Partie gegen die Saints dennoch eine positive Zwischenbilanz zu Lukaku. "Er war beim ersten Spiel gegen Arsenal voll dabei. Wenn man sich die zweite Halbzeit gegen Tottenham anschaut, war er an Torchancen beteiligt und an der Vorlage für Timo Werner in der ersten Halbzeit in Verbindung mit Mason Mount", sagte Tuchel.

Zugleich sah der Chelsea-Coach noch Nachholbedarf: "Es geht im Fußball um Verbindungen und bei Romelu sehe ich eine starke Verbindung zu Mason Mount und Mateo Kovacic. Sie suchen sich gegenseitig und deshalb gibt es ein echtes Verständnis. Bei den anderen fehlt das ein bisschen, wir müssen lernen, uns anzupassen."

Werner verlor in dieser Saison zunächst seinen Platz als Sturmspitze an Lukaku und kam nur noch auf wenige Einsatzminuten als Joker. Im League Cup gegen Aston Villa (5:4 n.E.) nutzte der Ex-Leipziger seine Rückkehr in die Startelf immerhin zu seinem ersten Tor in dieser Spielzeit. Beim 0:1 gegen Manchester City bildeten Werner und Lukaku bei ihrem ersten gemeinsamen Startelf-Einsatz das Sturmduo. Doch noch wirkt das Spiel der beiden noch nicht aufeinander abgestimmt. Gegen ManCity spielte Werner nur einen Pass zu Lukaku, der Belgier keinen einzigen zu Werner. Im Duell mit den Saints waren es immerhin je zwei Zuspiele.

Werner mit starken Zahlen gegen Southampton

Dabei präsentierte sich Werner sehr einsatzfreudig, am Ende hatte er zehn Kilometer abgespult und mit 29 Sprints (Topspeed: 33,68 km/h) mit Abstand die meisten aller Spieler zurückgelegt. Zum Vergleich: Lukaku legte nur 8,43 Kilometer zurück und sprintete nur zwölfmal, wobei er einen Topspeed von 23,38 km/h erreichte.

Werner agierte in dem Spiel hinter Stoßstürmer Lukaku etwas hängender und wich auf die rechte offensive Flügelposition aus. Ein Spiel, das Werner durchaus liegt. "Timo liebt es, um einen Stoßstürmer herum zu spielen. Und Romelu ist dies mit seiner Größe und Physis für uns", sagte Tuchel Anfang September. "Ich bin sicher, wir finden Spiele und Lösungen, wo wir mit beiden spielen können." Das Spiel gegen Southampton war in Findungsphase des Duos Werner/Lukaku zumindest kein Rückschritt.

Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung