Schlüsseljahr für Chandler Parsons

Difference-Maker unter Druck

Von David Digili
Dienstag, 10.12.2013 | 15:30 Uhr
Sportlich und als Howard-Vertrauter wichtig für die Houston Rockets: Chandler Parsons
© getty
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Heimlich, still und leise hat sich Chandler Parsons zu einem der besten Allrounder der Liga entwickelt. Der Small Forward ist für seine Houston Rockets Mädchen für alles und Geheimwaffe zugleich, hat höchste Erwartungen an sich selbst - und muss in dieser Saison einige Hürden überwinden.

"Es war der Wahnsinn", stöhnte Chandler Parsons Ende vergangener Woche. Gerade hatte der Forward seinen Rockets in zwei Partien in Folge nur zusehen können - der Rücken machte dem 25-Jährigen zu schaffen. "Das Team hatte einen Akupunkteur eingeflogen, und ich lag da plötzlich mit 20 Nadeln im Rücken, alle fünf Zentimeter tief - aber es hat kurzzeitig tatsächlich geholfen."

8 Punkte, 4 Rebounds, 5 Assists beim 105:83 gegen Golden State, 18 Zähler, 4 Boards und 4 Vorlagen zum 98:88 gegen Orlando standen für Parsons auf dem Stat Sheet in den ersten Spielen nach der bestechend guten Behandlung. Gute Zahlen eigentlich. Für den Rockets-Allrounder aber können sie nicht gut genug sein. Denn Parsons hatte sich vor der Saison hohe Ziele gesteckt.

Die Frage war: Wie kann ein Jahr mit 15,5 Punkten, 5,3 Rebounds und 3,5 Assists pro Spiel noch gesteigert werden? In der Vorbereitung im Sommer fand Parsons darauf nicht nur eine Antwort - sondern gleich sechs:

"Sei der beste Verteidiger im Team."

"Verteidige den besten Spieler des Gegners."

"Geh bei jeder Partie mit gutem Beispiel in der Defense voran."

"Stell sicher, dass jeder immer an der richtigen Stelle ist."

"Sorg vor jedem Spiel dafür, dass jeder die Grundlagen und Eigenheiten des Gegners kennt."

"Sei der Eine, der für die anderen in der Verteidigung mit aufpasst und sie anleitet."

"Habe die Defense vernachlässigt"

Ehrgeizige Vorsätze für den Swingman der Texaner - nach einer Coming-Out-Spielzeit, die ihn unter den besseren Small Forwards der Liga etabliert hatte. Zweitbester Scorer in einem Team mit James Harden und Jeremy Lin, dazu unter den Top 20 bei den getroffenen Dreiern (152), mit einer beachtlichen Quote von 38,5 Prozent.

"In der letzten Saison habe ich mich fast ausschließlich um die Offense gekümmert, um Pick'n'Rolls und darum, wie oft ich auch mal den Ball bekommen habe", erklärt Parsons immer wieder, zeigt Verantwortungsbewusstsein, aber auch eine hohe Erwartungshaltung an sich selbst. "Ich glaube, dass ich die Verteidigung ziemlich vernachlässigt habe. Aber mittlerweile bin ich reif genug zu wissen, dass ich an beiden Enden des Courts meine Leistung mit demselben Einsatz bringen muss."

Ironischerweise war der Einfluss des 2,06-Meter-Mannes auf die Defense der Texaner besonders in seiner Rookie-Saison 2011 deutlich zu spüren: Stand Parsons auf dem Parkett, ließen die Rockets 101,5 gegnerische Punkte zu. Saß er auf der Bank, so waren es 103. Ähnlich verhielt es sich bei der Quote aus dem Feld (45,1 Prozent zu 46,2 Prozent) oder auch bei den Rebounds (42,4 zu 45,4).

Werte, die im vergangenen Jahr jedoch aus den Statistiken verschwanden. Gerade auch nach der Ankunft von Dwight Howard hat Parsons nun einen erstklassigen Verteidiger neben sich, der ihn zusätzlich stärken soll.

