Montag, 13.02.2012

Alternative Liste - Spieltag 21

Ottos Mops kotzt

Fußballer sind Dadaisten! Die meisten verbal, manche auch optisch. Eine kleine Werkschau vom Wochenende - mit Flashmobs aus der Szenestadt Berlin, einer Voodoo-Perfomance aus Köln und einem geplatzten Höschen auf der Pressetribüne. Die Alternative Liste des 21. Spieltags.

"Farben ohne Sinn und Verstand" - Eine Installation von Max Ernst
© Imago
"Farben ohne Sinn und Verstand" - Eine Installation von Max Ernst

1. Fußball und Mathematik: Der schönste Satz, der je in deutscher Sprache gesprochen wurde, stammt natürlich von Franz Beckenbauer. Er ist recht kurz und heißt: "Rudolf, sei mir ned bös'!" Danach kommt ein bisschen was von Kafka, Kleist und Hölderlin. Doch unmittelbar dahinter schon: Die gesammelten Werke von Fritz von Thurn und Taxis! Auch am Samstag ließ er wieder ein paar blitzsaubere Bonmots aus seinem liebenswerten Dachschaden pfeifen. Unser Favorit war eine kleine mathematische Stegreifimprovisation: "Eine einzige Gelbe Karte haben wir erst gesehen. Und zwar für jeden eine!"

2. Fußball und Philosophie: Der TuTschen Arithmetik folgend unterscheidet sich ein 1:1 also auch nicht wesentlich von einem 1:0. Psychologisch betrachtet aber ist das Phänomen des Unentschiedens deutlich komplexer. Wir lauschen einem Bremer Professor, der das Remis gegen Hoffenheim analysiert: "Das Positive ist, dass du nicht verlierst. Das Negative ist, dass du nicht gewinnst." Um die ganze Tiefe dieser Weisheit zu erfahren, muss man sich natürlich erst ihren Urheber vor die inneren Augen und Ohren halten. Marko Arnautovic - mit einem brummigen Bariton, einem leicht angesoffenen Wiener Slang und diesem hässlichen Ding auf dem Schädel. Ein dadaistisches Gesamtkunstwerk!

Wer hat den Schnuller von Zidan junior gesehen? Das FBI ermittelt
Wer hat den Schnuller von Zidan junior gesehen? Das FBI ermittelt
© Imago

3. Strafe muss sein: Dass Mohamed Zidan indes kurzzeitig vom Bariton in den Sopran wechselte, weil ihm ein Hannoveraner Grobian den Ball ins Gemächt betonierte, hat sich der Ägypter irgendwie schon auch verdient. Am Morgen vor dem Spiel machte sein kleiner Sohn nämlich die ersten drei Schritte auf eigenen Beinen, was Zidan natürlich "total berührt hat im Herzen."

Doch was macht der Mainzer Rabenvater dann? Klaut dem Kind den Schnuller! Um ihn zum Torjubel zu missbrauchen! Zu Recht fordert der Berufsverband der Einjährigen nun: Das Spiel mit 0:3 zu werten!

4. Apropos Strafe: Hieß es vor der Saison nicht mal, dass Textilvergehen zukünftig härter bestraft werden sollen? Konsequenterweise hätte dann aber doch Tim Wiese schon zu Anpfiff mit Gelb-Rot vom Platz gemusst! Die erste Verwarnung für die grüne Strumpfhose. Die zweite einfach so. Grundsätzlich.

5. Zugegeben: Was Borussia Mönchengladbach gegen Schalke spielte, war schon ziemlich sexy. Aber muss man deshalb gleich ein öffentlich-rechtliches Mikro nass machen? So wie ZDF-Mann Thomas Wark, dem offenbar das Höschen platzte, als sich Marco Reus und Harvard Nordtveit in der eigenen Hälfte das Bällchen hin und her schubsten: "Jetzt wissen Sie, warum man immer wieder von Borussia Barcelona spricht!" Ganz geile Alliteration an sich. Aber Borussia Barcelona? Noch nie zuvor gehört.

6. Gute Gründe: "Ich glaube nicht, dass es heute, wo es über Tempodribblings geht, ein Spiel für Michael Ballack gewesen wäre", sagte Leverkusens Trainer Robin Dutt vor dem Clash gegen Dortmund. Und tatsächlich ist das ja auch gar kein schlechter Grund, um einen 35-Jährigen Langstreckenläufer auszubooten. Allerdings nur dann, wenn man nicht gleichzeitig die Zaubermäuse Reinartz, Rolfes, Castro und Bender in sein Mittelfeld packt. Doch genau das tat Robin Dutt. Woraufhin Ballack prompt ein Geduldsfaden in der rechten Wade riss. Drei bis vier Wochen Pause. Vielleicht auch länger.

