Nicolas Kiefer im Interview

"Diese Schlacht gewinne ich"

Dienstag, 19.05.2015 | 10:52 Uhr
Olympisches Doppelfinale in Athen: Kiefer (l.) und Schüttler halten traurig ihre Medaillen in die Kameras
© getty
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Er war neben Tommy Haas der beste deutsche Spieler der vergangenen zwei Jahrzehnte - und sein größter Moment war gleichzeitig seine bitterste Niederlage. Im SPOX-Interview lässt Nicolas Kiefer (38) seine Karriere Revue passieren, erinnert sich an das Olympia-Finale, Highlights gegen Pete Sampras und Auseinandersetzungen mit den Medien. Außerdem: Was er Haas wünscht, warum er mit Maria Sharapova unterwegs war und warum Novak Djokovic derzeit nicht zu schlagen ist.

SPOX: Herr Kiefer, auf eine Sache müssen wir als allererstes eingehen: Das Olympia-Finale 2004. Wie oft denken Sie noch daran zurück?

Nicolas Kiefer: Immer wenn ich darauf angesprochen werde und wenn ich die Medaille sehe. Klar, man sagt: Man gewinnt Gold, man verliert Silber und man gewinnt Bronze - aber trotzdem war es mein größter Erfolg. Auch wenn wir Matchbälle hatten. Aber das ist so eine Sache. Ich habe Rainer Schüttler zuletzt beim Davis Cup in Frankfurt wieder gesehen, da haben wir nochmal drüber gesprochen. Das sind Momente, die man einfach nicht vergisst.

SPOX: Sie hatten vier Matchbälle. Gibt es einen Matchball, bei dem man sich denkt: OK, die anderen waren schwer, aber diesen einen hätten wir verwandeln müssen?

Kiefer: Im Nachhinein sagt man sich: Bei 6:2 im Tiebreak muss man einfach einen verwandeln. Aber andererseits muss man auch erstmal dahinkommen. Wir haben ja wirklich unglaublich gespielt, das ganze Turnier über. Wir haben die Inder Buphati/Paes geschlagen, wir haben die Australier geschlagen, wir haben die Israelis geschlagen. Das war schon eine fantastische Leistung von uns. Klar, am Ende des Tages haben wir es halt nicht geschafft - aber eine Silbermedaille ist eine Silbermedaille.

SPOX: Wenn man verliert, ist es im ersten Moment ein Tiefpunkt. Sucht man...

Kiefer: (unterbricht) Das Schöne und Traurige war: Wir konnten nicht so richtig feiern, aber andererseits mussten wir noch in derselben Nacht über Frankfurt nach New York fliegen, zu den US Open. Deshalb mussten wir das auch schnell verarbeiten und schnell verdrängen, weil es zwei Tage später in Flushing Meadows losging. Erst als wir dann nach den US Open nach Hause kamen, konnten wir das Ganze erst noch einmal Revue passieren lassen. Das waren schwere Wochen, aber trotzdem. Unterm Strich sage ich: größter Erfolg!

SPOX: Lassen Sie uns über die weiteren Highlights Ihrer Karriere sprechen. Was bei Ihnen auf dem Court von Beginn an ins Auge fiel, war der sehr prägnante Aufschlag mit dem enorm hohen Ballwurf. War das von Anfang an so?

Kiefer: Interessant, darauf hat mich noch nie jemand angesprochen. Der war von Anfang an so drin. Sicherlich gab es Phasen, in denen man korrigiert hat, der Aufschlag ist ja der Schlag schlechthin, den man selbst beeinflussen kann. Aber im Großen und Ganzen hatte ich in meiner gesamten Karriere nie große Probleme, ob der Ballwurf jetzt hoch war oder nicht. Wenn man das jetzt vergleicht mit Steffi Graf, wie hoch ihr Ballwurf war... da gab es ja schon einige Spieler, die relativ hoch geworfen haben.

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SPOX: Ein zweites Merkmal war immer die umgedrehte Baseball-Kappe.

Kiefer: Ja, genau. Das war einfach so, unbewusst. Es war einfacher für mich, so zu spielen. Aber wenn die Sonne geblendet hat, habe ich sie natürlich auch umgedreht.

SPOX: Überlegt man sich das auch als Wiedererkennungswert, oder ist das einfach so drin?

Kiefer: Das war Routine. Ich will jetzt nicht sagen wie morgens Zähneputzen, aber so wie eben auch das Schweißband rechts, Schweißband links. Das sind einfach ganz normale Abläufe, die sich so eingespielt hatten.

SPOX: 1997 ging Ihr Stern mit dem Viertelfinale von Wimbledon auf. Danach ist Wimbledon aber nie wirklich zum Lieblingsturnier geworden. Gab es ganz profane Gründe wie den Untergrund? Oder war das einfach Zufall?

Kiefer: Nein, von den Grand-Slam-Turnieren war es ja schon eines meiner besten. US Open Viertelfinale, Australien Open Viertelfinale, dann sogar Halbfinale. Klar, mit Wimbledon hat 1997 alles angefangen. Ich habe mein Abitur gemacht und dann direkt Viertelfinale gespielt. So war das erste Ausrufezeichen gesetzt, und dann muss man das natürlich bestätigen.

SPOX: Was nicht so einfach ist.

