Donnerstag, 12.12.2013

Bauermanns Playbook: Die Rockets in der Taktik-Analyse

Selbst Olajuwon hätte nicht gepasst

Twin Towers extrem: Mit einem ungewöhnlichen Experiment ging Houston in die Saison - und beendete diese abrupt. Warum sind Dwight Howard und Ömer Asik ein Fehlkonstrukt? Ist es nur James Harden zu verdanken, dass die Rockets dennoch zu den Titel-Mitfavoriten zählen? Und warum ist Jeremy Lin so gut wie nie? In "Bauermanns Playbook" analysiert Ex-Bundestrainer Dirk Bauermann die Houston Rockets.

Dirk Bauermann analysiert den gescheiterten Versuch mit Dwight Howard und Ömer Asik
© getty
Dirk Bauermann analysiert den gescheiterten Versuch mit Dwight Howard und Ömer Asik

Teil I: Howard & Asik: Offensiv ein Desaster

Niemand von den Rockets mag es offiziell bestätigen, aber längst ist aus einer Mutmaßung eine Gewissheit geworden: Ab Freitag dürfen Spieler, die in dieser Offseason neue Verträge unterschrieben haben, getradet werden - und Houstons GM Daryl Morey wird nichts unversucht lassen.

Wie alle Medien übereinstimmend berichten, haben die Rockets die Hoffnung aufgegeben und das Experiment mit Dwight Howard und Ömer Asik für gescheitert erklärt, weswegen der Türke, immerhin einer der besten Center der NBA, zum Tausch feilgeboten wird.

"In der Konstellation macht es wenig Sinn für Houston, daher ist ein Trade von Asik wohl das sinnvollste. Dass es mit Howard zusammen nicht funktioniert, war schon vor der Saison zu befürchten", sagt Dirk Bauermann. Umso spannender war es in den ersten NBA-Wochen zu beobachten, was sich die Rockets dabei dachten, mit Howard den umworbensten Free Agent des Sommers zu verpflichten und gleichzeitig Asik nicht abzugeben, obwohl beide nur auf der Center-Position von Wert sind.

Bauermann: "Die Idee dahinter lässt sich zurückführen zum Rockets-Team vor fast 30 Jahren, als mit Ralph Sampson und Hakeem Olajuwon zwei klassische Brettspieler erfolgreiche zusammenspielten." Der 2,24 Meter große Sampson und der 2,13 Meter große Olajuwon zählen zu den besten Front-Court-Duos der NBA-Historie und erreichten 1986 die NBA-Finals.

Legenden-Serie Hakeem Olajuwon: "More than a Dream"

Das kapitale Missverständnis: Von der Größe her mögen Howard (2,11 Meter) und Asik (2,13 Meter) an Sampson und Olajuwon erinnern. Doch davon abgesehen sprich nichts für einen ähnlich durchschlagenden Erfolg - was sich zu Beginn der Saison bestätigte. In den ersten acht Partien standen Howard und Asik gemeinsam in der Starting Five. Ein Experiment, das nach einer ernüchternden Bilanz von 5-3 prompt beendet wurde, weil die Verantwortlichen ihre Titel-Ambitionen bedroht sahen. Seitdem ist Asik zum Reservisten herabgestuft, was diesen offenbar so ärgert, dass sich Houston zum Trade gezwungen sieht.

Für Asik darf Terrence Jones neben Howard in der Ersten Fünf auflaufen: Ein solider, nicht mit Übertalent gesegneter Power Forward, der mit seinen Allround-Fähigkeiten und dem guten Dreier (40,6 Prozent) aber wesentlich besser mit Howard harmoniert als Asik. Houstons Bilanz seit der Umstellung: 10-4.

"Howard und Asik sind sich einfach zu ähnlich, vor allem offensiv. Beide sind nicht besonders spielstark oder raffiniert, sie verfügen nicht über die entsprechend ausgefeilten Post Moves, um sich selbst Würfe zu kreieren. Sie punkten eigentlich nur direkt am Korb, wenn Mitspieler ihnen Freiräume gewähren und sie so anpassen, dass sie ihre Power nutzen können. Wenn sie zusammen eingesetzt werden, treten sie sich gegenseitig die Füße platt und engen sich in der Zone ein. Daher ist Jones prädestiniert als Howard-Partner. Mit seinem guten Wurf kann er von außen agieren und so Howard Platz schaffen", sagt Bauermann.

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Aus dem gleichen Grund kam es bei Asiks vorheriger Station in Chicago nur äußerst selten vor, dass er mit Center-Kollege Joakim Noah gemeinsam aufgestellt wurde. In Asiks letzter Saison bei den Bulls 2011/12 spielte er nur eine Minute (!) mit Noah zusammen.