The next Uri Geller? Der Kölner Mentalist Pedro Geromel bei seinem missglückten Trick
The next Uri Geller? Der Kölner Mentalist Pedro Geromel bei seinem missglückten Trick
© Getty

7. Holt mich hier raus! Weil sich die Berliner für Samstagnachmittag mit großer Disziplin zu einem Flashmob "Bei Anpfiff: Freeze!" verabredet hatten, ist Michael Skibbe seinen Job bei der Hertha auch schon wieder los.

Nach Lage der Dinge muss der bis dato erfolgreichste aller Daltons-Brüder also vermutlich bald ins Camp ziehen und dort an ekligen Sachen lecken (z.B.: Sonja Zietlow, Dirk Bach, Frisur von Arnautovic).

Die Alternative Liste verliert damit einen gern gesehenen (und insgeheim geschätzten) Gast - und sagt ganz ehrlich: Junge, komm bald wieder! Wie wär's zum Beispiel in Hoffenheim?

8. Superstars privat: Dass Dortmunds Kevin Großkreutz im Augenblick mental nicht eben auf der Überholspur unterwegs ist, sah man deutlich an der versemmelten Großchance gegen Leverkusen. Aber woher kommt bloß diese plötzliche Verunsicherung? Kapitän Weidenfeller gab in der "Sport-Bild" Auskunft: Der Kevin wollte sich zum Jahreswechsel nämlich in einem Dortmunder Laden ein paar Silvesterböller kaufen. Und was sagt da die Kassiererin? "Darf ich mal ihren Ausweis sehen?"

9. Voodoo im Strafraum: Beim 1. FC Köln wäre die Stimmung diese Woche etwas weniger bedrückt, hätte Pedro Geromel den Lupfer von Paolo Guerrero kurz vor Schluss einfach von der Torlinie geköpft. Hat er aber nicht. Stattdessen versuchte der Unglückselige, das Ding ins Aus zu hexen. Mit Gesten wie Vincent Raven und einem Gesicht, als hätte er sich gerade beim Klistieren verletzt, kämpfte er gegen die Gesetze der Physik. Doch vergebens! 1:0 für Hamburg! Trotzdem eine große Show.

10. Apropos: Eine durchaus unterhaltsame Show lieferte auch das bekannte Dada-Duo Michael Leopold (Sky) und Felix Magath (VW) nach dem Spiel der Wölfe gegen Freiburg.

Vorhang auf:
Leopold: "War es laut in der Kabine zur Pause?"
Magath: "Nein. Leise."
Leopold: "Was haben Sie denn gesagt?"
Magath: "Wenig."
Leopold: "Und was genau?"
Magath: "Das ist für Sie nicht interessant."
Leopold: "Und für die Zuschauer?"
Magath: "Auch nicht."
Vorhang zu.

11. Nicht zu stoppen: Ebenfalls erbaulich war der Auftritt eines weiteren berühmten Komiker-Duos: Reiner & Calmund. Allerdings nicht für Moderator Sebastian Hellmann. Der verzweifelte nämlich schier beim dem Versuch, selbst einmal zu Wort zu kommen. "Aber das war doch gar nicht die Frage", unterbrach Hellmann. "Ich sag ja auch nur", antwortete Calmund und plapperte weiter. "Darf ich auch mal?", versuchte es der tapfere Sky-Mann weiter und packte Calli am Arm. Doch der Monolog ging weiter. Hellmann war ganz knapp davor, sein Gegenüber einfach umzugrätschen. Bis Calmund allerdings mit einer überraschenden Pointe schloss. Sein Rat an Lukas Podolski: "Einfach mal die Klappe halten."

Der 21. Spieltag im Überblick

Stefan Moser

Diskutieren Drucken Startseite
5. Spieltag
6. Spieltag

Bundesliga, 5. Spieltag

Bundesliga, 6. Spieltag

Die Bundesliga in Zahlen - Alle Opta-Daten zur Saison 2015/2016
Trend

Mats Hummels wechselt vom BVB zum FC Bayern. Richtige Entscheidung?

Ja
Nein

Fußballer sind Dadaisten! Die meisten verbal, manche auch optisch. Eine kleine Werkschau vom Wochenende - mit Flashmobs aus Berlin, einer Voodoo-Perfomance aus Köln und einem geplatzten Höschen auf der Tribüne.

www.performgroup.com
SPOX.com is owned and powered by digital sports media company PERFORM and provides sports fans in Germany
with outstanding coverage of a variety of sports from all the most influential leagues.