-->
Cookie-Einstellungen
Fussball

DFB-Team: Fünf Erkenntnisse zum 1:1 gegen Spanien

Julian Draxler zeigte gegen Spanien gute Ansätze.

Wer in der 96. Minute um zwei Punkte beraubt wird, kann sich nicht freuen. Dem 1:1 gegen Spanien (die Highlights im Video) lässt sich aus Sicht des DFB-Teams aber auch durchaus Positives abgewinnen.

Fünf Erkenntnisse zum Nations-League-Auftakt in Stuttgart.

1. Kein Neuer, kein ter Stegen, kein Problem

Bayerns Triple-Held Manuel Neuer (34) weilt noch im Urlaub, während Marc-Andre ter Stegen (28) nach seiner Knie-Operation noch mehrere Wochen ausfällt. Ein Problem ist das für die deutsche Nationalmannschaft aber nicht, schließlich hat sie mit Kevin Trapp (30) noch einen dritten Rückhalt, auf den Verlass ist.

In seinem vierten Länderspiel legte der Torhüter von Eintracht Frankfurt einen sehr wachsamen Auftritt hin und untermauerte seinen Status als starke Nummer drei vor dem ebenfalls verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stehenden Bernd Leno (28). Vier direkte Schüsse auf sein Tor parierte er, hinzu kam seine Rettungstat in der Anfangsphase, nachdem Emre Can Spaniens Torjäger Rodrigo Moreno zu einem Eins-gegen-Eins mit dem Torhüter eingeladen hatte. Beim späten Gegentor aus kurzer Distanz war Trapp machtlos.

"Ich bin ambitioniert und will natürlich immer spielen, wenn es möglich ist", sagte der Ex-PSG-Keeper nach Spielende, stellte aber auch klar, um die Hierarchie unter Bundestrainer Joachim Löw zu wissen. "Alle haben gesehen, was Manu zuletzt wieder geleistet hat", meinte Trapp mit Blick auf Neuers Glanztaten im Champions-League-Finale (Highlights: Neuer treibt PSG im CL-Finale zur Verzweiflung). Zumal ter Stegen bei Barca "auch schon über Jahre hinweg" starke Leistungen abrufe.

Klar ist: Ein Torwartproblem hat Deutschland nicht.

2. Gosens macht Lust auf mehr

Als langjähriger Profi sollte Robin Gosens (26) das Einmaleins des Fußballs eigentlich in- und auswendig kennen. Nach dem Last-Minute-Ausgleich durch Spanien hob der Profi von Atalanta Bergamo jedoch den "Reklamierarm", bis ihm Schiedsrichter Daniele Orsato verklickerte, dass er das Abseits mit seiner Grätsche ins Seitenaus aufgehoben hätte.

"Ich habe wieder etwas gelernt. Ich dachte, wenn ich hinter der Linie stehe, bin ich nicht mehr im Spiel", sagte Gosens nach dem Abpfiff. Kein Problem, er wäre auch ohne seine Beschwerde beim Unparteiischen-Gespann nicht mehr rechtzeitig auf die Höhe der restlichen deutschen Abwehrkette gekommen.

Unabhängig davon zeigte er ein starkes Debüt im DFB-Dress, das Lust auf mehr machte. Er arbeitete beherzt gegen den Ball und bereitete das zwischenzeitliche Führungstor durch Timo Werner mit einem starken Lauf und einem scharfen Pass in den Rücken der spanischen Abwehr vor.

Gosens ist mit seiner Schnelligkeit und seiner Zweikampfstärke zuzutrauen, dass er sich im deutschen 3-5-2 auf der linken Außenbahn festspielt. Seine Konkurrenten, Borussia Dortmunds Nico Schulz (27) und RB Leipzigs Marcel Halstenberg (28), fallen sicherlich nicht in die Kategorie "Unantastbar".

3. Sane ist noch nicht Sane

Anders sieht es bei Leroy Sane (24) aus. Der Bayern-Neuzugang spielt, wenn er fit ist. Das ist nach fast einem Jahr ohne Startelf-Einsatz auf internationalem Top-Niveau aber noch nicht der Fall.

Gegen Spanien war der Linksfuß vor allem im ersten Durchgang einer der bemühtesten Deutschen, bis auf einen von David de Gea entschärften Schuss in der 18. Minute aber ohne zwingende Torraumszene.

