Freitag, 15.11.2013

Joachim Löws 100. Spiel als Bundestrainer

Szenen einer Ehe

Joachim Löw steht beim Länderspiel in Mailand gegen Italien (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) zum 100. Mal als Trainer der deutschen Nationalmannschaft am Spielfeldrand. Ein Rückblick auf sieben Jahre, in denen der deutsche Fußball neue Höhen erklommen und gleichzeitig seinen Schrecken von einst verloren hat.

August 2006: Joachim Löw bereitet sich auf sein erstes Länderspiel als Bundestrainer vor
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August 2006: Joachim Löw bereitet sich auf sein erstes Länderspiel als Bundestrainer vor

Von Erich Ribbeck trennt ihn nicht nur das Alter und die die äußere Erscheinung. Joachim Löw ist der erfolgreichste Bundestrainer in der Geschichte des DFB. Sein Vor-Vor-Vorgänger Ribbeck der erfolgloseste.

Daten und Fakten

Das ist Joachim Löw
*03.02.1960 in Schönau
Bundestrainer seit 2006
Bilanz: 99 Spiele - 68 - 16 - 15
Stationen als Spieler:
FC Schönau, Eintracht Freiburg
SC Freiburg, VfB Stuttgart
Eintracht Frankfurt, SC Freiburg
Stationen als Spieler:
Karlsruher SC, SC Freiburg
FC Schaffhausen, FC Winter-
thur, FC Frauenfeld (Spielertrainer)
Erfolge als Spieler:
4 U 21-Länderspiele
52 Bundesligaspiele (7 Tore)
252 Spiele in der 2. Bundesliga (81 Tore)
Stationen als Trainer:
FC Winterthur (A-Junioren), FC Frauenfeld (Spielertrainer), Co-Trainer VfB Stuttgart, Cheftrainer Stuttgart
Stationen als Trainer:
Fenerbahce, Karlsruher SC, Adanaspor AS, FC Tirol, Austria Wien, Co-Trainer DFB-Team, Cheftrainer DFB-Team
Erfolge als Trainer:
Halbfinale, EM 2012
3. Platz, WM 2010
2. Platz, EM 2008
3. Platz, WM 2006 (Co-Trainer)
Erfolge als Trainer:
DFB-Pokal 1997 (Stuttgart), Türkischer Supercup 1999 (Fenerbahce), Österreichischer Meister 2002 (FC Tirol)

Die Statistik hinkt ein wenig, durfte Ribbeck doch nur 24 Spiele absolvieren und ist damit zugleich auch der Bundestrainer mit der kürzesten Amtszeit. Und überhaupt wurde Ribbeck in einer Zeit verheizt, als der deutsche Fußball so tief gesunken war wie nie zuvor in der Nachkriegszeit.

Unterm Strich bleiben aber 1,50 Punkte pro Spiel, die Ribbecks Mannschaften eingefahren haben. Joachim Löw kommt in 99 Länderspielen unter seiner Regie auf 2,22 Punkte.

Am Freitag in Mailand macht es Löw dreistellig, er rückt damit in den Klub der Hunderter auf, dem bisher nur Sepp Herberger (167 Spiele) und Berti Vogts (102) angehören.

Es ist einiges passiert in den über sieben Jahren, in denen Löw der Mannschaft als Bundestrainer vorsteht. Löw hat Triumphe gefeiert und Tiefschläge eingesteckt, hat persönliche Titel errungen und Tragödien erlebt. Die Eckpfeiler einer außergewöhnlichen Beziehung.

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16. August 2006: Der neue Bundestrainer legt mit einem Freundschaftsspiel gegen Schweden los. In Gelsenkirchen sitzt Löw nach dem Rückzug von Jürgen Klinsmann erstmals in verantwortlicher Position auf der Bank. Knapp vier Wochen davor, am 12. Juli, wurde Löw ins Amt gehievt. Für den "ausgebrannten" Klinsmann der einzig logische Schritt. "Training, Videoanalysen - Jogi hat bisher schon immer die eigentliche Arbeit verrichtet", sagte Klinsmann damals. Löw unterschreibt einen Zweijahresvertrag und bekommt von DFB-Präsident Theo Zwanziger mit auf den Weg: "Das Ziel heißt schlicht und klar, wir wollen Europameister 2008 werden." Der Auftakt jedenfalls gelingt. Deutschland schlägt Schweden mit 3:0.

