Suche...

More than a Dream

Von Ole Frerks
Dienstag, 20.08.2013 | 14:55 Uhr
Hakeem Olajuwon steht mit einem Playoffs-Karriereschnitt von 25,9 Punkten auf Platz sechs
© getty
Advertisement
NBA
76ers @ Timberwolves
NBA
Thunder @ Pacers
NBA
Lakers @ Cavaliers
NBA
Spurs @ Rockets
NBA
Jazz @ Cavaliers
NBA
Kings @ Raptors
NBA
Warriors @ Lakers
NBA
Cavaliers @ Bucks
NBA
Lakers @ Rockets
NBA
Celtics @ Knicks
NBA
Lakers @ Warriors
NBA
Mavericks @ Hawks
NBA
76ers @ Knicks
NBA
Cavaliers @ Warriors
NBA
Wizards @ Celtics

In den kommenden Wochen stellt SPOX einige Legenden der NBA-Geschichte genauer vor. Den Anfang macht: Hakeem Olajuwon. Ein Blick zurück auf die einzigartige Geschichte des Mannes, den sie "The Dream" nannten, und die Erklärung, warum er auch heute noch die größte Hoffnung der Houston Rockets ist.

Der 1984er Jahrgang der NBA-Draft gilt als der wohl beste aller Zeiten. Charles Barkley, John Stockton und natürlich Michael Jordan begannen ihre Karrieren in diesem Jahr.

Als großer Preis galt trotzdem ein Center aus Nigeria, der erst mit 15 angefangen hatte, Basketball zu spielen. Und bis heute beschwert sich niemand darüber, dass die Houston Rockets mit dem ersten Pick Akeem (damals noch ohne H) Olajuwon zogen, obwohl auch der beste Basketballer aller Zeiten zu haben gewesen wäre.

Olajuwon muss also eine sehr beeindruckende Karriere gehabt haben. Und wirklich: zwei NBA-Titel, zwei Finals-MVPs, MVP der regulären Saison, zweimal Defensive Player of the Year, zwölfmal All-NBA-Team. Das sind auch nur die wichtigsten Auszeichnungen - Olajuwons Briefkopf füllt heute eine ganze DIN-A-4-Seite. Noch faszinierender war jedoch der Weg, der ihn in die NBA brachte.

Deus ex machina

Als junger Mann interessierte sich Akeem nämlich nicht für Basketball, sondern vor allem für den nigerianischen Volkssport Fußball sowie Hockey und Handball. Bei diesen Sportarten entwickelte er die Fußarbeit, die ihn später legendär machen sollte. Mit 15 Jahren - mittlerweile war er schon zwei Meter groß - überredete ihn ein Basketball-Trainer, es doch mal mit dem orangenen Leder zu versuchen, nachdem er ihn zufällig beim Handball gesehen hatte - und die Dinge kamen ins Rollen. Ein Deus ex machina der besonderen Sorte.

Olajuwon nahm den neuen Sport ganz natürlich auf und konnte sich trotz immer weiteren Wachstums die großartige Fußarbeit bewahren. Zudem zeigte er den nötigen Ehrgeiz, um die Konkurrenz zu deklassieren und beständig an sich arbeiten zu wollen. So kam es, dass er einen Wechsel in die USA anstrebte, um am College an seinem Spiel zu feilen. Er erhielt ein Stipendium an der Houston University und führte sie gemeinsam mit Clyde Drexler in jedem seiner drei College-Jahre ins Final Four der NCAA.

Bis zu seinem Wechsel ans College gab es mehrere Möglichkeiten, wie Olajuwons Karriere hätte verhindert werden können. Was wäre passiert, wenn nicht zufällig ein Basketballer den Handballspieler Akeem gesehen und sich gedacht hätte: "Der Junge sollte mal Basketball ausprobieren"? Wenn dieser dazu schlicht und einfach keine Lust gehabt hätte? Oder wenn sich sein Talent nicht an den stetig wachsenden Körper angepasst, er also seine Fußarbeit verloren hätte?

Lehrling von Moses

Auch bei der Collegewahl bewies Olajuwon ein fast schon unverschämt glückliches Händchen. In Houston spielte zu dieser Zeit nämlich ein gewisser Moses Malone bei den Rockets, seinerseits einer der besten Center aller Zeiten. Nachdem dieser Olajuwon in einer öffentlichen Sporthalle kennengelernt hatte, nahm er ihn unter seine Fittiche - etwas Besseres kann einem jungen Center nicht passieren.

