Samstag, 09.06.2012

Dänemarks Jakob Poulsen im Interview

"Eriksen kann den Unterschied machen"

In der Hammergruppe B bei der EM trifft Dänemark zum Auftakt auf Vizeweltmeister Niederlande (17.45 Uhr im LIVE-TICKER) und ist Gegner der deutschen Nationalmannschaft. Wie gut die als gefährlicher Außenseiter gehandelten Dänen wirklich sind, darüber sprach SPOX mit Mittelfeldspieler Jakob Poulsen. Der 28-Jährige über die harte Kritik von Stig Töfting, die Chancen gegen Deutschland und die anderen Favoriten und die Ohren von Trainer Morten Olsen.

Jakob Poulsen zählt mit 22 Länderspielen schon zu den erfahrensten Dänen
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Jakob Poulsen zählt mit 22 Länderspielen schon zu den erfahrensten Dänen

SPOX: Herr Poulsen, wo kommt eigentlich der Schlachtruf "Danish dynamite" her?

Poulsen: (schmunzelt) Der kommt wohl von den Fans und es muss 1986 gewesen sein in Mexiko, vielleicht auch 1984 in Frankreich, als man das zum ersten Mal gehört hat. Aber wie es genau dazu kam, gute Frage.

SPOX: Hängt es vielleicht mit der Mentalität zusammen, die Dänemark auszeichnet?

Poulsen: Es hängt bestimmt damit zusammen, dass wir als Mannschaft alle an einem Strang ziehen. Wir verfügen nicht über die großen Stars, aber geben dafür als Kollektiv alles auf dem Platz. Selbst, wenn es spielerisch nicht so gut läuft, haben wir zumindest vollen Einsatz gezeigt. Das ist unsere Mentalität.

SPOX: Trotz dieser Tugenden: Ihr Landsmann, der dänische Ex-Nationalspieler Stig Töfting, gab im Interview mit SPOX kürzlich die düstere Prognose ab, dass die EM für Dänemark dieses Jahr schon nach drei Spielen ohne Sieg beendet ist. Was sagen Sie dazu?

Jakob Poulsen: Naja, ich kann mir schon denken, wieso er das sagt. Es ist eine sehr schwere Gruppe, aber trotzdem glaube ich an unsere Chance. Wir haben ein gutes Team, wir sind fast alle topfit und ich denke, wir können weiterkommen. Aber klar, viele Leute meinen, dass wir nur drei Partien bestreiten, das wissen wir.

SPOX: Welches Ziel hat sich Ihr Team für die Euro gesteckt?

Poulsen: Natürlich wollen wir erst einmal die Gruppenphase überstehen. Das ist unser Hauptziel. Wenn wir das nicht wollten, sollten wir besser gleich zuhause bleiben. Und danach ist sowieso alles möglich, dann entscheidet die Tagesform - selbst Spanien erwischt mal einen schlechten Tag. Kurzum: Wir wissen, wie schwer es wird, wir können das realistisch einschätzen und auch damit umgehen, wenn wir letztlich das Turnier nicht gewinnen. (schmunzelt)

SPOX: Fürs Viertelfinale ist erst einmal Platz 2 in der Gruppe Voraussetzung.Welchen ihrer Gruppengegner schätzen Sie am stärksten ein?

Poulsen: Sowohl Deutschland, Holland als auch Portugal gehören vielleicht zu den fünf besten Teams überhaupt. Ich denke, dass sie mit Spanien, England und Frankreich zu den Titel-Favoriten zählen - wobei die Deutschen und Spanier meiner Meinung nach die besten Chancen haben.

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SPOX: Gerade die Vorbereitung des deutschen Teams verlief in den letzten Wochen eher durchwachsen. Ein möglicher Vorteil für Dänemark?

Poulsen: Ach, wissen Sie, die großen Teams in Europa sind immer auf den Punkt bereit, sobald das Turnier beginnt, das zeichnet sie aus. Nur darum geht es.

SPOX: Würden Sie sagen, dass auch Dänemark eine dieser sogenannten Turniermannschaften ist?

Poulsen: Absolut. Wir haben großes Vertrauen in unsere Fähigkeiten und spielen auch schon lange erfolgreich zusammen. Ich denke, wir werden viele Leute überraschen dieses Jahr.

