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Fussball

Das Abwehrbollwerk steht

Von Stefan Rommel
Manuel Neuer und Mats Hummels waren die Garanten für den deutschen Erfolg
© getty

Die deutsche Nationalmannschaft hat das Halbfinale bei der Weltmeisterschaft 2014 erreicht. Im Viertelfinale von Rio de Janeiro besiegte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw Frankreich mit 1:0 (1:0) und trifft im Semifinale nun auf den Sieger der Partie Brasilien gegen Kolumbien.

Für Deutschland war es der dritte Sieg in Serie gegen die Franzosen bei einer WM - und gleichzeitig den vierten Einzug in ein WM-Halbfinale in Folge. Das war bisher keiner Nation bei einer WM-Endrunde gelungen.

Vor 74.240 Zuschauern im Maracana erzielte Mats Hummels (12.) das goldene deutsche Tor. Neben Torschütze Hummels konnte gegen eine starke Equipe Tricolor erneut Manuel Neuer überzeugen.

Halbfinale! Hummels köpft DFB-Team weiter

Bundestrainer hatte Löw hatte bei der Wahl seiner Startformation gleich für mehrere Überraschungen gesorgt: Per Mertsacker flog aus der Startelf, Jerome Boateng rückte in die Innenverteidigung und Philipp Lahm nun doch wieder rechts in die Viererkette. Sami Khedira rückte ins defensive Mittelfeld. Miroslav Klose begann als einzige Sturmspitze.

Die deutsche Mannschaft in der Einzelkritik.

Manuel Neuer: In seinem 50. Länderspiel zum ersten Mal nach 18 Minuten mit der Hand am Ball. Bis zur ersten glänzenden Parade nach 34 Minuten sehr auffällig bei einigen exakt getimten Flugbällen. Auch sicher bei Varanes Kopfball nach der Pause. Gar nicht so oft gefordert, strahlte aber eine positive Ruhe und Sicherheit aus. Bärenstark dann in der Schlusssekunde gegen Benzemas Schuss aufs kurze Eck. Note 2

Philipp Lahm: Nach den beinahe endlosen Diskussionen um seine ideale Position rückte der Kapitän wieder rechts in die Viererkette. Interpretierte seine Rolle wie erwartet offensiver als seine Vorgänger. Stand dann aber in der Defensive einige Male nicht optimal, gerade bei den hohen Diagonalbällen der Franzosen. Verlegte sich im zweiten Durchgang fast nur noch auf die Defensive und hatte da einen knifflige Szene, als er sich von Benzema zu leicht ausspielen ließ. Offensiv kaum noch zu sehen. Note 3

Jerome Boateng: Rückte überraschend für Mertesacker wieder in die Zentrale. Hatte wie Hummels auch einige Probleme bei den vielen langen Bällen der Franzosen, weil er das Tempo der einlaufenden Gegenspieler nicht rechtzeitig aufnehmen konnte. Ließ sich auch öfter aus der Kette locken, bis auf eine Szene in der zweiten Halbzeit aber dann auch mit Erfolg. Im Zweikampf jedoch bärenstark, gewann viele wichtige Duelle und leistete sich keinen Fehler. Note 2,5

Mats Hummels: Kehrte nach seiner Grippe zurück in die Innenverteidigung. Starke Grätsche bei Griezmanns Querpass auf Benzema, nur Minuten später energisch im Luftduell gegen Varane und mit dem frühen Führungstreffer. Blockte den Versuch von Benzema aus kurzer Distanz, verschätzte sich kurze Zeit später bei einer Flanke und blockte dann Benzemas Kopfball erneut. Mit einer überragenden Grätsche bei Benzemas Schuss. Einige Male mit einer guten, weil auch mal riskanten Spieleröffnung. Bester deutscher Feldspieler, nicht nur wegen des Tores. Note 1,5

Benedikt Höwedes: Blieb auf der linken Seite im Team - und blieb wie bei den bisherigen Spielen dabei auch vornehmlich in der Defensive. Nur selten in der gegnerischen Hälfte auffindbar, weshalb die linke deutsche Angriffsseite kaum existent war. Dafür in der Rückwärtsbewegung solide und ohne große Fehler. Note 3

Sami Khedira: Kreiste im rechten Halbraum um Schweinsteiger. Mit wenig Druck nach vorne, immer mal wieder einen Tick zu spät dran im Zweikampf. Hat nur zwei von zehn Zweikämpfen gewonnen. Eine Steigerung ist bei Khedira nur in Nuancen zu erkennen, wirkte Mitte der zweiten Halbzeit auch körperlich am Limit - und musste trotzdem durchspielen. Immer noch weit von seiner Normalform entfernt und eigentlich kein Starelf-Kandidat. Dass er sich trotzdem durchbeißt, ist bemerkenswert. Note 4

Bastian Schweinsteiger: Orientierte sich an seinen beiden Innenverteidigern und spielte eine Art Libero vor der Abwehr. Verließ das Zentrum fast nie - das sah unauffällig aus, hatte aber als zusätzliche Blockade für flache Zuspiele durchs Zentrum auf Benzema seine Berechtigung: Nach 45 Minuten hatte Frankreichs Torjäger lediglich acht Ballkontakte. Etwas langsam im Passspiel, hielt die Bälle ein paar Mal länger als nötig. Nach 70 Minuten schwanden wie bei Khedira merklich die Kräfte, Schweinsteiger musste aber durchhalten. Note 3,5

Thomas Müller: Hielt für seine Verhältnisse nahezu konsequent seine Position auf der rechten Außenbahn. Nicht so gut wie erhofft ins Spiel mit seinem Münchener Kollegen Lahm dahinter eingebunden. Den ersten Torschuss gab er erst in der 70. Minute ab. Wie schon gegen Algerien aber in der Schlussphase besonders auffällig, schien im Gegensatz zu vielen anderen körperlich voll auf der Höhe. Note 3

Toni Kroos: Bearbeitete den linken Halbraum im defensiven Mittelfeld und rückte ein paar Mal in die offensuive Zentrale vor. Ließ sich bei gegnerischem Ballbesitz immer wieder zurückfallen, um das defensive Mittelfeld zu einer Dreierkette aufzufüllen. Mit einem guten Freistoß vor dem 0:1, aber auch einigen ungenauen Pässen. Konnte dem deutschen Spiel nicht wie gewohnt jene Struktur verleihen, die es braucht. Note 3,5

Mesut Özil: Begann links im offensiven Mittelfeld und war dort nahezu kaum zu sehen. Nur vereinzelt mit ein paar gelungenen Einzelaktionen, hätte gegen den wackeligen Debuchy aber deutlich mehr ins Eins-gegen-Eins gehen sollen. Immer noch mit Mängeln im Passspiel, verlor zu viele Bälle. Wirkte auch zu wenig explosiv. Einzig gute Szene in der zweiten Halbzeit war die Vorarbeit vor Schürrles Chance. Ansonsten nicht sein Spiel. Nach 83 Minuten ausgewechselt. Note 4

Stimmen: "Diese WM ist jetzt schon ein Erfolg"

Miroslav Klose: Durfte zum ersten Mal bei der WM von Beginn an ran. Dass er nicht mehr den schnellsten Antritt hat, wurde ein paar Mal deutlich. Aber Klose hatte viele kleine, aber wichtige Aktionen: war als Defensivspieler stark, lief Lloris dauernd aggressiv an, war ein Ballverteiler auf der Zehn. Aber auch er kam nicht zum Abschluss, wurde nach 69 Minuten entkräftet ausgewechselt. Note 3,5

Andre Schürrle: Kam nach 69 Minuten für Klose. Guter Abschluss ein paar Minuten später, sorgte schnell für die dringend nötige Entlastung. Dann vergab er aber die hundertprozentige Chance, als er alleine vor Lloris am Keeper scheiterte und wenige Minuten später nach Müllers Vorarbeit ebenfalls nicht sauber genug abschloss. Note 3,5

Mario Götze: Kam sieben Minuten vor dem Ende für Özil. Hatte ein paar Dribblings, ansonsten mit Defensivaufgaben betraut. Keine Bewertung

Christoph Kramer: Kam in der Nachspielzeit für Kroos in die Partie. Ohne Ballkontakt. Keine Bewertung

Frankreich - Deutschland: Die Statistik zum Spiel

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