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Champions League, Viertelfinale

Heftige Pleite nach Horrorstart

Mittwoch, 15.04.2015 | 22:55 Uhr
Großen Augen: Mussten die Jungs aus Porto an diesem Abend eigentlich nicht machen
© getty
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Der FC Bayern München hat im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League eine überraschende Abreibung hinnehmen müssen und bangt um das Halbfinale. Beim FC Porto unterlag das Team von Pep Guardiola mit 1:3 (1:2).

Vor 50.092 Zuschauern im ausverkauften Estadio do Dragao erlebten die Bayern einen Horrorstart und lagen nach kapitalen Fehlern von Xabi Alonso und Dante und dem Doppelpack von Ricardo Quaresma (3./FE, 10.) schnell 0:2 zurück.

Thiago verkürzte mit seinem ersten Champions-League-Treffer überhaupt auf 2:1 (28.), doch Jackson Martinez stellte den alten Abstand wieder her (65.).

Die Bayern-Pleite im RE-LIVE

Es war die höchste Niederlage für den FC Bayern in einem K.o.-Spiel auswärts der Champions League seit dem 0:4 gegen Barcelona im April 2009 und die erste Münchner auf portugiesischem Boden überhaupt.

Der FC Porto muss im Rückspiel am kommenden Dienstag auf Danilo und Alex Sandro verzichten, die jeweils die dritte Gelbe Karte sahen.

Die Reaktionen:

Pep Guardiola (Trainer Bayern München): "Nach dem 2:0 haben wir uns eigentlich gut erholt und das Spiel kontrolliert - dann ist das dritte Tor gefallen. Fehler passieren, das ist normal und gehört zum Spiel. Auf diesem Niveau wirst du leider dafür bestraft. Ich bin nicht unzufrieden mit meinem Team - wir haben alles versucht in diesem Spiel."

Matthias Sammer (Sportvorstand Bayern München): "Jetzt liegen wir ein bisschen am Boden und werden zu Recht kritisiert, aber da gibt es noch ein Rückspiel. Wir müssen ruhig bleiben und uns unserer Mittel sicher sein, dann ist ein 2:0 zu Hause immer möglich."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Die wichtigste Nachricht für den FC Porto: Stürmer Jackson Martinez kann trotz Adduktorenproblemen spielen. Verzichten muss Trainer Lopetegui dagegen auf Tello (Muskelfaserriss) und den gelbgesperrten Marcano. Anstelle von Tello spielt Ricardo Quaresma im 4-3-3 auf dem rechten Flügel.

Die Bayern beginnen mit Viererkette, davor spielen Lahm, Thiago und Alonso im Mittelfeld. Pizarro, der das Abschlusstraining abbrechen musste, ist im Kader und sitzt auf der Bank. Dort nimmt auf Ivan Lucic als dritter Torhüter Platz - Guardiola hat nur 16 Feldspieler im Kader.

3., 1:0, Quaresma (Foulelfmeter): Alonso vertändelt als letzter Mann den Ball an Martinez, der dann energisch den Körper einsetzt und Alonso abschüttelt. Martinez läuft auf Neuer und wird gefoult. Klarer Elfmeter und Glück für Neuer - nur Gelb. Quaresma bleibt cool, verlädt Neuer und verwandelt links unten.

10., 2:0, Quaresma: Rafinha spielt einen Querpass zu Dante, der im Tiefschlaf ist und den Ball verdaddelt. Quaresma sagt danke, lässt den Brasilianer stehen und macht kurz darauf locker das 2:0 gegen Neuer.

28., 2:1, Thiago: Nach einer Ecke, die fast zum nächsten Konter führte, bekommt Boateng den Ball auf dem rechten Flügel, geht Richtung Grundlinie und flankt flach in die Mitte. Dort verpassen zwei Portugiesen und am langen Pfosten taucht Thiago auf, der den Ball direkt ins rechte Eck versenkt.

34.: Alex Sandro flankt aus vollem Lauf von links Richtung Tor. Neuer bekommt die Hände dran, wirft sich den Ball aber fest ins eigene Netz. Doch er hat Glück, dass die Latte im Weg ist. Im Nachfassen hat er ihn dann.

