"Nur das Triple ist genug"

Von Adrian Franke
Montag, 20.04.2015 | 16:29 Uhr
Pep Guardiola steht vor dem Duell gegen Porto ordentlich unter Druck
© getty
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Der FC Bayern steht vor einer Herkulesaufgabe, nach der 1:3-Pleite in Porto müssen die Münchner im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals (Dienstag, 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) in der Allianz Arena ein kleines Fußball-Wunder verrichten. Trainer Pep Guardiola weiß um die Bedeutung des Spiels: Es geht um Leidenschaft, Lektionen aus der Vergangenheit - und auch um die Betrachtung der Ära des Spaniers.

Rückblick, vor fast exakt einem Jahr. Der FC Bayern war gerade sang- und klanglos aus der Königsklasse ausgeschieden, gegen Real Madrid setzte es im Rückspiel eine 0:4-Pleite. Es war die höchste Heimniederlage in der Europapokalgeschichte der Münchner und eine der bittersten Stunden für Trainer Pep Guardiola. "Der Trainer hat Fehler gemacht", sprach der Spanier anschließend in der dritten Person von sich selbst.

Namentlich hatte er Philipp Lahm aus dem Mittelfeld auf die Position rechts in der Viererkette zurückgezogen und die Mittelfeldzentrale Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos überlassen, um auf ein offensiveres 4-2-3-1 umzustellen. Das Ergebnis war ein Desaster: Innerhalb von 18 Minuten setzte es drei Gegentore, Bayern war in allen Belangen unterlegen. Es folgte letztlich das nationale Double.

"Ich weiß, in welchem Verein ich bin"

Sollte gegen Porto nicht das kleine Fußballwunder gelingen, wäre das eine Ausbeute, die auch nach dieser Saison unter dem Strich stehen könnte. Doch das reicht den hohen Ansprüchen nicht, wie Guardiola im Vorfeld des ersten Endspiels dieser Saison betonte: "Ich weiß, in welchem Verein ich bin. Es ist nicht genug, Meister zu sein hier. Es ist nicht genug, Pokalsieger zu sein hier. Nur das Triple ist genug."

Das, so Guardiola weiter, sei eben "in den großen Vereinen so, auch in Barcelona. Ich bin sehr, sehr stolz auf unsere Situation. Ich bin sehr, sehr zufrieden, Trainer dieser Spieler zu sein - was wir alles erreicht haben in diesem Jahr. Wir werden morgen Chancen haben, ich bin überzeugt. Ich spüre eine große Stimulation vor diesem Spiel."

Brandrede nach Hoffenheim

Schon direkt nach dem 2:0-Sieg in Hoffenheim am Samstag versammelte Guardiola seine Mannschaft in der Kabine und hielt eine lange Brandrede. "Der Trainer war sehr emotional. Er wollte uns zusammenschweißen. Er sagte, dass wir in dieser Situation die Ruhe bewahren müssen. Wer an sich und an die Mannschaft glaubt, kann solche Probleme besiegen. Er sagte, dass er stolz sei", berichtete Sebastian Rode anschließend.

Guardiola impft den Spielern vor einer der wichtigsten Prüfungen seiner noch jungen Bayern-Karriere gezielt Selbstvertrauen ein. Auch wenn Verletzungen und krasse individuelle Fehler Portos Hinspielsieg begünstigten - scheiden die Münchner gegen Porto aus, wird es zumindest von außen Kritik geben. Immerhin stand Bayern in drei der vier Jahre vor Guardiola im Endspiel der Königsklasse, ein Viertelfinal-Aus genügt den Ansprüchen schlicht nicht.

"Diese Spieler bleiben meine Helden"

Demonstrativ stellte er sich daher mit viel Pathos vor die Mannschaft: "Es ist überragend, was diese Spieler gemacht haben. In anderen Vereinen ist es okay. Aber hier musst du das Triple gewinnen. Aus diesem Grund bin ich so stolz auf sie. Nie, nie, nie in meinem Leben werde ich vergessen, wie sehr sich die Leute in diesem Verein, nicht nur die Spieler, angestrengt haben und alles gegeben haben. Diese Spieler bleiben immer meine Helden - für den Rest meines Lebens."

Bei Sätzen wie diesen wird klar, dass, auch wenn sich Guardiola betont entspannt gibt ("Ich war mehr besorgt vor dem Spiel gegen Hoffenheim. Ich bin glücklich vor dem Spiel morgen"), einiges auf dem Spiel steht. Zwar hat der Spanier mehrfach bereits alle Gerüchte um seinen Abgang im Keim erstickt, dennoch geht es jetzt auch um seine Ära in München. Ein erneutes frühzeitiges Scheitern in der Champions League wäre dabei eine bittere Pille.

Guardiola hat "viel gelernt"

Das klare Aus gegen Real im Vorjahr sorgte für ein heftiges Medienecho. Intern blieb der Klub zwar ruhig, doch die Münchner, die sich über 180 Minuten zwei echte Torchancen herausgespielt hatten, wurden plötzlich scharf kritisiert. Guardiola steht beim FC Bayern bislang trotzdem für Erfolg, aus 99 Pflichtspielen stehen 78 Siege zu Buche, der zweite Meister-Titel im zweiten Jahr ist nur noch Formsache.

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Der Spanier hat außerdem bewiesen, dass er das Bayern-Spiel weiterentwickeln kann und erklärte darüber hinaus: "Ich habe hier in München viel gelernt, was im Fußball Herz und Leidenschaft betrifft. Wir sind nur einen Schritt vor dem Erreichen des Pokalfinals. Wir sind nur einen Schritt vor dem Meistertitel, wenn wir am Samstag gegen Hertha gewinnen, sind wir Meister. Wir hatten viele Probleme, aber diese Spieler mit meinem Herz zu sehen hier, das ist mein größter Sieg."

Guardiola wird nicht müde zu betonen, dass er "komplett von uns überzeugt" ist und man nimmt es jedem einzelnen Spieler ab, dass er voll hinter seinem Coach steht und an die eigene Stärke glaubt. Lahm etwa erklärte: "Es gibt genügend Dinge, die Anlass zur Hoffnung geben. Ich bin guter Dinge, dass wir das Halbfinale erreichen." Klar ist aber auch: Das Aus gegen Real war bislang Guardiolas Tiefpunkt in München. Ein K.o. gegen Porto könnte, je nach Auftritt im Rückspiel, dem mindestens sehr nahe kommen.

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