Freitag, 13.06.2008

Das EM-Tagebuch von Stefan Rommel

Malta ist immer und überall

Ascona - Ein wenig Schlendern an der Promenade von Ascona kann so richtig entspannend sein. Lungo Lago heißt die Mini-Flaniermeile und hat neben einem echt knuffigen Namen auch allerhand kulinarische Köstlichkeiten zu bieten oder einfach auch nur Wassereis mit richtig viel Farbstoff, 15 Rappen das Stück.

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© Getty

Es fehlt also an nichts, Tretboote stehen zur Miete parat, in Ufernähe hat der Veranstalter eine kleine Betoninsel versenkt, auf der Kinder wie in einer jener peppigen Soccer-Arenen tüchtig bolzen können.

Zu hoch anvisierte Bälle fischt dann ein extra dafür beauftragter Knabe wieder aus dem Wasser. Es ist idyllisch und ruhig.

Stefan Rommel - Zum Lager der Nation

Mitten auf der Plaza aber macht ein Hauch von Hollywood aufmerksam. Der Walk of Fame ist anders als beim großen Vorbild in Los Angeles zwar recht überschaubar, der Grundgedanke aber erschließt sich einem sofort.

Wir hier sind der Gastgeber für die Deutschen, den dreifachen EM-Sieger, den Favoriten, die coolste und lässigste Mannschaft der Welt. Der Beweis ist in Ton getreten von den millionenschweren Füßen der deutschen Mannschaft, präsentiert mit Sternchen-Applikation und reichlich Gold oder wenigstens Bronze. (Beweisstück A)

23 Fußabdrücke hängen an der Wand so vor sich hin, darunter auch einige Blindgänger  - also von Spielern, die gar nicht mit dabei sind. Aufwändige SPOX-Recherchen haben das ergeben. Die Namen sind der Redaktion bekannt, werden aus Gründen der Pietät hier aber nicht veröffentlicht.

Natürlich sind auch Poldis Füße verewigt, die BILD-Zeitung hat sie ja neulich mal vermessen und dem Volk zum Auswendiglernen verraten. Abgefragt wird spätestens nach dem Finale. (Beweisstück B)

Nun, alles wenig spektakulär, mag der eine oder andere denken. Stimmt. Aber jetzt kommt's: Ganz rechts außen, mittlere Reihe, trollt sich ein Fußpaar, dass so hier gar nie hängen dürfte.

Poldi hat ja polnische Wurzeln, aber einen deutschen Pass. Mario Gomez hat einen spanischen Papa, aber halt auch einen deutschen Pass. Oliver Neuville, nun ja, der kommt ja quasi aus Ascona, hat aber einen deutschen Pass.

Oliver Bierhoff steht da. (Beweisstück C) Und wie jedes Kind weiß, ist Oliver Bierhoff ein, wenn nicht sogar DER typische Name eines handelsüblichen Maltesers. Oder heißt es Maltesen?

Malta! Nummer 134 der Weltrangliste. Einen Platz hinter Aserbaidschan mit dem deutschen Trainer Hans-Hubert Vogts und einen vor Madagaskar mit irgendeinem Trainer aus Madagaskar (Stand Mai 2008).

Die sind doch gar nicht dabei. Aufwendige SPOX-Recherchen haben das ergeben. Egal, die Abdrücke sehen aber in der Tat etwas rumpelig aus. Hatte Tante Käthe etwa doch Recht?

Und ob der Bierhoff auch noch einen deutschen Pass hat? Wir checken das, versprochen. Knallharte Recherche ist unser Ding.

Ciao und Grüezi wohl.

SPOX-Redakteur Stefan Rommel begleitet das deutsche Team während der Europameisterschaft und berichtet täglich aus dem Quartier in Ascona.


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