Die größte Problematik mit Asik bleibt das Spacing. So wertvoll er defensiv mit seiner unermüdlichen Reboundarbeit ist: Offensiv fehlen ihm teils fundamentale Fähigkeiten. Sein nicht existenter Wurf zwingt ihn regelrecht dazu, in der Zone zu verharren und auf Pässe oder Offensiv-Rebounds zu spekulieren, weil er sonst nicht zum Scoren kommt. Und seine Spielübersicht ist nicht so ausgeprägt, als ob er kraft seines Basketball-IQs Howard anderweitig behelfen könnte.

Das Offensivverhalten von Howard und Asik
Schnellangriff über Jeremy Lin. Dwight Howard und Ömer Asik (nicht im Bild) sind bereits vorne, auch James Harden steht frei
© nba
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Schnellangriff über Jeremy Lin. Dwight Howard und Ömer Asik (nicht im Bild) sind bereits vorne, auch James Harden steht frei
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Harden erhält von Lin den Ball und zieht zum Korb, wo bereits Howard und Asik stehen. Der Guard scheut aus Angst vor dem Block den Korbleger und legt auf Asik ab
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Harden erhält von Lin den Ball und zieht zum Korb, wo bereits Howard und Asik stehen. Der Guard scheut aus Angst vor dem Block den Korbleger und legt auf Asik ab
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Asik kann den Ball nicht kontrollieren und verliert im Getümmel den Ball
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Asik kann den Ball nicht kontrollieren und verliert im Getümmel den Ball
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Howard nimmt den Ball auf, hat aber neben Derrick Favors auch Asiks Gegenspieler Rudy Gobert um sich herum
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Howard nimmt den Ball auf, hat aber neben Derrick Favors auch Asiks Gegenspieler Rudy Gobert um sich herum
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Howard geht im Getümmel trotzdem zum Korbleger hoch und wird von Gobert abgeräumt
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Howard geht im Getümmel trotzdem zum Korbleger hoch und wird von Gobert abgeräumt
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Ein ernüchterndes Fazit, was in der Retrospektive eine Frage aufwirft: Hätte das Twin-Tower-Experiment gelingen können, wenn Howard ein kompletterer Center an die Seite gestellt worden wäre? Ein Olajuwon oder ein Sampson, die auch in der Gegenwart zu den technisch besten Big Men zählen würden?

Bauermann ist skeptisch - und das aus zweierlei Gründen. "Zum einen dürfen wir nie vergessen, dass sich der Basketball in den letzten 25 Jahren fundamental verändert hat. Vom taktischen, von den Regeln her. In der NBA gilt mittlerweile das aus Europa importierte 4-1-Paradigma: 4 Außenspieler, 1 Innenspieler. Das Spiel ist insgesamt schneller und athletischer geworden und legt mehr Wert auf den Perimeter, so dass ich nicht weiß, ob selbst ein Duo Olajuwon/Sampson heutzutage so dominieren könnte", sagt Bauermann.

"Zum anderen frage ich mich, ob Howard von der Persönlichkeitsstruktur grundsätzlich einen weiteren Superstar neben sich akzeptieren würde. Theoretisch hätte Olajuwon mit seinem Offensiv-Arsenal den kraftvollen Howard perfekt ergänzen können. Aber ist es realistisch, dass Howard einem Nebenmann, der noch die gleiche Position spielt, freiwillig Würfe und etwas vom Glanz abgibt? Nach den Erfahrungen der Vergangenheit bezweifele ich das."

Teil I: Howard & Asik: Offensiv ein Desaster

Teil II: Howard & Asik: Defensiv mit Licht und Schatten

Teil III: James Harden: Der beste Shooting Guard der Welt?

Teil IV: Beverley & Lin: Das perfekte Job-Sharing

Aufgezeichnet von Haruka Gruber

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Haruka Gruber(Chefredakteur)

Haruka Gruber, Jahrgang 1980, ist als Content Director des Mutterkonzerns PERFORM Deutschland verantwortlich für die redaktionellen Inhalte bei SPOX.com. Geboren und aufgewachsen in Tokio, Umzug als Achtjähriger mit der Familie in die Nähe von Frankfurt. Nach dem Abschluss des Politikwissenschafts-Studiums in Mainz und Stationen in Köln und Hamburg folgte 2006 der Umzug nach München zu Sport1.de. 2007 der Wechsel zum neugegründeten SPOX.com. Kernressorts: Fußball, Basketball und Boxen.

Philipp Dornhegge(Verantwortlicher Redakteur NBA.de)

Philipp Dornhegge, Jahrgang 1981, kehrte im Dezember 2012 nach knapp einjährigem Zwischenstopp bei SKY zurück zu SPOX und PERFORM Deutschland, um dort seine aktuelle Aufgabe als verantwortlicher Redakteur für NBA.de anzugehen. Geboren und aufgewachsen im Münsterland, hatte er die Heimat nur für zwei Semester in Vancouver verlassen, bevor er 2008 nach München zog. Studierter Anglist, aktiver Basketballer seit 1992.

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