Im Jahr 1984 folgte dann der Wechsel in die NBA. Mit seinem unendlich vielseitigen Spiel füllte Olajuwon von Beginn an die Statistikbögen an beiden Enden des Feldes und wurde bereits in seinem ersten Jahr All Star. Gemeinsam mit dem ein Jahr zuvor geholten Ralph Sampson (2,21 m) bildete Olajuwon (2,13 m) die erste Kombination von Teammates seit Wilt Chamberlain und Elgin Baylor, in der beide Spieler mehr als 20 Punkte und zehn Rebounds auflegten.

Schon in ihrer zweiten gemeinsamen Saison führten die "Twin Towers" Houston in die NBA Finals. Im Westen warfen sie unter anderem die "Show Time"-Lakers raus, eine absolute Sensation zu diesem Zeitpunkt. Olajuwon legte in den letzten drei Spielen im Durchschnitt 35 Punkte gegen den alternden Kareem Abdul-Jabbar auf. Lakers-Ikone Magic Johnson adelte den jungen Center danach: "Wenn es um rohe athletische Fähigkeiten geht, ist Akeem der beste, den ich je gesehen habe."

Mitch Kupchak beschrieb Olajuwon noch besser: "Ich kann ihn vielleicht mit Alvin Robertson vergleichen, in der Hinsicht, dass er auf dem Feld alles kann. Das sagt einiges, denn Robertson ist ein Guard. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so stark, so schnell und so unermüdlich, und dabei dann auch noch 2,13 m groß ist." Im Finale waren die Celtics um Larry Bird eine Nummer zu groß, trotzdem schienen die Rockets das Team der Stunde zu sein.

Die Schattenjahre

Der Stern der "Twin Towers" sank jedoch ebenso schnell, wie er aufgegangen war. Das lag nicht an Olajuwon. Im Gegenteil: 1986/87 führte er sein Team in unfassbaren 13 Kategorien an, darunter Punkte, Rebounds, Steals und Blocks. Ralph Sampson hingegen hatte ab dieser Saison immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen und kam nie wieder an die Leistungen seiner frühen Karriere heran. In der Folgesaison wurde er nach Golden State getradet.

Olajuwon war fortan auf sich allein gestellt. Zwischen 1987 und 1995 spielte er mit genau einem anderen All Star zusammen (Otis Thorpe) und begann mit der Zeit, sich über die Situation und seine Teammates in Houston zu beschweren. Er legte zwar weiterhin Fabelstatistiken auf, konnte sein Team aber nicht über die erste Playoffrunde hinaus führen. Aus Frust legte er sich immer wieder mit Gegnern und Schiedsrichtern an und geriet in mehrere Kämpfe auf dem Feld.

Im Jahr 1991 machten bereits Trade-Gerüchte um Olajuwon die Runde. Im selben Jahr vollzog sich bei ihm jedoch ein Wandel, der durch den Namenswechsel von Akeem zu Hakeem versinnbildlicht wurde: Er widmete sich wieder stärker seiner Religion, fastete von da an in jeder Saison während des Ramadan und fand scheinbar einen Weg, seinen Frust durch sein Spiel zu bewältigen. Mehr innere Ruhe war das Resultat. Während der Saison 91/92 kam in Rudy Tomjanovich ein neuer Trainer, die Playoffs wurden trotzdem zum ersten Mal in der Olajuwon-Ära verpasst. Doch von da an ging es bergauf.

Das neue Alphatier

In der 92er Draft kam Robert Horry ins Team, ein Jahr später folgten Sam Cassell und Mario Elie. Olajuwon hatte zum perfekten Zeitpunkt endlich wieder ein gutes Team. Vor der Saison 93/94 erklärte Michael Jordan seinen ersten Rücktritt vom Basketball. Das Alphatier der Liga war nach drei Titeln in Folge müde geworden und suchte beim Baseball eine neue Herausforderung. Auftritt: Hakeem Olajuwon!

