Sonntag, 10.02.2008

Bayern scheitern an sich selbst

Im Dickicht der Unzulänglichkeiten

München - Uli Hoeneß hat natürlich Recht. Der Bayern-Manager hat ja für gewöhnlich immer Recht, zumindest aus seiner eigenen Sicht.

© Getty

Letzte Woche hatte er wieder einmal angesprochen, was er in dieser Saison schon so oft anmahnen musste. "Wir sollten aufhören, immer Wunderdinge von unserer Mannschaft zu verlangen und Siege schlecht zu reden", hatte er nach dem 2:1-Sieg in Rostock in die Blöcke und Kameras diktiert.

Für den Schlager gegen Werder Bremen wurden also keine Wunderdinge erwartet, kein Zauberspektakel und auch kein 6:0. Aber doch wohl ein Sieg.

Es fehlt das Momentum

Daraus wurde nichts. Die Bayern vergaben eine große Chance, sich deutlich von der Konkurrenz abzusetzen und für eine Vorentscheidung in der Titelfrage zu sorgen. 

Was aber nicht unbedingt mit einem spektakulär starken Gegner zu tun hatte. Werder spielte, wie man mit einer besseren B-Elf bei den Bayern spielen muss. Schnörkellos, konzentriert, kompakt. Insgesamt ordentlich, mehr aber auch nicht.

Vielmehr hatten die Bayern das letztlich doch enttäuschende Remis einzig und allein sich selbst zuzuschreiben. Es war ja vor der Partie schon viel über das Fehlen von Franck Ribery gesprochen und orakelt worden.

Völlig zu Recht, wie die 90 Minuten von Fröttmaning eindrucksvoll unter Beweis stellten. Zu klar war die Überlegenheit der Bayern, zu harmlos die Bremer vor allem in der zweiten Halbzeit. Aber den Münchenern fehlt im Moment... das Momentum.

Kahn angefressen

"Wir rennen an, aber man hat nie das Gefühl: Jetzt fällt auch das Tor. Es fehlt der geniale Moment: Mal einen Freistoß über die Mauer in den Winkel oder aus einer Standardsituation heraus. Wir machen zu wenig aus unserer Überlegenheit", erkannte Oliver Kahn sehr richtig.

Er war der einzige aus seiner Mannschaft, der diesen Missstand offen aussprach.

Aber warum ist der Tabellenführer nicht in der Lage, einen offenbar unterlegenen Gegner auszuspielen oder zumindest zu entscheidenden Fehlern zu zwingen? Die Voraussetzungen hätten besser nicht sein können.

Werders Außenverteidiger Petri Pasanen und Dusko Tosic wirkten bisweilen völlig orientierungslos. Besonders der Serbe Tosic war für jedermann im Stadion schon nach wenigen Minuten als Schwachstelle der Bremer auszumachen.

Bremens Schwachstelle nicht erkannt

Die Bayern setzten diesem wunden Punkt mit ihrer rechten Seite aber nicht hartnäckig zu. Hamit Altintop suchte zu selten die Eins-zu-eins-Situation. Willy Sagnol blieb fast immer auf Höhe der Mittellinie stehen, anstatt Altintop zu hinterlaufen und so bis zur Grundlinie durchzudringen.

Das Münchener Spiel wirkte statisch und einfallslos. Und vor allem: Unflexibel. Keine Positionswechsel, kein Verschieben, kein plötzliches Pressing, kein Tempowechsel. Dazu kommen mit Sagnol und Philipp Lahm zwei Außenverteidiger, die auf der Suche nach ihrer Form sind und so nicht die notwendige Unterstützung für die Mittelfeldspieler anbieten.

Schweinsteiger zu blass

In diesem Zusammenhang muss man auch Ottmar Hitzfelds Personalentscheidungen hinterfragen. Wieder einmal bekam Bastian Schweinsteiger eine Chance. Wieder einmal konnte er sie nicht nutzen.

Der Nationalspieler dribbelte sich immer wieder an zwei, drei Gegnern fest, wo das schnelle Abspiel die weit bessere Option gewesen wäre. Ein Kardinalproblem, das dem 23-Jährigen schon seit Jahren anhaftet.

Zwar forderte er oft den Ball, was ihm hoch anzurechnen ist. Mit dem Terminus Effektivität sollte er sich aber auch mal eindringlich beschäftigen. Fazit: Hoher Aufwand, wenig Ertrag.

Dosiertes Risiko

Auf der Bank mussten die beiden Alternativen Jan Schlaudraff und Toni Kroos Platz nehmen. Offenbar traute sich Hitzfeld nicht, den unerfahrenen Kroos oder den lange verletzten Schlaudraff einfach mal ins Rennen zu werfen und vertraute lieber dem alt gedienten Schweinsteiger, den er damals vom Amateur zum Nationalspieler gemacht hatte.

Später wechselte Hitzfeld dreimal aus. Allerdings immer mit der ihm eigenen Zurückhaltung. Mit Kroos (für Schweinsteiger) und Lukas Podolski (für Klose) kam der erhoffte frische Wind aus dem Mittelfeld, die Variante mit dem offensiv deutliche stärkeren Altintop an Stelle von Sagnol rechts hinten und Jose Ernesto Sosa davor kam viel zu spät.

Das Risiko hielt Hitzfeld immer überschaubar. Aber wieso? Von den Bremern, bei denen Diego in der zweiten Halbzeit komplett abgemeldet war, ging überhaupt keine Gefahr mehr aus.

Große Chance vergeben

So konnte man die gefährlichen Aktionen der beiden ausgewiesenen Top-Torjäger Miro Klose und Luca Toni an einer Hand abzählen.

"Bei Klose hängt es an der Lockerheit. Ich wünsche mir, dass er mehr mitspielt. Er sucht zu sehr den Abschluss und geht zu sehr in die Spitze rein", beklagte Hitzfeld.

Erinnert verdächtig an die Ratschläge, die sich Roy Makaay während seiner Bayern-Zeit nur zu oft anhören musste. Vor ein paar Wochen forderte der Coach von eben jenem Klose noch mehr Eigensinn vor dem Tor...

De facto ging den Bayern der Killerinstinkt ab. Auch, weil ihnen der Mann gefehlt hat, "der immer mal wieder wichtige Dinge macht" (Hoeneß). Oder aber, weil dessen Kollegen sich im Dickicht der Unzulänglichkeiten verhedderten.

Stefan Rommel

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