Per Laster über die Grenze

Von Martin Gödderz
Montag, 13.12.2010 | 16:25 Uhr
2003 gab Emil Jönsson aus Schweden sein Debüt im Sprint des FIS-Weltcups
© Getty
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Ein dusseliger Schwede muss über die deutsche Grenze geschmuggelt werden. Lena Neuner ist zurück und wieder ganz die Alte. Christoph Langen zieht den Zorn der Piloten auf sich - und auf Harrachov scheint ein Fluch zu lasten. Die Tops und Flops.

+ Lena is back!

Herzlich willkommen zurück im Weltcup-Zirkus, Magdalena Neuner! Letzte Woche musste die zweimalige Olympiasiegerin absagen, wohl bemerkt krankheitsbedingt. Das ist deshalb so beachtlich, weil Lena wieder so lief, als stünde sie vor dem erneuten Olympiasieg. Das Mädchen ist der Wahnsinn. Dementsprechend führte sie die Staffel mit nur einem Nachlader dann auch ganz souverän zum Sieg.

Ansonsten klappte es mit dem Schießen noch nicht ganz so gut, doch es wird ja gemunkelt, dass Lena sowieso hin und wieder Probleme am Schießstand hat. "Die Sieben ist anscheinend meine Zahl. Im Sprint hatte ich die Nummer 77 und bin Siebte geworden. In der Verfolgung bin ich mit sieben Fehlern wieder Siebte geworden", fasst Neuner ihr Wochenende nummerisch zusammen. Für alle, die es nicht fassen können: Ja, Platz sieben, trotz sieben Schießfehlern!

- Vom Schießen und anderen Malheurs

Neuners sieben Fehler beim Schießen sind noch gar nichts im Vergleich zu Teamkollegin Tina Bachmann. Die schoss am Wochenende so schlecht, dass einer ihrer Schüsse gar nicht gewertet wurde. Irgendwo in der verschneiten Landschaft von Hochfilzen wird wohl noch eine Patrone aus dem Gewehr von Bachmann liegen.

Vielleicht hat sie aber auch einfach eine italienische Athletin getroffen. Was den Italienerinnen nämlich in der Staffel passierte, war nicht so wirklich zu erklären. Nachdem Michaela Ponza und Katja Haller dran waren, ging Karin Oberhofer in die Runde und machte ihre Sache ordentlich: kein Schießfehler. Als sie aber auf Schlussläuferin Dorothea Wierer übergeben wollte, staunte sie nicht schlecht. Die war nämlich nicht aufzufinden. Etwas verwirrt dreinblickend kam sie dann doch irgendwann zum Wechselpunkt und ging für Italien in die Loipe. Am Ende reichte es zu Platz neun.

+ Emil Jönsson, der Grenzgänger

Es blieb bisher ganz ungeahnt, wie viel kriminelle Energie doch im schwedischen Langlauf-Team steckt. Weil Emil Jönsson nach seinem Sprint-Sieg in Düsseldorf merkte, dass er seinen Pass vergessen hatte, durfte er nicht mit der schwedischen Mannschaft in den Flieger steigen. Doch die Schweden entdeckten kurzfristig ihre kreative Ader, um ihren Top-Athleten doch noch irgendwie zum nächsten Weltcup in die Schweiz zu bringen.

Heimlich, still und leise wurde Jönsson per Laster über die Grenze nach Davos geschmuggelt. Der illegale Grenzgänger nahm es mit Humor. "Ich musste zwölf Stunden in einem Lkw sitzen. Ich verbarg mich in einem Bett hinter einem Vorhang. Das war lustig", sagte Jönsson nach der aufregenden Reise. In der Schweiz wartete Kollege Södergren mit dem Pass. Jönsson nahm die Odyssee ganz lässig und sprintete auch in Davos zum Sieg.

- Der Fluch von Harrachov

Beschaulich am Flüsschen Mummel liegt das 2000-Seelen-Dorf Harrachov in Tschechien am Rande des Riesengebirges. Eigentlich würde kein Mensch diesen Ort kennen, würde dort nicht alljährlich ein Skisprung-Wettkampf ausgetragen. Oder sagen wir es genauer: Würde dort nicht alljährlich ein Skisprung-Wettkampf abgesagt.