24. März 2007: Ein erstes Highlight unter Löws Regie. In Prag spielt die deutsche Mannschaft die damals noch sehr starken Tschechen an die Wand und siegt am Ende viel zu knapp mit 2:1. Die Elogen auf den Auftritt aus dem In- und Ausland überhäufen die Mannschaft, Franz Beckenbauer sieht in Deutschland "die derzeit beste Mannschaft Europas". Spätestens von da an ist der Titel bei der EM auch in der öffentlichen Wahrnehmung mehr als ein Traum. Die Qualifikation für das Endturnier verläuft reibungslos, erst im unbedeutenden letzten Heimspiel gegen die Tschechen gibt es beim 0:3 erstmals Pfiffe gegen Löw und seine Mannschaft.

Juni 2008: Bei der Europameisterschaft 2008 erfährt Löw, dass ein Endturnier als verantwortlicher Trainer doch nochmal eine andere Hausnummer ist. Nach einem 1:2 gegen Kroatien im zweiten Gruppenspiel flammt heftige Kritik auf, innerhalb der Mannschaft bilden sich zwei Gruppen. Indiskretionen aus dem Mannschaftskreis finden den Weg zu den Medien. Löw steht vor dem Österreich-Spiel gewaltig unter Druck. Ein Scheitern gegen den Gastgeber wäre das sichere Aus für den Bundestrainer noch vor Ablauf seines Vertrags. Ballacks Geschoss gibt der deutschen Seele Ruhe und Löw etwas Luft zum Atmen.