Kiefer: Richtig. Man kommt neu rein in das ganze Tennis-Geschäft, die Gegner kennen einen noch nicht. Und in den Monaten oder Jahren danach weiß jeder: Wie spielt mein Gegner, was macht er, kennt Stärken und Schwächen. Aber ich habe trotzdem immer ganz gut auf Rasen gespielt. Ich habe ja auch Halle gewonnen und dort im Finale oder Halbfinale gestanden. Wobei mein Lieblingsbelag eigentlich Hardcourt war. Der typische amerikanische Hartplatz.

SPOX: Sind Sie auf Hartcourt groß geworden? Meistens spielt man ja doch auf Sand.

Kiefer: Nein, früher gab es ja nur Teppichböden und Sandplätze. Teppich wird auf der Tour ja nie gespielt. Auf Sand war es so, dass ich immer ein bisschen länger gebraucht habe um reinzukommen. Aber ich will nicht sagen, dass es ein Belag war, den ich nicht mochte. Man musste sein Spiel eben ein bisschen umstellen.

SPOX: Dann gab es das ATP-Halbfinale 1999.

Kiefer: Das war natürlich ein absolutes Highlight. Es war das letzte Jahr der WM in Hannover. Diese einmalige Chance, die WM in der eigenen Heimatstadt zu haben, vor heimischem Publikum zu spielen, das war Gänsehaut pur.

SPOX: Das war der Platz, auf dem es keine Doppellinien gab?

Kiefer: Genau.

SPOX: Hat das irgendwie irritiert?

Kiefer: Der Vorteil war, dass ich meistens in Monte Carlo trainiert habe. Und dort im Country Club gibt es zwei Hartplätze, einen mit Doppellinien und einen ohne. Man musste sich in den ersten Tagen schon dran gewöhnen. Gerade heute hab ich wieder mit jemandem darüber gesprochen und gesagt: Mensch, schade, dass es das nicht mehr gibt. Weil es eben einzigartig ist.

SPOX: Sie haben sich in der Gruppenphase gegen Todd Martin, Thomas Enqvist und Yevgeni Kafelnikov durchgesetzt, im Halbfinale wartete dann Pete Sampras: Haben Sie persönlich gerne gegen Serve-and-Volley-Spezialisten gespielt? Oder lieber nicht, weil man so wenige Chancen bekam?

Kiefer: Gegen Sampras hatte ich in dem Fall eine Chance, einen Breakball. Da hat er mit dem zweiten Aufschlag ein Ass geschlagen. Da kann ich jetzt nicht groß sagen, dass ich Chancen hatte. Andererseits habe ich ihn in Halle auch einmal relativ klar in zwei Sätzen besiegt, was auch ein großer Erfolg für mich war. Weil es eben Pete Sampras war. Grundsätzlich waren das aber Spieler, die mir lagen und meinem Spiel entgegengekommen sind. Ein bisschen mehr Probleme hatte ich da mit unserem Freund Fabrice Santoro.

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SPOX: Oh ja, auf den musste man sich auch immer erst einstellen. Was Serve-and-Volley angeht: Sie haben ja den Übergang am eigenen Leib miterlebt. Als Sie anfingen, gab es noch Spezialisten für die jeweiligen Beläge. Heute dagegen: Man will nicht sagen Einheitsbrei, aber...

Kiefer: Ja, aber das stimmt wirklich. Das gibt es ja heute kaum noch. Seitdem damals die Bälle langsamer wurden. Und der Rasen ist auch ein bisschen langsamer mittlerweile, glaube ich. Das hat ein Federer früher richtig gut gemacht, der ist immer ans Netz gegangen und hat das Spiel so beherrscht. Und dann kam die Phase, in der alles so ein bisschen geändert wurde: Bälle, Belag, und so weiter, und daran hat er zu knabbern gehabt. Daraufhin hat er Stefan Edberg verpflichtet.

SPOX: Einen ehemaligen Serve-and-Volley-Spezialisten.

Kiefer: Und der hat ihm gesagt: Pass mal auf, Junge, du spielst so gut, du musst nach vorn gehen. Vorn wird das Spiel entschieden. Das ist das Erstaunliche, dass er das in seinem Alter noch umgesetzt hat. Deshalb ist er wieder dabei und hält sich oben.

SPOX: Würden Sie sich wünschen, dass die Beläge wieder auseinandergehen und man wieder unterschiedliche Stile auf der Tour sieht?

Kiefer: Naja, man kann das Serve-and-Volley-Spiel trotzdem umsetzen. Die Frage ist nur, wie man das trainiert. Das ist zum Beispiel eine Sache, an der wir hier an der Tennis Base in Hannover verstärkt arbeiten, gerade das Volley-Spiel. Man braucht natürlich eine Basis von der Grundlinie, aber trotzdem: Vorn wird das Spiel entschieden. Da legen wir sehr großen Wert drauf, gerade bei unseren Spitzenspielern und -spielerinnen, dass sie auch mal den Weg nach vorne suchen.

Seite 1: Kiefer über Olympia 2004, seine Markenzeichen und Wimbledon 1997

Seite 2: Kiefer über die Tennis Base Hannover, Maria Sharapova und Tommy Haas

Seite 3: Kiefer über Mental-Fights, Angstgegner und seine Fußballer-Karriere

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