Parsons fliegt unter dem Radar

Dass sich Howard überhaupt für die Rockets entschied, daran hatte Parsons großen Anteil: "Ich habe ihm jeden Tag vom Team, vom Coaching Staff, von der Stadt erzählt", erläutert er. "Ich habe ihm immer wieder gesagt, dass ich mir sicher bin, dass wir uns mit ihm sofort verbessern würden."

Die Überzeugungsarbeit zahlte sich aus. "Er ist einer der Hauptgründe, warum ich hier bin", führte Howard schon vor Saisonbeginn aus. Ohnehin wird Parsons' Rolle für das Team von Coach Kevin McHale noch immer unterschätzt.

Im Offensivwirbel der Rockets kann er ähnlich aggressiv zum Korb ziehen wie Go-to-Guy Harden oder mit seiner Treffsicherheit von außen unterstützen - und so zwangsläufig Räume für seinen neuen Center-Kollegen Howard unter dem Korb schaffen.

Schwacher Start von außen

Gerade die Quote von der Dreierlinie aber bereitete ihm zu Saisonbeginn 2013/14 noch ungeahnte Probleme, nach den ersten neun Spielen stand Parsons bei für ihn desaströsen acht Treffern - bei 36 Versuchen. "Das ist sehr ungewöhnlich, er hat seinen Rhythmus noch überhaupt nicht gefunden", bilanzierte TV-Kommentator Mike Breen früh in der Spielzeit.

Auch defensiv und im Spielaufbau wirkt Parsons vereinzelt übermotiviert, auch unkonzentriert - und weiß es selbst am besten: "Hin und wieder bin ich noch zu sorglos mit dem Ball", gibt er zu. "Aber gerade mit Dwight an meiner Seite werde ich mir das schnell abgewöhnen können - und müssen. Er erwartet, dass wir alle in der Defense mitziehen." Dazu plagen ihn die Rückenprobleme schon länger.

Nach dem Katastrophenstart aber konnte sich der Scharfschütze bisher vor allem beim Wurf berappeln, scheint seinen Shooting Touch wiedergefunden zu haben: 27/52 hieß es seitdem bisher bei den Dreiern, darunter vier von fünf bei der knappen 120:123-Pleite gegen Dallas, zur 114:95-Demontage der Brooklyn Nets waren es sogar sechs von sechs von downtown.

Mehrere Karrierebestwerte für Parsons

Mittlerweile trifft Parsons 39,8 Prozent - neues Career-High, auch die 51,8 Prozent aus dem Feld sind so gut wie nie zuvor. Parsons soll für Entlastung sorgen, wenn es mal bei Harden und Howard nicht läuft, wie beim 109:106 bei den Knicks Mitte November, als er im zweiten Viertel gleich elf Punkte in Folge erzielte.

Seine größte Waffe: die Beidhändigkeit, die ihn schwerer ausrechenbar macht. Auch sein Passspiel hebt ihn von der Masse ab: "Meine Größe kommt mir sehr entgegen, auf meiner Position erlaubt sie mir so einen besseren Überblick, das bessere Auge für den Mitspieler." Die aktuell 4,0 Assists pro Spiel? Ebenfalls ein Career-High.

Dazu ist es Parsons, der immer wieder gegen die besten Spieler der Liga ran muss: Duelle mit LeBron James, Kevin Durant, Paul George oder Carmelo Anthony sind für Parsons an der Tagesordnung. "Ich weiß, dass ich jeden Abend bereit sein muss", sagt der Geforderte selbst. Daher sollte jetzt eigentlich der nächste Schritt folgen: "Ich kann gleichzeitig ein guter Verteidiger und ein effizienter Akteur in der Offensive sein. Ich bin vor allem ein defensiv eingestellter Spieler. Das hat man entweder, oder man hat es nicht."

Ein komplettes Spiel will er entwickeln, mit harter Arbeit. In der Saisonvorbereitung trainierte Parsons zusammen mit Washingtons John Wall und Timberwolves-Forward Kevin Love bei Skills-Guru Rob McClanaghan, feilte an seinen Fertigkeiten. "Das war der bisher härteste Sommer, den ich hatte", ächzte er danach. Druck, den er sich selbst auferlegt.