57.: Quaresma kommt mit Power über links und flankt in die Mitte. Danilo nimmt die Kugel aus sechs Meter direkt, Neuer reagiert schnell und wischt den Ball über die Latte.

65., 3:1, Martinez: Porto haut einen langen Ball nach vorne. Boateng taucht wie ein Anfänger unten durch und Jackson Martinez kommt dran, umkurvt Neuer und schiebt von links ein zum 3:1.

67.: Lahm spielt Rode 20 Meter vor dem Tor frei. Der zieht sofort ab, doch Fabiano begräbt den Ball unter sich.

Fazit: Der FC Bayern konnte sich von der katastrophalen Anfangsphase nie ganz erholen. Während bei den Münchnern kein Spieler Normalform erreichte, wartete Porto auf die Fehler der Münchner und nutzte diese zu drei Treffern.

Der Star des Spiels: Ricardo Quaresma. Stand nur wegen Tellos Verletzung in der Startelf und rechtfertigte seinen Einsatz mit einem Sahnespiel. Quaresma blieb bei seinen beiden Toren enorm cool und war von Bayerns Linksverteidiger Bernat nie in den Griff zu bekommen.

Der Flop des Spiels: Xabi Alonso. Leitete mit seinem Ballverlust an Martinez das frühe 0:1 ein und bekam den Schlendrian das gesamte Spiel über nicht raus. Leistete sich kurz nach der Pause als letzter Mann einen erneuten völlig unnötigen Ballverlust, den er gerade noch selbst korrigieren konnte. Ebenfalls ganz schwach: Dante, Bernat und Götze.

Der Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien). Verzichtete in der 2. Minute auf die Dreifachbestrafung und schenkte Neuer die restlichen 88 Minuten Spielzeit. Allerdings hätte man zuvor Martinez' Einsatz gegen Alonso abpfeifen müssen. Die Gelbe Karte für Lahm entstand durch eine Schwalbe von Casemiro. Und bei Sandros Armeinsatz gegen Lewandowski hätte es Elfmeter geben können. Dazu mit einigen Fehlern bei der Zweikampfbewertung. Eine ganz schwache Vorstellung des Spaniers.

Das fiel auf:

  • Zwei katastrophale Böcke von Alonso und Dante, die sich in ihrer Entstehung sehr ähneln, markierten den Horrorstart für den FC Bayern. Gedanklich war kein Münchner Spieler in den ersten 20 Minuten auf dem Platz. Einfachste Fehlpässe wurden in Serie produziert, selbst dann, wenn Porto keinen Druck auf den ballführenden Spieler ausübte.
  • Lief Portos Sturmreihe die Bayern vor den beiden Toren noch aggressiv an, empfingen die Gastgeber den Gegner in der Folge erst auf Höhe der Mittellinie und machte den Raum bis zur eigenen Sechzehnerlinie dicht. Dabei wechselte Porto vom 4-3-3 ab und an ins 4-4-2, indem sich Brahimi zurückzog.
  • Die Bayern schafften es erst nach und nach, Passsicherheit in ihr Spiel zu bekommen. Das kostete genug Energie, so dass das Offensivspiel lange Zeit brach lag. Rafinha und Bernat wurden meist gedoppelt, in der letzten Reihe bemühten sich Lewandowski und Müller vergeblich, aus der Viererkette zu lösen, um auch mal zwischen die Linien zu kommen.
  • Die Verunsicherung der Bayern ließ auch nach der Pause kaum nach. Den Gästen gelang es zu keinem Zeitpunkt, das Spiel zu beruhigen, immer wieder schlichen sich leichte Fehler ein. Guardiola brachte gar mit Rode für Götze einen weiteren Spieler, der das Zentrum zu verstärken.
  • Porto fand dagegen die perfekte Mischung aus aggressivem Pressing und abwartender Haltung bei Ballbesitz der Bayern. Die Gastgeber waren den Münchnern bei der Zweikampfführung weit überlegen und nutzten die Fehler des Gegners gnadenlos aus.

FC Porto - FC Bayern München: Die Statistik zum Spiel

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