Mit einem Team, das um ihn aufgebaut war und ihm durch gute Schützen Platz in der Mitte verschaffte, marschierte Olajuwon schnurstracks in die NBA Finals. Während der regulären Saison räumte er den MVP-Award ab und wurde Defensive Player of the Year. Im Finale sicherte sich Houston nach sieben umkämpften Spielen den Titel gegen die Knicks um deren Star Patrick Ewing. Damit war der erste große Center-Rivale geschlagen. Zwei weitere sollten wenig später folgen.

Nach dem ersten Titel gab es im Rockets-Kader einen signifikanten Personalwechsel. Otis Thorpe wurde während der Saison für Olajuwons alten Kommilitonen Clyde Drexler abgegeben. In der regulären Saison tat sich der Meister dennoch schwer, es reichte für Houston nur zum sechsten Platz im Westen. Heimvorteil hatten die Rockets in den Playoffs also nicht, das war aber offensichtlich kein Problem.

Die ultimative Dominanz

Zunächst wurden die Jazz und die Suns knapp geschlagen. Was dann folgte, waren zwei der einseitigsten Star-Duelle in der Geschichte der Liga. Vor den Conference Finals erhielt Spurs-Center David Robinson den MVP-Award für die Regular Season. Eine Wahl, die Olajuwon offenbar einen Motivationsschub verpasste und die er während der Serie ad absurdum führte.

Er dominierte den Gegner nach Belieben, erstickte ihn mit seiner Defense und spielte ihm mit seinen "Dream Shakes" Knoten in die Beine. Ein Youtube-Video mit dem treffenden Titel "Olajuwon Dominates Robinson" zeigt das Duell der beiden in seiner ganzen Einseitigkeit. Robinson gab später zu, dass ihm schlicht und einfach keine Lösung für das Problem Hakeem einfallen wollte. Die Expertenwelt war sich einig: Selten hat es eine bessere Performance in einer Playoffserie gegeben.

Dem nächsten Gegner ging es ganz ähnlich wie Robinson. "Er hat ungefähr fünf Moves, die er jeweils mit vier Moves kontern kann. Das sind insgesamt 20." Diese Worte stammen vom jungen Shaquille O'Neal, der soeben mehrere Lehrstunden von Olajuwon erhielt und mit seinen Orlando Magic in den Finals gesweept wurde. "The Dream" hatte soeben seinen zweiten Finals-MVP-Titel geholt und den drei größten Rivalen innerhalb von nicht einmal 13 Monaten deutlich gezeigt, wer auf der Center-Position die Hosen anhat.

In die Finals kamen die Rockets später nicht mehr. 97 reichte es nochmal für die Conference Finals, dort scheiterten sie allerdings am ewigen Utah-Duo Karl "Pick" Malone und John "Roll" Stockton. Olajuwon wurde 2001 - nach 20 Jahren Basketball in Houston - nach Toronto getradet, wo er nach einer Saison seine Karriere beendete. Er trat ab als der Spieler mit den meisten Blocks der NBA-Geschichte.

Die Hoffnung der Rockets

Und bis heute kommt der Name Hakeem Olajuwon in NBA-Kreisen häufig vor. Etliche aktuelle Stars bezahlten ihn in den letzten Jahren dafür, ihnen Schulungen in Sachen Fußarbeit und Post-Moves zu geben. Kobe Bryant suchte ihn auf, um sein Spiel auch im steigenden Alter effektiv zu halten und weniger von seiner Schnelligkeit abhängig zu machen. LeBron James ließ sich von Olajuwon dabei helfen, mit dem Spiel am Zonenrand seine letzte große Schwäche zu beheben.

Seit einigen Jahren gehört auch Dwight Howard zu den Lehrlingen des Traumes. D12 kam als völlig roher Spieler direkt von der Highschool in die Liga und regelte zunächst alles mit seiner unbändigen Kraft und Athletik. Diese können einen Spieler jedoch nicht bis zum Ende tragen. Es war also nur logisch, früher oder später den Großmeister der Post-Moves persönlich aufzusuchen.

Da Howard jetzt in Olajuwons Wohnort Houston spielt, werden die beiden ihre Arbeit noch intensivieren. Fortschritte sind bitter nötig, wenn es mit der neuen Mannschaft zum langersehnten dritten Titel der Franchise reichen soll. Die anderen beiden holten die Rockets, als Hakeem Olajuwon zwei Jahre lang der beste Spieler der Liga war. Man stelle sich nur vor, "The Dream" wäre beim Handball geblieben.

Alle NBA-Spieler von A bis Z

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung