Montag, 12.01.2015

George Weah im Porträt

Mehr als nur ein Fußballer

Wenn am 12. Januar der Weltfußballer gekürt wird (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER), jährt sich die Wahl eines gewissen George Weah zum 19. Mal. SPOX blickt zurück auf die Karriere von Afrikas Fußballer des Jahrhunderts, die unter Arsene Wenger begann und in Mailand vollendet wurde. Bei Weah ging es immer um mehr als nur um den Sport: Er war - und ist - die Hoffnung einer ganzen Nation.

Zwei der besten Stürmer der 90er Jahre: Weah (l.) und Ronaldo, damals noch bei Inter
© getty
Zwei der besten Stürmer der 90er Jahre: Weah (l.) und Ronaldo, damals noch bei Inter

Es ist der 18. September 1996. Eine Ecke fliegt im Giuseppe Meazza an den langen Pfosten, über Freund und Feind hinweg. Dort wartet George Manneh Weah, mit 29 Jahren auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Er sprintet los, den Ball eng am Fuß.

Erst am Mittelkreis kann er von zwei Gegenspielern in kanariengelb gestellt werden. Er spielt sie aus, legt den Ball am nächsten Gegenspieler rechts vorbei, geht selbst links. Im Strafraum ein platzierter Abschluss mit dem Innenrist ins lange Eck - Tor. Für dieses Jahrhundert-Tor feiern die Milanisti ihren George Weah bis heute.

18 Jahre später hat Weah das Jersey mit dem Opel-Aufdruck gegen ein Hemd ausgetauscht, trägt randlose Brille, der Bart zeigt bereits graue Strähnen. Sein Stadion sind mittlerweile staubige Straßen zwischen Wellblechhütten. Aber Fans hat "King George" immer noch - und eine Mission.

Aus den Slums nach Europa

"Wenn sich meine Großmutter nicht um mich gekümmert hätte - ich weiß nicht, was aus mir geworden wäre", sagt Weah in einer Dokumentation von "CCTV Africa".

Seine Eltern lassen ihn als Kind in den Slums der liberianischen Hauptstadt Monrovia zurück: Dreck, Drogen, bittere Armut. Von klein auf spielt er Fußball, von morgens bis abends, barfuß natürlich, ungeachtet der Nägel und Glasscherben. Zuerst vor dem Haus als waschechter "Straßenfußballer", dann auf einem heruntergekommenen Sandplatz.

"Die Leute nannten mich faul, schwach", erinnert er sich. "Aber ich wollte meinen Kritikern beweisen, dass etwas aus mir werden kann." Mit 16 bekommt er ein Stipendium - und übt schon im Klassenzimmer das Autogrammeschreiben. Sein Talent ist nicht mehr zu übersehen: Weah verbindet die typisch afrikanische Athletik - schnell, körperlich stark - mit technischen Fähigkeiten. Stark im Dribbling, auch bei hohem Tempo, beidfüßig, dazu eiskalt im Abschluss. Über die Klubs in Liberia geht es nach Kamerun und 1988 zum AS Monaco.

Der Trainer des 21-Jährigen hat ein Händchen dafür, obskure Talente auszugraben und zum Weltstar zu machen: Es ist Arsene Wenger. Für ihn ist das Sturmtalent "der Schokoladenosterhase, den der kleine Junge an Ostern im Garten findet" - und er ist es, der aus dem 1,85-Meter großen Kraftpaket einen Weltklassestürmer formt.

Unaufhaltsamer Torjäger

47 Tore schießt er in 103 Spielen für Monaco, gewinnt den Pokal und erreicht das Finale im Europapokal der Pokalsieger. Für 6,5 Millionen Euro wechselt er zu Paris St.-Germain und gewinnt dort die Meisterschaft und zweimal den Pokal. Mit sieben Toren ist er 1994/1995 der Topscorer der Champions League, PSG stößt bis ins Halbfinale vor. Dabei gelingt ihm im Olympiastadion das Tor, das er später als schönstes seiner Karriere bezeichnet: 30 Meter vor dem Tor tritt der an, lässt gleich drei Bayernspieler stehen und jagt den Ball an Oliver Kahn vorbei in den Winkel.

Am ehesten verbindet man Weah jedoch mit dem legendären schwarz-rot-gestreiften Trikot des AC Mailand. Im Sommer 1995 streift er selbiges über, spielt in einer Reihe mit Legenden wie Paolo Maldini, Franco Baresi und Roberto Baggio. Mit dem Brasilianer Ronaldo ist er das Paradebeispiel eines neuen Stürmers, der nicht im Strafraum auf die Bälle wartet, sondern aus der Tiefe kommt, mit höchstem Tempo auf die Verteidiger zugeht. Unvergessen sein Tor gegen Hellas Verona: Im San Siro dribbelt er im eigenen Strafraum los, narrt sieben Gegenspieler und schließt perfekt ins lange Eck ab.

George Weah ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Er wird 1995 von "France Football" mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet, als erster und bis heute einziger Afrikaner. Auch die FIFA kürt ihm zum Spieler des Jahres. "Das war der beste Moment meiner Karriere, das war unvorstellbar", erzählt er. Für seine Landsleute ist er längst eine Legende, das Idol tausender, auf unwirtlichen Plätzen trainierender Kinder.

Doch abseits des Platzes ist seine Welt längst in den Grundfesten erschüttert.

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Stefan Petri

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Stefan Petri(Redaktion)

Stefan Petri, Jahrgang 1983, ist seit 2012 für SPOX.com tätig. Aufgewachsen in Hemsbach an der schönen Bergstraße, verschlug es ihn nach seinem Anglistik- und Geschichtsstudium in Heidelberg nach München. Festes Mitglied im NFL- und im NBA-Ressort, kümmert sich als Sports-Allrounder u.a. auch um Tennis, Baseball, Snooker, Wintersport, etc.

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