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Fussball

Hertha BSC - Windhorsts Visionen für den "Big City Klub": Die Vorbilder sind Chelsea, City und PSG

Lars Windhorst will aus der Hertha einen Big-City-Klub machen.

Das Einverständnis von Geldgeber Windhorst können Sportchef Michael Preetz und seine Kollegen in der Hertha-Führung voraussetzen. "Die Naturgesetze der Wirtschaft werden auch jetzt automatisch greifen", sagte Windhorst kürzlich. Damit meint er das antizyklische Investieren gerade in einer Krise.

Das gilt sowohl für die Erhöhung der Tennor-Anteile als auch für den Einkauf von Spielern, die aktuell weniger Ablöse kosten und auch weniger Gehalt fordern dürften. Vielleicht könnten auch deshalb bis zum Transferschluss im Oktober prominente (und marketingtaugliche) Bankdrücker wie Mario Götze, Julian Draxler oder Mesut Özil wieder ein Thema werden.

Windhorst kennt sich zwar laut eigener Aussage nicht im Fußball aus, vom Geschäft aber versteht er etwas. Und deshalb bleibt er auch bei seiner Meinung, dass man Erfolg kaufen kann. "Wenn alle Beteiligten mitspielen und nicht zu große Fehler gemacht werden, dann gibt es theoretisch keinen Grund, warum Hertha nicht auch einmal Deutscher Meister werden sollte und in der Champions League oben mitspielt. Aber wie schnell das geht, kann keiner vorhersagen", sagte Windhorst in einem Interview der Bild.

Windhorsts Vorbilder: Chelsea, ManCity und PSG

Auch wenn es viele gescheiterte Versuche gab, so zeigen einige Beispiele der jüngsten Zeit auch, dass Geld eben doch Tore schießt. Roman Abramowitsch hat seit seinem Einstieg beim FC Chelsea 2003 fast zwei Milliarden Euro für neue Spieler ausgegeben und immer wieder die Deckungslücken im Etat ausgeglichen. Seitdem gewannen die Blues 2012 die Champions League sowie zweimal die Europa League und wurden fünfmal englischer Meister und fünfmal FA-Cup-Sieger.

Manchester City hat seit dem Einstieg der Mehrheitsbesitzer aus Abu Dhabi 2008 ebenfalls ohne Rücksicht auf Verluste weit mehr als eine Milliarde in Neuzugänge investiert und in dieser Zeit vier Meistertitel, einen FA-Cup und fünfmal den Ligapokal geholt.

Und Paris St. Germain hat im Vergleich sogar noch mehr ausgegeben, seit ein katarischer Staatsfond den 2008 fast abgestiegenen Hauptstadtklub 2011 übernahm. Als Konsequenz spielt das Starensemble in Frankreich in einer eigenen Liga und gewann seit 2013 siebenmal die Meisterschaft und seit 2015 viermal den Pokal.

Wirtschaftlich sind all diese Modelle natürlich nicht und eine Chancengleichheit für die meisten Mitbewerber ist auch nicht mehr gegeben, aber für die millionenschweren Besitzer heiligt der Zweck die Mittel. Dementsprechend dienen Chelsea, ManCity und PSG für den international agierenden Windhorst als Maßstab für sein erklärtes Ziel der Hertha als "Big City Klub". "Ich stehe zu dem Begriff", sagte er ungeachtet der hämischen Kommentare. "Denn er bringt auf den Punkt, worum es geht. Man braucht eine große Bühne, wo Spieler gern leben und ein interessantes Umfeld wie Publikum finden. Auf Dauer werden die Großstadtklubs Erfolg haben."

Hertha Meister? "Richtig, warum nicht?"

Nun ist natürlich das eine, wenn milliardenschwere Staatsfonds aus Abu Dhabi (Man City) und Katar (PSG) Geld in ihre Vorzeigespielzeuge reinpumpen und Unternehmen wie Red Bull den Sport als Marketingvehikel benutzen oder wenn ein Investor wie Windhorst sich den Erfolg kaufen möchte: Tennors Ressourcen mögen zwar groß sein, über Öl- und Gasquellen - oder einer angeblich energiespendenden Brause - verfügt er nicht. Die Frage, wie lange Windhorsts Atem sein wird, wenn sich mittelfristig kein Erfolg einstellen sollte bei der Hertha, könnte noch eine spannende werden.

Eine interessante Vision hat Windhorst aber allemal, gerade angesichts der ermüdenden Dauerdominanz des FC Bayern im deutschen Fußball. Zumal der wichtigste Verein in keiner anderen Hauptstadt eine solche Nebenrolle wie die Hertha in Berlin spielt und das Potenzial angesichts von vier Millionen Einwohnern durchaus vorhanden sein müsste - sportlichen Erfolg vorausgesetzt. Die große Zahl der Skeptiker, die bei der Hertha in den vergangenen Jahrzehnten schon viele großspurige Ankündigungen erlebt haben, welche sich am Ende in der Berliner Luft auflösten, kann Windhorsts Optimismus offenbar nicht schmälern. Auf die nicht ganz ernst gemeinte Aussage der Bild, dass nach den vielen Millionen eigentlich die Meisterschaft fällig sein müsste, antwortete Windhorst jedenfalls: "Richtig, warum nicht?"

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