Michael Weiß im Interview

Das erste Jahr nach der SPOX-Aktion

Von Interview: Haruka Gruber
Dienstag, 10.01.2012 | 19:15 Uhr
Philippinens Nationaltrainer Michael Weiß im Kreise seiner Mannschaft um Stephan Schröck (2.v.l.)
© Getty
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Vor exakt zwölf Monaten wurde der Deutsche Michael Weiß Nationaltrainer der Philippinen, nachdem er auf die einzigartige Stellenanzeige des Verbands bei SPOX aufmerksam wurde und sich beworben hatte. Der Beginn eines unglaublichen Abenteuers. Der 46-jährige Weiß über historische Erfolge, Chaos und David Beckham.

SPOX: Michael Weiß, Sie bekamen vor exakt einem Jahr den Zuschlag als neuer Trainer der philippinischen Nationalmannschaft. Seitdem haben sich die Philippinen in der Weltrangliste um sechs Plätze von 153 auf 159 verschlechtert. Was sagt das über Ihre Arbeit aus?

Michael Weiß: Nur wenig. Leider werden in der Weltrangliste viele Faktoren nicht berücksichtigt, von daher ist es vor allem für die hinteren Plätze nur bedingt repräsentativ. 2011 haben wir mehrere historische Bestmarken aufgestellt: Wir sind erstmals in die zweite Runde der WM-Qualifikation und in die Hauptrunde des Challenge Cup, den Asienmeisterschaften für Fußball-Entwicklungsländer, eingezogen. Außerdem haben wir nach sechs Jahren mit der U 23 wieder ein Nachwuchs-Nationalteam auf die Beine gestellt. Zuvor gab es nur die A-Mannschaft - und sonst nichts. Diese Erfolge sagen mehr aus als die reine Weltranglisten-Position.

SPOX: In einer philippinischen Zeitung hieß es: '2011 geht in die Annalen ein als das Jahr, in der der philippinische Fußball wiederbelebt wurde.' Was ist 2012 möglich?

Weiß: Seit wir Nepal im September mit 4:0 weggeputzt haben, weiß ich, woran ich mich orientieren kann. Nepal lag zu dem Zeitpunkt 31 Weltranglisten-Plätze vor uns und war der große Favorit - aber wir konnten von Stephan Schröck abgesehen alle Europa-Profis einsetzen und überrollten den Gegner. Jetzt bin ich überzeugt, dass wir in der Gruppenphase des Challenge Cup gegen WM-Teilnehmer Nordkorea, Indien und Tadschikistan nicht chancenlos sind, vor allem wenn Schröck von Fürth die Spielberechtigung erhält.

SPOX: Schröck ist bereits der große Fußball-Star der Philippinen, obwohl er erst im Sommer eingebürgert wurde. War sein Traumtor im WM-Quali-Rückspiel gegen Kuwait auch für Sie das Highlight des Jahres, obwohl Ihre Mannschaft am Ende ausschied?

Weiß: Es gehört zu den intensivsten Momenten: Wir hatten das Hinspiel in Kuwait mit 0:3 verloren, aber dank Schröck gingen wir im Rückspiel 1:0 in Führung. Dann besaßen wir die riesige Chance zum 2:0, wenige Minuten später sah Kuwait die Rote Karte und unsere Fans flippten angesichts eines möglichen Wunders aus. Die Sensation war möglich, stattdessen drehte Kuwait die Partie in Unterzahl und wir verloren 1:2. Dennoch gehörte sie zu den Höhepunkten meines Lebens. Genauso das 4:0 in der Runde zuvor gegen Sri Lanka - der erste Sieg in einem WM-Quali-Spiel überhaupt für die Philippinen. Oder das 3:0 gegen Bangladesch, wodurch wir uns die Teilnahme am Challenge Cup sicherten.

SPOX: Warum zählen Sie das Freundschaftsspiel gegen den neuen US-Meister Los Angeles Galaxy mit David Beckham, Robbie Keane und Landon Donovan nicht auf? Von der medialen Präsenz die wohl wichtigste Fußball-Partie aller Zeiten.

Weiß: Vom Drumherum war es eine super Sache. Dennoch enttäuschte mich das Spiel, weil es genau aufzeigte, woran es der Nationalmannschaft noch mangelt. Wir lagen zur Pause lediglich 1:2 zurück, doch am Ende hieß es 1:6. Meine Spieler vergaßen vor lauter Begeisterung völlig die taktische Ordnung und schienen nur daran zu denken, nach dem Abpfiff ein Autogramm von Beckham zu besorgen. Es wurde verpasst, Werbung für den Fußball an sich zu machen.

SPOX: So streng?

Weiß: Die Nationalspieler sind anders als früher keine Amateure, stattdessen sollen sie auch von außen als echte Profis respektiert werden. Dafür müssen sie sich so verhalten. Deswegen habe ich zum Neujahr einen Brief an alle verschickt, in der ich die Verantwortung unseres Teams für die gesamte Nation hervorgehoben habe. Dieses Bewusstsein zu entwickeln gehört zu meinen wichtigsten Aufgaben.

Teil 2: "Einmal prügelten sich zwei Busfahrer"

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