Alle Bundestrainer seit 1932: Von Nerz bis Löw
Nachfolger des ersten Bundestrainers Otto Nerz (1926-1936) war Sepp Herberger (1936-1942). Er übernahm die Mannschaft nach dem Ausscheiden bei der Olympiade 1936 und musste zur Weltmeisterschaft ein Team aus Österreichern und Deutschen zusammenstellen
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Nachfolger des ersten Bundestrainers Otto Nerz (1926-1936) war Sepp Herberger (1936-1942). Er übernahm die Mannschaft nach dem Ausscheiden bei der Olympiade 1936 und musste zur Weltmeisterschaft ein Team aus Österreichern und Deutschen zusammenstellen
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Er kehrte nach der Kriegspause zurück zur Fußballmannschaft der BRD (1950–1964) und gewann 1954 beim berühmten Wunder von Bern die Weltmeisterschaft in der Schweiz
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Er kehrte nach der Kriegspause zurück zur Fußballmannschaft der BRD (1950–1964) und gewann 1954 beim berühmten Wunder von Bern die Weltmeisterschaft in der Schweiz
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Helmut Schön (1964–1978) wurde Nachfolger von Herberger, nachdem dieser zurückgetreten war. Unter dem neuen Trainer blühte Deutschland regelrecht auf, es waren die erfolgreichsten Jahre des DFB. Höhepunkt war der Weltmeistertitel 1974 im eigenen Land
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Helmut Schön (1964–1978) wurde Nachfolger von Herberger, nachdem dieser zurückgetreten war. Unter dem neuen Trainer blühte Deutschland regelrecht auf, es waren die erfolgreichsten Jahre des DFB. Höhepunkt war der Weltmeistertitel 1974 im eigenen Land
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Jupp Derwall (1978–1984) war zuvor Assistenztrainer der A-Nationalmannschaft, bekam jedoch 1978 das Amt als Chefcoach des DFB und setzte die Arbeit seines Vorgängers mit dem Gewinn der EM 1980 nahtlos fort
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Jupp Derwall (1978–1984) war zuvor Assistenztrainer der A-Nationalmannschaft, bekam jedoch 1978 das Amt als Chefcoach des DFB und setzte die Arbeit seines Vorgängers mit dem Gewinn der EM 1980 nahtlos fort
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Franz Beckenbauer (1984–1990) begann seine Karriere aufgrund der fehlenden Trainerlizenz als Teamchef. Dennoch führte der Kaiser die Mannschaft 1990 zum Weltmeistertitel in Italien
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Franz Beckenbauer (1984–1990) begann seine Karriere aufgrund der fehlenden Trainerlizenz als Teamchef. Dennoch führte der Kaiser die Mannschaft 1990 zum Weltmeistertitel in Italien
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Berti Vogts (1990–1998) beerbte Beckenbauer nach der WM 1990 und errang 1996 den Europameister-Titel
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Berti Vogts (1990–1998) beerbte Beckenbauer nach der WM 1990 und errang 1996 den Europameister-Titel
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Erich Ribbeck (1998–2000) hielt sich nur kurz als Bundestrainer. Nach dem katastrophalen Vorrunden-Aus in Belgien 2000 musste er bereits nach zwei Jahren seinen Platz räumen und bleibt der Trainer mit den wenigsten Pflichtspielen
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Erich Ribbeck (1998–2000) hielt sich nur kurz als Bundestrainer. Nach dem katastrophalen Vorrunden-Aus in Belgien 2000 musste er bereits nach zwei Jahren seinen Platz räumen und bleibt der Trainer mit den wenigsten Pflichtspielen
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Rudi Völler (2000–2004) übernahm die Mannschaft von Ribbeck und sollte sie zurück in die Spur führen. Er erreichte überraschend das Finale der WM 2002, wo der DFB an Brasilien scheiterte. Nach der EM 2004 trat er allerdings zurück
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Rudi Völler (2000–2004) übernahm die Mannschaft von Ribbeck und sollte sie zurück in die Spur führen. Er erreichte überraschend das Finale der WM 2002, wo der DFB an Brasilien scheiterte. Nach der EM 2004 trat er allerdings zurück
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Jürgen Klinsmann (2004–2006) war der Macher des Sommermärchens 2006, bei dem die Deutschen bei der WM im eigenen Land bis ins Halbfinale durchmarschierten, dort allerdings am späteren Weltmeister Italien scheiterten
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Jürgen Klinsmann (2004–2006) war der Macher des Sommermärchens 2006, bei dem die Deutschen bei der WM im eigenen Land bis ins Halbfinale durchmarschierten, dort allerdings am späteren Weltmeister Italien scheiterten
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Joachim Löw (seit 2006) begann nach der WM im eigenen Land mit einem langsamen, aber stetigen Umbruch der deutschen Mannschaft, der 2014 mit dem Weltmeistertitel seinen Höhepunkt fand
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Joachim Löw (seit 2006) begann nach der WM im eigenen Land mit einem langsamen, aber stetigen Umbruch der deutschen Mannschaft, der 2014 mit dem Weltmeistertitel seinen Höhepunkt fand
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Vor dem Viertelfinale stellt er das Grundsystem um, weg vom 4-4-2 und hin zu einem klaren 4-2-3-1. Die Partie gegen Portugal verfolgt er nach seiner Sperre in einer VIP-Loge und sieht die beste Leistung der Mannschaft unter seiner Regie. Die Medien feiern Löw, in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit hat er sich spätestens mit dieser Partie von Klinsmann emanzipiert und sich selbst als Autorität etabliert. Intern laufen die Dinge aber weiter etwas anders. Das verlorene Finale gegen Spanien bringt einige unschöne Dinge ans Tageslicht. Speziell die arrivierten Spieler scheinen weiter einige Vorbehalte gegenüber Löw zu haben.

Seite 1: Debüt und EM 2008

Seite 2: Kuranyi, Ballack, Enke, Zwanziger

Seite 3: WM in Südafrika und immer wieder Ballack

Seite 4: EM 2012 und die große Abrechnung

Stefan Rommel

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Stefan Rommel(Redakteur)

Stefan Rommel, Jahrgang 1975, ist Nationalmannschaftsreporter bei SPOX.com (momentan in Elternteilzeit). Studium der Sportwissenschaften in Augsburg, DFB-Lizenz Trainer-C-Leistungsfußball. Redakteur bei Sport1.de von 2001 bis 2007. SPOX-Redakteur der ersten Stunde und tätig im Fußball-Ressort, u.a. für Bremen, Stuttgart und Augsburg. Analysiert von Zeit zu Zeit die Spielstile großer und kleinerer Mannschaften.


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