SPOX: Wie 1992, als Dänemark als großer Underdog den Cup gewann?

Poulsen: (lacht) Schön wär's. Nein, im Ernst, es ist schon etwas schwieriger dieses Mal, alleine schon, weil es 16 Teams sind, damals waren es nur 8. Ich bin wirklich froh, wenn wir zuerst einmal die Gruppe überstehen.

SPOX: Wo genau liegen die Stärken Ihres Teams, was zeichnet Dänemark aus?

Poulsen: Wir funktionieren sehr gut im Kollektiv und spielen schon seit ungefähr vier Jahren in dieser Besetzung zusammen. Jeder kennt seine Rolle im Team und weiß, was er zu tun hat.

SPOX: Schätzen Sie Ihre Mannschaft besser ein als vor zwei Jahren bei der WM in Südafrika? Dort scheiterten Sie als Dritter in der Vorrunde an Holland und Japan.

Poulsen: Sehr viel besser. Wir hatten schon in Südafrika viele gute Spieler mit an Bord, aber einigen fehlte die Spielpraxis in ihren Vereinen, andere waren damals nicht richtig fit oder nicht in Form.

SPOX: Ihr Spielsystem haben Sie seitdem aber beibehalten?

Poulsen: Daran hat sich grundsätzlich nichts geändert, wie spielen ein 4-3-3.

SPOX: In einem Interview mit Ihrem Morten Olsen war zu lesen, dass die Art, wie die Holländer ihren Fußball interpretieren, ein Vorbild für Dänemark darstellt.

Poulsen: Naja, also wir spielen wie gesagt mit dem gleichen System. Außerdem hat Morten eine Vergangenheit als Spieler und Trainer bei Ajax Amsterdam. Aber ob er das wirklich als Vorbild sieht, das weiß ich nicht.

SPOX: Gibt es im Team gewisse Rituale, bevor eine Partie beginnt?

Poulsen: Wir stehen in der Kabine im Kreis zusammen und geben uns die Hände. Trainer Morten Olsen gibt uns die letzten Anweisungen, spricht ein paar Worte und dann gehen wir raus. Das ist es.

SPOX: Apropos Morten Olsen. Stimmt es eigentlich, dass, wenn die dänischen Spieler ihren Coach ärgern wollen, sie in der Kabine einfach nur zu flüstern brauchen?

Poulsen: (lacht) Dieses Gerücht stammt aus einer dänischen Talkshow. Die haben letztes Jahr einen Witz gemacht, weil er eine Hörschwäche hat.

SPOX: Sie müssen aber nicht schreien, um sich zu verständigen?

Poulsen: Nein, nein, er trägt ja ein Hörgerät. Das war wirklich nur ein Witz dieser Fernsehsendung. Der Trainer hört alles.

SPOX: Was für Mensch ist er? Welche Charaktereigenschaften zeichnen ihn aus?

Poulsen: Er weiß ganz genau, was er will und ist sehr zielfokussiert. Er spricht mit dem jedem Einzelnen von uns, hat jederzeit einen Plan und möchte, dass wir diesen auf den Punkt umsetzen - sonst kann es auch mal ungemütlich werden.

