DFB-Team: Jogi Löws Wunderwaffen

Die beste Bank aller Zeiten

Von Für SPOX bei der EM: Stefan Rommel
Samstag, 09.06.2012 | 10:45 Uhr
Die Joker von Löw: Mario Götze, Marco Reus, Andre Schürrle (v.l.)
© Getty
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Bester Innenverteidiger, größte Nachwuchshoffnung, aufregendster Bundesligaspieler, gefährlichster Knipser: Was sich wie die Aufstellung einer Startelf liest, sitzt beim DFB auf der Bank - der besten seit vielen Jahren. Wird das der Trumpf für den EM-Titel sein?

Vor dem Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal (Sa., 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) wird weiterhin über die Elf spekuliert, die Joachim Löw bei Anpfiff aufbieten wird.

Doch vielmehr als die Stammelf zu Beginn der EM, das hat die Vergangenheit nur zu oft bewiesen, kommt es im Verlauf eines langen, kräftezehrenden Turniers besonders auf die Spieler aus der zweiten Reihe an.

Jene Akteure, die womöglich lange Zeit nur draußen sitzen, dann aber in kniffligen Momenten die entscheidenden Impulse geben sollen. Der Kader der deutschen Mannschaft ist dieses Jahr dabei so ausgeglichen besetzt wie selten zuvor.

"Wir haben gute Voraussetzungen mit unserem Kader. Und dass wir die Qualität auch in der Breite haben, ist jedem bekannt", sagt Kapitän Philipp Lahm. Sieben ganz besondere Spieler hat Joachim Löw in der Hinterhand und damit so ziemlich die beste Bank, mit der eine deutsche Mannschaft je in ein Endturnier gestartet ist.

"Es ist unglaublich, was wir insgesamt für eine Besetzung haben", sagt Per Mertesacker. "Was da von der Bank kommt, kann den Unterschied ausmachen. Da haben wir ein ganz großes Plus."

Was erreicht Team Deutschland bei der EM? Jetzt mittippen und absahnen!

Abwehr

Mats Hummels: Der beste deutsche Innenverteidiger der abgelaufenen Bundesligasaison sitzt nur auf der Bank. So sieht es zumindest ein paar Stunden vor dem Auftakt gegen Portugal aus. Hummels bringt das beste Gesamtpaket aus Fitness, Können in den notwendigen Teildisziplinen und Selbstvertrauen nach dem Double mit dem BVB mit - und trotzdem reicht es im DFB-Dress offenbar nicht für die Startelf.

Die Unerfahrenheit mag dabei eine große Rolle spielen. Zumindest hat der Bundestrainer vor einigen Tagen relativ offen bekundet, dass den Dortmunder Spielern im Vergleich etwa zum Bayern-Block die Erfahrung auf internationalem Topniveau abginge. Nicht ganz zu Unrecht, hat es der BVB in zwei Jahren im europäischen Wettbewerb jeweils nicht über die Gruppenphase hinaus geschafft.

Das DFB-Defensivkonzept: Löws Pressing - Wie gemacht für Miro Klose

Trotzdem wird Hummels latent in Lauerstellung bleiben (müssen). In den letzten beiden Turnieren unter der Anleitung von Löw als Bundestrainer gab es immer einen deutschen Innenverteidiger, der unter seinem eigentlichen Leistungsniveau ins Turnier gestartet war und relativ lange Zeit von seinem Nebenmann mitgeschleppt werden musste.

2008 war es Christoph Metzelder, der von Mertesacker protegiert wurde und quasi bis zum Finale nie seine eigentliche Form erreichen konnte. Vor zwei Jahren hatte Mertesacker seinerseits große Anlaufschwierigkeiten und fand erst allmählich an der Seite von Arne Friedrich seinen Rhythmus.

Vermutlich wird Löw dieses Mal nicht so lange tatenlos zuschauen. Mertesacker muss von Beginn an funktionieren und darf nicht zu viele Angriffspunkte für Kritik liefern. Weil der Bundestrainer eben mit Hummels eine adäquate Alternative in der Hinterhand hat, die ihm einen Wechsel ohne großen Qualitätsverlust zu jedem Zeitpunkt ermöglicht.

Lars Bender: Auf den ersten Blick ist Bender nicht der spektakuläre Bankspieler. Der Bundestrainer aber sieht Qualitäten in ihm, die unter Umständen von ganz entscheidender Bedeutung sein können.

Bender-Förderer Ernst Tanner zu SPOX: "Lars macht sich nicht in die Hose"

Löw plant mit dem Leverkusener als Variante rechts in der Viererkette. "Läuferisch absolut belastbar" sei Bender, was angesichts dessen Laufquantität und -intensität eine glatte Untertreibung ist. Vor allen Dingen aber bringt er eine Sache mit, die gemäß Uli Hoeneß den Bayern unter anderem den Champions-League-Titel gekostet hat.

In Tourrettes hatte Löw schon darauf aufmerksam gemacht, dass er einen Spieler in seiner Mannschaft haben will, der einen Gegner "auch einfach mal ausschaltet", ihn mittels Manndeckung aus dem Spiel nimmt. Die hohe deutsche Schule der 80er und 90er Jahre sozusagen. Ein Wadenbeißer, wie ihn Hoeneß gegen Chelsea vermisst hatte.

Früher hat Löw Spieler wie David Odonkor oder Marko Marin als Spezialwaffen wegen deren Offensivqualitäten nominiert. Lars Bender ist das Äquivalent für die Defensive.

Teil II: Die Joker im Mittelfeld und Sturm

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