Jesus: "Ich bin ein Berliner"

Von Stefan Moser
Hertha BSC Berlin, Bundesliga
© Getty

Die Bundesliga spinnt ja schon seit längerem, doch an diesem 7. Spieltag sponn sie ganz besonders. Da fliegen Pflastersteine auf die Straße und ein Trainer hinterher, Maik Franz macht auf Mahatma Gandhi, Kuranyi trifft im Doppelpack und zuguterletzt ist die Tabelle auch ganz schief und krumm.

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Doch alles halb so schlimm! Der Fußballgott lässt seine Schäfchen nicht komplett alleine. Erbauliches und Religiöses vom vergangenen Wochenende - wie immer in der Alternativen Liste.

1. Jesus lebt: Dass Berlin mit 1:0 in Leverkusen gewann, obwohl die Statistik stolze 27 Torschüsse für Bayer auswies, rechtfertigt durchaus den Schluss: Hertha-Keeper Jaroslav Drobny hatte einen Sahne-Tag erwischt. Dass Trainer Lucien Favre aber hinterher den Blick zum Himmel hob und selig lispelte: "Heute hatten wir Jesus im Tor" - das wirft dann doch ein paar Fragen auf. Wurde Jaroslav etwa im Kuhstall geboren, hat er Weihnachten erfunden, wird er von Birkenstock gesponsert? Oder kann Drobny am Ende gar Blinde sehen und Lahme wieder laufen machen? Sollte Hertha sich am Ende für den internationalen Wettbewerb qualifizieren, wären wir unter Umständen bereit, das zu glauben...

2. Jesus lebt sogar in Karlsruhe: "Och", sagte der Bielefelder Nico Herzig in einem Zweikampf gegen Karlsruhes Maik Franz, "ich habe zwar keine Chance mehr auf den Ball, aber wo ich schon mal hier bin: Da tret ich doch den Blödmann einfach schön von hinten in die Knochen." Was er dann auch tat. Weil Schiri Weiner daraufhin nur Gelb zeigte, wurde Franz danach vors Mikrophon gezerrt und sensationslüstern gefragt: "Ist das nicht total fies?" Doch das Opfer gab sich generös: "Halb so wild, ich kann auch einstecken", hielt Franz - ganz drobnymäßig - auch die linke Wange hin.

3. Teufelskerl: Hoffenheim führte gegen Frankfurt mit 2:1, als kurz vor Schluss ein Ball von Eintracht-Verteidiger Marco Russ unaufhaltsam Richtung TSG-Tor segelte. Die Hessen rissen ihre Arme schon zum Jubel hoch, da kam Andreas Ibertsberger plötzlich waagerecht durch den Sechzehner geflogen.

Der Hoffenheimer trotzte den Gesetzen der Physik und denen seiner Wirbelsäule - und rettete per Flugkopfball den Sieg. Damit stellte er selbst Drobnys Leistung in den Schatten, denn in die fußballerische Bewertung dieser Rettungstat fließen mindestens noch drei ungünstige Faktoren als Handicap mit ein. Erstens: Ibertsberger ist nicht Gottes Sohn, zweitens fuchtelte ihm Torhüter Daniel Haas noch vor der Nase rum - und drittens: Der Mann ist Österreicher!

4. Noch ein Teufelskerl: Wir haben unsere Lehren ja gezogen. Anders als im letzten Jahr, so haben wir beschlossen, kommt Ze Roberto nur noch in die Alternative Liste wenn er doppelt trifft. Also bitte: Ze Roberto trifft doppelt. Konnte ja wirklich keiner ahnen!

5. It needs two for Tango: "Wer unter euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein", hat irgendwer einmal gesagt. Dem tragischen Tremolo nach zu urteilen war es entweder Drobny oder Andi Möller. Doch wer auch immer es war: In Gladbach glauben sie wohl weder an den einen noch an den anderen. Denn unschuldig sahen die Deppen beileibe nicht aus, die am Samstag Kölner Fan-Busse mit Pflastersteinen bombardierten. Leider waren jedoch auch etliche FC-Jünger durchaus auf Krawall gebürstet. Und so entstand ein äußerst atavistisches Durcheinander, in dem erwachsene Männer, wahlberechtigt und erziehungsbefugt, erst die Fassung und dann ihre Würde verloren.

