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Kontrollverlust nur an der Seitenlinie

Mittwoch, 04.02.2015 | 08:38 Uhr
Bayern-Trainer Pep Guardiola im Disput mit Schiri-Assistent Markus Häcker
© getty
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Der FC Bayern München deutet seinen Punktgewinn gegen mutlose Schalker als Schritt nach vorne. Nur Arjen Robben ist richtig angefressen. Trainer Pep Guardiola sorgt mit großer Emotionalität und einem Ausflug an die Eckfahne für Erstaunen.

Robert Kempter nahm seine Rolle im Hintergrund an. Er hatte sich an diesem Abend in der Allianz Arena offenbar für die lange Leine entschieden. Auf jeden Fall durfte Pep Guardiola seine Coaching Zone von der ersten Minute an links und rechts immer um mehrere Meter ausweiten, ohne dass Kempter gleich auf der Matte stand.

Es muss nichts Schlechtes heißen, wenn die vierten Offiziellen ihren Job nicht mit dem Maßband ausführen und als Wachhunde des weißumrandeten Rechtecks agieren. Aber nach etwas mehr als einer Stunde ist dem Seitenlinien-Schiedsrichter Kempter der Seitenlinien-Trainer Pep Guardiola gewaltig ausgebüchst.

Robert Lewandowski hatte gerade das vermeintliche 1:0 erzielt für Guardiolas FC Bayern, aber der Schiedsrichterassistent hob die Fahne. Abseits? Konnte es nicht gewesen sein, es gab keinen Pass. Aus? Die Gesten des Schiedsrichtergespanns waren jedenfalls nicht eindeutig.

"Sehr emotionale Aktion"

Deshalb wollte es Guardiola genauer wissen und fragte gleich mal selbst beim Assistenten nach. Nur, dass dieser nicht gerade vor seiner Coaching-Zone stand, sondern an der Eckfahne. Das war dann auch für Kempter zu viel, der sich ebenfalls auf den Weg zur Eckfahne machte.

Als sich alles geklärt hatte und das Spiel mit Eckball fortgesetzt wurde, war Guardiola wieder in seinem ihm zugeteilten Raum und Kempter stand direkt daneben. Und wie es der Zufall so wollte, war er der Erste, den Guardiola nach Arjen Robbens Kopfballtor in die Arme schließen konnte.

Vermutlich hätte dort sogar Jose Mourinho stehen können, Guardiola hätte in diesem Moment herzhaft zugepackt. Kempter ließ es mild lächelnd über sich ergehen. Als "sehr emotionale Aktion" beschrieb Guardiola seinen Auftritt in diesen Minuten. Und: "Es war sehr nett, anders als in Mönchengladbach." Damals hatte eine Umarmung der vierten Offiziellen Bibiana Steinhaus für Diskussionen gesorgt.

Spiel eins nach Wolfsburg

Guardiolas Auftreten wird ihm auch jetzt wieder einige Kritiken bescheren und auch die Frage aufwerfen, ob sich andere Trainer ebenso verhalten dürften, ohne dafür auf die Tribüne geschickt zu werden. Aber an diesem Abend machte die Szene vor allem klar, dass es für den Trainer ein Spiel von hoher Bedeutung war.

Neben den üblichen taktischen Anweisungen und einigen Umstellungen in Folge der Roten Karte für Jerome Boateng coachte er von Beginn an sehr leidenschaftlich und mit großer Gestik. Das ist nicht in jedem Spiel so.

Aber diese Partie war die erste nach dem 1:4 gegen den VfL Wolfsburg, als seine Mannschaft in den Kontern der Wölfe unterging und Guardiola am Montag zum wiederholten Male die Vorzüge seines Fußballs gegenüber dem Risiko dieser Spielweise verteidigen musste.

Mehr Kontrolle, keine Konter

Seine Idee könne nur funktionieren, wenn alle mitmachen. "Ich bin sehr, sehr, sehr zufrieden", sagte der Spanier auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. "Unsere Leistung war viel besser, wir haben das Spiel kontrolliert. Bei elf gegen elf waren wir sehr gut."

Allerdings dauerte dieser Zustand nur etwas mehr als eine Viertelstunde an, was einen korrekten Vergleich zwischen beiden Partien verkompliziert. Ohnehin lässt sich das mutige und schnelle Umschaltspiel der Wolfsburger vom Freitagabend nicht mit dem zurückhaltenden und selbst in Überzahl defensiven Auftritt der Schalker vergleichen.

Auch deshalb konnte Arjen Robben von "einem Fortschritt" und Bastian Schweinsteiger von "einem verbesserten Spiel" sprechen. "Wir hatten mehr Kontrolle und haben keine Konter zugelassen", sagte der Kapitän.

Die Selbstverstädnlichkeit ist weg

Trotzdem bleibt die Frage, ob die bessere Kontrolle der eigenen Leistung oder der Passivität des Gegners geschuldet war. Hätte eine stärkere Mannschaft den Bayern an diesem Abend nicht wieder das Genick gebrochen?

Fakt ist, die Winterpause hat den Bayern ihre Selbstverständlichkeit genommen. Man muss sich nur an den letzten Rückrundenspieltag erinnern, als die Münchner in Mainz das Spiel kurz vor Schluss noch drehten.

Die erdrückende Dominanz ist aktuell nicht vorhanden. "Jeder Pass hat einen Sinn", hat Guardiola in der Hinrunde einmal den Fortschritt seiner Mannschaft beschrieben. Gegen Schalke war das anders, das Team sucht in seiner aktuellen Zusammenstellung noch nach Automatismen. Auch das Gegenpressing und die schnelle Balleroberung funktionieren noch nicht wie 2014.

Robben: "Wir müssen aufpassen"

Dennoch sprach nach Robbens Führungstreffer vieles für den ersten Sieg der Rückrunde. Wie im Hinspiel auf Schalke glich Benedikt Höwedes aber aus, was Torschütze Robben ziemlich auf die Palme brachte. "Man kann immer eine Ausrede finden, wenn man in Unterzahl ist. Aber es kann nicht sein, dass wir Höwedes als besten Schalker Kopfballspieler da ein Tor machen lassen. Da musst du dein Leben reinlegen."

Sportvorstand Matthias Sammer hätte vielleicht von Gier, Wille oder Mentalität gesprochen. Die Attribute, die diese Mannschaft in der ersten Halbserie ausgezeichnet haben und die in den kommenden Wochen auch über die Titelchancen entscheiden werden.

In der Champions League dürfe so etwas nicht passieren, da "kann so ein Tor tödlich sein", sagte Robben. "Wir müssen aufpassen und kritisch sein, aber auch realistisch". Und die Realität lässt sich am besten an der Tabelle ablesen. Da führt der FC Bayern weiter mit acht Punkten Vorsprung auf den VfL Wolfsburg.

Bayern - Schalke: Daten zum Spiel

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