Talent früh erkannt

Nicht ohne Grund hat der Mann mit der 25 auf dem Trikot viele Fürsprecher: "Chandler bekommt viel zu wenig Anerkennung für die vielen kleinen Dinge, die er macht", schwärmt TV-Experte Steve Kerr. "Er kann einfach alles, hat immer wieder mal eine Hand im Passweg, er weiß genau, wo er stehen muss, spielt selbst hervorragende Vorlagen. Für das Spiel der Rockets ist er unglaublich wichtig."

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Dabei wäre Parsons fast bei den Boston Celtics gelandet - auch der damalige Coach Doc Rivers erkannte früh das Talent: "Schon, als ich ihn die ersten paar Male spielen sah, wusste ich: Mit dem Wurf und der Größe werde ich ihn früher oder später in der NBA sehen", erinnert sich der heutige Clippers-Trainer.

Parsons wuchs in Winter Park im sonnigen Florida auf, nur wenige Minuten von Nachbar Rivers entfernt. Auf der Winter Park Lake Howell High School stand er sogar mit Rivers-Sohn Jeremiah in einer Mannschaft. "Ich kenne Chandler seit der sechsten Klasse", sagt Rivers senior. "Es ist einfach toll, wie er sich entwickelt hat."

Beim Draft 2011 rechnete der Youngster von den Florida Gators fest mit den Celtics - doch die entschieden sich in der zweiten Runde für einen gewissen JaJuan Johnson, Parsons fiel ab bis auf Pick 38. "Ich war mir hundertprozentig sicher, dass ich in Boston spielen würde", sagt Parsons. "Mein Workout dort war mein absolut bestes der ganzen Vorbereitung." Da zeigt sie sich wieder, die Erwartungshaltung.

Bostons Fehler ist Houstons Glück

Im Nachhinein war die Fehlentscheidung der Neuengländer aber das Glück der Texaner aus Houston - von allen aktuellen Spielern der NBA ist es Parsons, der das mit Abstand beste Preis-Leistungs-Verhältnis hat: 926.500 US-Dollar überweist Houston seinem Starting-Small-Forward in dieser Saison, in der nächsten Saison ist es unwesentlich mehr, danach wartet die Restricted Free Agency auf das Schnäppchen.

"Ich möchte gar nicht daran denken, wo wir ohne Chandler wären", freut sich Rockets-Assistant-Coach Kelvin Sampson über die Entwicklung des Draft-Steals. "Mir ist schon früh in unseren Trainingssessions aufgefallen, dass ganz egal ob 2-on-2, 3-on-3 oder 5-on-5: Es war immer das Team mit Chandler, das am Ende vorne lag. Das muss etwas zu bedeuten haben."

"Noch lange nicht bei 100 Prozent"

Ganz heimlich, still und leise ist Parsons also zu einem Schlüsselspieler des Teams aus der Ölmetropole geworden. Ein vielseitiger Difference-Maker, bei dem es manchmal fast so scheint, als erwarte er von sich selbst Unmögliches und wäre nie wirklich mit sich zufrieden.

Das Potenzial zu höheren Weihen aber ist eindeutig vorhanden. Wann die Voraussetzungen in Form von hunderprozentiger Fitness dazu gegeben sein werden, das steht aktuell in den Sternen.

Die Akupunkturbehandlungen für den maladen Rücken wirkten bis jetzt nur begrenzt. "Bei 100 Prozent bin ich noch lange nicht," gibt er zu, leicht frustriert. "Mein Rücken macht mir noch immer große Probleme, ich tue aber alles dafür zu spielen."

Seine Rockets haben ohnehin keinen Zweifel daran, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein kann, bis dieser Chandler Parsons auch seine sechs Antworten auf die Frage "Wie kann eine Saison mit 15,5 Punkten, 5,3 Rebounds und 3,5 Assists pro Spiel noch gesteigert werden?" topfit umsetzt. Und sich selbst vielleicht ein wenig Druck von den Schultern nimmt.

Ergebnisse und Spielplan im Überblick

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