Starker Schneefall und Windböen verhinderten schon zum zweiten Mal hintereinander ein komplettes Skisprung-Wochenende. Die Region gilt zwar seit jeher als eine der windanfälligsten Europas, doch auf dem Örtchen Harrachov scheint ein ganz besonderer Fluch zu liegen. Und vielleicht nimmt der Skisprung-Tross im nächsten Jahr auch gar nicht mehr die mühevolle Reise dorthin auf sich.

+ Positive Böen im Biathlon

Eine Böe muss ja nicht immer schlecht sein. In diesem Falle ist sie für Norwegens Biathlon-Herren sehr gut. Tarjei Bö heißt deren neuer Star. Der 22-Jährige gewann in Hochfilzen gleich einmal Sprint sowie Verfolgung und macht die Wettkämpfe im Biathlon der Herren damit noch einseitiger. Als wären Emil Hegle Svendsen und Ole Einar Björndalen nicht schon genug, kommt jetzt auch noch der nächste norwegische Shootingstar.

Die norwegische Dominanz wurde in der Staffel brutal deutlich. Obwohl sich Alexander Os eine Strafrunde und drei Nachlader leistete, gewannen die Norweger ganz souverän mit fast einer Minute Vorsprung auf Österreich und dreieinhalb Minuten auf den Dritten aus Frankreich. Ist das jetzt beeindruckend oder langweilig?

- Anfängerfehler

Seit dem 1. Juli 2010 ist Christoph Langen der deutsche Bobtrainer. Und er scheint noch ein wenig Nachholbedarf in Sachen Coaching zu haben. Als sich sein Pilot Karl Angerer nämlich gerade über einen starken dritten Platz freute, musste er feststellen, dass er disqualifiziert wurde, weil sein Trainer einen falschen Anschieber angemeldet hatte.

Logischerweise fand Angerer das eher suboptimal und ließ seinem Ärger freien Lauf. "Das ist eine bodenlose Frechheit. Wir fahren hier eine Bombenzeit und werden dann disqualifiziert", so der 31-Jährige. Langen nahm den Anfängerfehler aber auf seine Kappe: "Das war mein Fehler. Für Karl tut es mir leid."

+ Traumlauf

Das nennt man wohl wahrlich einen Traum. Was Steve Missilier in seiner französischen Heimat im zweiten Durchgang des Slaloms so auf die Piste zauberte, war schon aller Ehren wert. Mit Rang 25 und einer Zeit von 53,24 Sekunden hatte er sich im ersten Durchgang so gerade für die nächste Runde qualifiziert, da startete er eine furiose Aufholjagd.

Seine Laufbestzeit von 52,02 im zweiten Durchgang: genial. Sein Vorsprung von fast acht Zehnteln auf den Zweitplatzierten: gigantisch. Am Ende sprang ein dritter Platz raus, so dass er sich in Val d'Isere vor seinen französischen Fans auf dem Podest feiern lassen konnte. Respekt.

- Den Mädels geht die Puste aus

Das Gegenteil von Missiliers Wahnsinnslauf erlebten die deutsche Mädels im Riesenslalom von St. Moritz. Nach dem ersten Lauf sah man die in dieser Saison fast schon gewohnte Situation: Doppel-Führung DSV. Viktoria Rebensburg und Kathrin Hölzl dominierten die Konkurrenz und freuten sich wohl ein bisschen zu sehr auf den Sieg.

Denn im zweiten Lauf brachen beide völlig ein. Rebensburg wurde Zehnte, Hölzl schied ganz aus und die alpinen Damen standen zum ersten Mal in diesem Winter ohne Podestplatz dabei. Rebensburg brachte es auf den Punkt: "Wir haben es verkackt." Oder hat es vielleicht jemand anders verkackt?

Der zweite Lauf war nämlich ausgerechnet vom deutschen Techniktrainer Christian Schweiger ausgeflaggt worden. Hat der ja super hinbekommen für seine Mädels...

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