Nach einer guten Stunde zeigte der in der variablen Doppelspitze mit Werner agierende Ex-Schalker schließlich an, ausgewechselt werden zu müssen. Löw schloss auf der Pressekonferenz nach der Partie eine Verletzung aus, berichtete aber von Krämpfen bei Sane. "Man muss sehen, wo Leroy herkommt. Dass irgendwann die Kraft fehlt, ist klar. Wir müssen vorsichtig mit ihm sein", warnte der Bundestrainer.

Sane selbst gab zu verstehen, noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte zu sein. Auf "80 Prozent" bezifferte er seinen Fitnesszustand, er fühle sich "ganz okay". Bis Sane wieder Sane ist, also der explosionsartige Tor- und Torvorlagen-Lieferant, werden wohl noch einige Wochen vergehen.

4. Draxler braucht einen neuen Verein

Weil Julian Brandt (24) eine Pause bekam und Kai Havertz (21) wohl wegen seines bevorstehenden Wechsels zum FC Chelsea ebenfalls auf der Bank blieb, spielte Julian Draxler erstmals seit dem 15. Februar 90 Minuten lang durch.

Er machte seine Sache weder besonders gut noch besonders schlecht, vielmehr rundum solide. Etwas höher als Toni Kroos und Ilkay Gündogan im Zentrum postiert, behauptete sich der Mann mit der Nummer 7 ein ums andere Mal auf engem Raum (63,3 Prozent Zweikampfquote) und beging wenige Abspielfehler (80 Prozent Passquote). Sein Manko: Ihm ging die entscheidende Dynamik im letzten Drittel abhanden.

"Ich wusste vor dem Spiel ja selbst gar nicht, wo ich stehe", sagte der Weltmeister von 2014 nach der Partie. "Dafür, dass ich so lange nicht 90 Minuten gespielt habe, bin ich eigentlich zufrieden."

Ein Draxler mit mehr Spielrhythmus würde dem DFB-Team guttun. Dafür braucht der frühere Schalker und Wolfsburger aber einen neuen Verein. Bei PSG nimmt er unter Thomas Tuchel nur die Rolle des sporadischen Jokers ein.

Behält er diese, dürften ihm Brandt, Havertz und Co. problemlos den Rang ablaufen. Zumal bei der kommenden Länderspielpause im Oktober mit Joshua Kimmich (25) und Leon Goretzka (25) zwei weitere Mittelfeldspieler eingeplant sind.

Julian Draxlers Saisonstatistiken 2019/20 bei PSG

Wettbewerbim KaderEinsätzeStartelfToreAssists
Ligue 11711705
Champions League85000
Coupe de France64402
Coupe de la Ligue32100

5. Löw passt sich den aberwitzigen Umständen an

Der Bundestrainer wechselte gegen Spanien mit Matthias Ginter für Sane (63.), Suat Serdar für Ilkay Gündogan (74.) und Robin Koch für Timo Werner (90.+1) defensivorientiert, um dem stetig wachsenden Druck der Spanier in Hälfte zwei standzuhalten. Eine Angsthasen-Taktik? Nicht wirklich. Löw reagierte so, weil seine Spieler ob der zu kurzen oder zu langen Pausen körperlich "auf dem Zahnfleisch" gingen, wie er nach dem Abpfiff kopfschüttelnd erklärte.

"Ehrlich gesagt hat es von den Kräften her nicht bei jedem gereicht", räumte auch Defensivmann Can ein. "Wir konnten die Spanier vorne nicht die ganze Zeit anlaufen. Es ging gar nicht anders, als sich in der Schlussphase hinten reinzustellen." Ein Stil, der nicht zu Löw passt. Der 60-Jährige predigt seit jeher gepflegten Offensivfußball.

In Zeiten, in denen der Terminkalender aus allen Nähten platzt und kurzfristig sogar fünf Wechsel wieder um zwei reduziert werden, bleibt ihm aber offensichtlich nichts anderes übrig, als mit seiner eigenen Philosophie zu brechen.

Umso weniger verwunderlich, dass er sich nach dem Spanien-Spiel in Rage redete. "Was mich besonders aufregt: Lange wurden fünf Wechsel erlaubt, jetzt nicht mehr. Gerade jetzt! Wir müssen aufpassen. Die Gesundheit der Spieler steht über allem", polterte Löw.

Am Sonntag steht bereits die nächste Aufgabe in der Nations League an. Das DFB-Team trifft in Basel auf die Schweiz (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER). Sowohl im Oktober als auch im November stehen dann jeweils sogar drei Länderspiele an. "Das", ärgerte sich Löw, "finde ich nicht in Ordnung."

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung