Samstag, 14.06.2008

Das EM-Tagebuch von Stefan Rommel

Gestochen scharf

Ascona - Nur ein gestochener Superstar ist ein guter Superstar. Oder so ähnlich.

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© Getty

Wo früher noch Popeye-Romantik mit Ankern und Herzchen oder zumindest dem Namen der Liebsten unter die Haut ging, dominieren heute Schriftzüge in abenteuerlichen Kryptiken und Sprachen.

Die Rede ist vom Tattoo. Sehr schick in diesen Zeiten, da ein Fußballspieler nicht mehr nur Fußball spielen soll, sondern in seiner komischen Welt zwischen Situps und Auftritten in Talkshows auch wie ein Popstar sein soll.

Stefan Rommel - Zum Lager der Nation

Früher waren Tattoos Rock'nRoll, etwas Aufmüpfiges und standen nur eben jenen Rock'nRollern zu oder Seemännern oder vielleicht noch englischen Sportjournalisten mit 40 Kilo Übergewicht.

Heute haben Ersatzspieler von Greuther Fürth ihr Geburtsdatum auf dem Arm, natürlich in römischen Ziffern verewigt. David Beckham gilt als die Ikone, er hat das Tattoo unter Fußballern salonfähig gemacht.

Becks kommt mittlerweile wie ein linguistisches Lexikon daher, hebräische, hinduistische und chinesische Schriftzeichen verschönern seine Haut.

"Tod und Leben haben festgelegte Bestimmungen. Reichtum und Ehre hängen vom Himmel ab", formuliert seine neueste Errungenschaft aus China. Ein echter Poet, der Becks.

Banaler und weitaus pragmatischer liebt es dagegen Marco Materazzi. Er beugt der im Alter beinahe unausweichlichen Demenz schon mal vor und hat sich das Datum seines größten Triumphs auf den Oberschenkel stechen lassen. Berlino, 09.07.2006.

Hauptbemalungsgebiet bleibt aber der Unterarm. Komisch eigentlich, gilt doch der Unterarm als Königsklasse unter den Tattoos, selbst erfahrene Künstler sehen es jedes Mal als große Ehre an, am Unterarm arbeiten zu dürfen, wie mir ein Kumpel bestätigt, der selbst einen kleinen Laden hat.

Als Könige der EURO habe ich bisher die Portugiesen ausgemacht. Die Bilder von Raul Meireles gefallen mir sehr gut, sein kompletter Arm ist vollgehackt. Ich vertrete da wie er die Devise "Mehr ist mehr".

Einzelne, kleine Tattoos, die sich an üppigen Oberarmen oder so verlieren, finde ich albern. Sieht immer aus, als hätte der Träger an einem seiner Knasttage nur mal Langeweile gehabt.

Deco steht auch auf das große Ganze, ebenso wie Ricardo Quaresma, der beide Arme fast voll hat. So etwas ist nur konsequent. Und die meisten Frauen stehen auch drauf.

Ciao und Grüezi wohl.

SPOX-Redakteur Stefan Rommel begleitet das deutsche Team während der Europameisterschaft und berichtet täglich aus dem Quartier in Ascona.


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