6. Apropos Würde: Auch Jos Luhukay ist ein erwachsener Mann - und nach Maßstäben der Gladbach-Hools mithin im steinigungsfähigen Alter. Darum ist es zwar bedauerlich, dass er seinen Job als Trainer nach der Niederlage gegen Köln nun los ist. Doch immerhin: Im Zuge der Entlassung flog nur wenig Schlamm - und kein einziger Pflasterstein.

7. Noch ein kritisches Wort: Wo wir schon mal so besinnlich in der Bibel schmökern: Die hat ja durchaus auch ihre Schwächen, das Alte Testament zumal.

Der alte Noah mit der Arche beispielsweise muss ein sonderbarer Kauz gewesen sein. In der Sintflut ließ er Einhörner und Waldfeen elendig ersaufen und rettete stattdessen Tiere wie den Nacktmull und die Kellerassel. Und dazu noch diese ganz besonders widerliche Kreatur, die auf dem Kopf von Leverkusens Sascha Dum ihr Dasein fristet!

8. Zur Erbauung: Gute Nachrichten für Schalke 04! Beim 2:2 gegen Wolfsburg gaben gleich zwei Spieler ihr Comeback: Manuel Neuer und Kevin Kuranyi. Neuer fehlte wochenlang mit einem Bruch im Mittelfuß, Kuranyi fiel auch eine Weile aus, allerdings war sein Knacks eher mentaler Natur. Vom Glauben wär' der arme Mann fast abgefallen, weil er plötzlich nicht mal mehr per Kopf die Bälle traf. Doch hätte Gott gewollt, dass nur begabte Kicker in seriösen Sportvereinen die Erlösung widerfährt, dann hätte er ja Drobny wohl nicht ausgerechnet nach Berlin entsandt. Also schenkte Gott auch Königsblau die Gnade und servierte Kuranyi einen Doppelpack. Was nun weiterhin aus dessen Knacks wird, muss allerdings die Zeit erst zeigen...

9. Apropos Wolfsburg: Kennen Sie eigentlich Caiuby? Der Mann kommt aus Brasilien, gehört zum Kader des VfL, gab am Sonntag sein Bundesliga-Debüt und erlebte dabei einen ziemlich sonderbaren Abend. Nach 65 Minuten wurde er aufs Feld geschickt, nur acht Minuten später musste er schon wieder runter: Nach Ricardo Costas Platzverweis brauchte Felix Magath nämlich einen zusätzlichen Abwehrspieler.Doch Caiuby trug's mit Fassung. Grinsend setzte er sich zurück auf die Bank und stupste lässig die Kollegen an: "Ich war nur eben ganz kurz weg. Aber habt ihr gesehen? Hab ein Tor geschossen."

Ungelogen! Der 20-Jährige nutze nämlich gleich den allerersten Ballkontakt in seiner Bundesliga-Karriere und erzielte das 2:1 für Wolfsburg. Zum Glück für Schalke ließ er's nachher etwas lockerer angehen. Seine übrigen drei Ballkontakte blieben wirkungslos.

10. Noch so einer: Und kennen Sie auch Träsch? Christian Träsch: Der Stuttgarter machte gegen Bremen schon sein zweites Spiel für den VfB. Doch zum ersten Mal in seinem Leben schoss der 21-Jährige dabei auf ein Bundesliga-Tor. Und auch seine Statistik kann sich sehen lassen: Entfernung: 20 Meter, Geschwindigkeit: 112 km/h, Ergebnis: 2:0 für Stuttgart!

11. Apropos Trash: Ein schlechtes Wortspiel noch zum Schluss? Also gut (die Bayern haben es auch irgendwie verdient): Im Falle einer Bruchlandung dauert es exakt 80 Sekunden, um den neuen Airbus vollständig zu evakuieren. Das ergab ein Test, der vor dem Erstflug des A380 durchgeführt wurde: 853 Passagiere, 18 Besatzungsmitglieder sowie zwei Piloten zwängten sich dabei durch 16 Notausgänge, einer brach sich das Bein. Wahnsinn, oder? Und jetzt kommt's: Exakt 80 Sekunden dauert es auch nur, um die bayerische Siegessicherheit komplett zu evakuieren. Das ergab ein Test, den der VfL Bochum am Samstag in der Allianz Arena durchführte. Schlappe 80 Sekunden brauchten die Gäste nämlich nur, um das 1:3 noch in ein Unentschieden umzubiegen. Niemand brach sich dabei zwar die Beine - eine ordentliche Bruchlandung war es für die Münchner aber allemal.

Der 7. Spieltag der Bundesliga im Überblick

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