Die offiziellen Spielbälle der EM
Da ist das gute Stück, das die Hauptrolle bei der EM 2012 spielen wird: Der offizielle Turnierball, der Tango 12
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Der Tango 12 in Nahaufnahme. Fast wie Schlangenleder
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Der EM-Ball Tango 12 wird zum Leben erweckt. Mit dabei: Spaniens Weltmeistertrainer Vicente del Bosque (2.v.l.)
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Und noch mal vor dem Olympiastadion in Warschau
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Farbig, schlicht, schön und vor allem - rund!
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Seit 1972 stellt Adidas den Spielball der EM. Bei den Turnieren in Belgien 72 und Jugoslawien 76 wurde der Telstar Durlast eingesetzt. So sexy präsentiert wurde er aber nur zur WM 1974
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Bei der EM 1980 kam dann der Tango Italia zum Einsatz. Er war eine Weiterentwicklung des Spielballs der WM 1978
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Die Franzosen präsentieren den Tango Mundial zur EM 1984 stilecht im Hahnenkostüm
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Bei der EM 1988 in Deutschland übernahm das Maskottchen Berni. Stolz präsentiert er den Tango Europa
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Vier Jahre später in Schweden spielte man mit dem Etrusco Unico der WM 1990 in Italien
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1996 in England gab es erstmals ein eigenes Designn für den EM-Ball. So zierten drei metallic-blaue Löwen und eine rote Rose die Sechsecke des Questra Europa
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Futuristisch kam der Terrestra Silverstream daher. der Name ist angelehnt an die vielen Flüsse der Niederlande und Belgien, die im Volksmund Silberstreifen genannt werden
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Roteiro hieß die Kugel bei der EM 2004 in Portugal. Benannt nach dem Logbuch des berühmten Seefahrers Vasco da Gama. Der Ball wurde erstmals geklebt anstatt genäht
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Bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz nannte man die Kugel Europass. Beim Finale kam die silberne Version Europass gloria zum Einsatz
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SPOX: Im Fokus steht bei Dänemark derzeit besonders der junge Christian Eriksen von Ajax Amsterdam. Was erwarten Sie von Ihm bei der EM?

Poulsen: Wir sehen jeden Tag im Training, wie gut er ist. Er spielt nun immerhin schon drei Jahre in der Nationalmannschaft und ist unser Zehner. Aber natürlich muss man auch immer vorsichtig sein mit den jungen Spielern. Er kann nicht jedes Spiel überragend sein. Trotzdem verbessert er unsere Chancen weiterzukommen.

SPOX: Sie sagten, dass Dänemark nicht über die großen Stars verfügt. Ist er ein Spieler, der den Unterschied machen kann?

Poulsen: Auf jeden Fall. Er hat einen guten Schuss, sehr schnelle Füße und ist ein besonders cleverer Spieler - er sieht Dinge auf dem Platz, die andere nicht sehen und antizipiert Spielsituationen sehr gut.

SPOX: Was ist Ihr persönliches Ziel für die EM?

Poulsen: Ich versuche einfach, so viel wie möglich Einsatzzeit zu bekommen. Kvist und Zimling haben eine starke Qualifikation gespielt, daher sitze ich wohl erst einmal auf der Bank. Aber ich hoffe trotzdem auf meine Chance und darauf, am Ende vielleicht den Unterschied machen zu können.

SPOX: Sie standen von 2006 bis 2008 bereits beim den SC Heerenveen in Holland unter Vertrag. Falls Sie bei der EM Ihre Spielzeit bekommen und sich empfehlen können, was sind Ihre persönlichen Ziele mit Blick auf die kommende Saison? Ein Wechsel ins Ausland?

Poulsen: Ich bin auf jeden Fall bereit, etwas Neues auszuprobieren. Gerade die Bundesliga wäre natürlich großartig. Die Stadien sind voll, die Atmosphäre ist super. Sie ist wohl hinter Spanien und England die derzeit beste Liga in Europa.

SPOX: In welchem Land würden Sie am liebsten spielen?

Poulsen: Ziel ist ganz klar eine der fünf Top-Ligen in Europa. Ob es dann Spanien wäre, England, Deutschland, Italien oder Frankreich, ist egal.

SPOX: Noch einmal zurück zur bevorstehenden Endrunde in Polen und der Ukraine. Welchen Gegner würden Sie sich für ein mögliches Viertelfinale aus der vermeintlich schwächeren Gruppe A wünschen?

Poulsen: Ich weiß nicht. Jedenfalls sollte man die Gruppe nicht unterschätzen. Gerade Russland schätze ich sehr stark ein. Wir haben im Februar 0:2 gegen sie verloren. Sie haben viele gute Spieler, die sich alle bestens aus ihren Vereinen kennen und als Mannschaft funktionieren. Ich denke, sie sind durchaus auf einem Level mit Frankreich oder England.

SPOX: Am 17. Juni wird sich in Lemberg entscheiden, ob es zu einer Revanche gegen die Russen kommen kann. Daher abschließend Ihr Tipp fürs Finale der Gruppe B gegen Deutschland.

Poulsen: Ich denke, wir gewinnen 2:1.

Gruppe B: Spielplan und Tabelle

Alexander Fischer

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