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NFL

Free Agency 2012: Wie Peyton Manning sich für die Denver Broncos entschied

Von Jan Dafeld
Peyton Manning (r.) wurde von John Elway (l.) zu den Denver Broncos geholt.

Mit Tom Brady wird der womöglich beste Spieler aller Zeiten in diesem Jahr erstmals Free Agent, einer der spektakulärsten Wechsel der NFL-Geschichte könnte bevorstehen. Das weckt unweigerlich Erinnerungen an die Free Ageny 2012: Mit Peyton Manning verließ bereits damals eine der größten Legenden des Sports ihr Team, zahlreiche Franchises warben um die Dienste des Quarterbacks. Letztlich entschied sich Manning für die Denver Broncos - auch aufgrund eines weiteren Hall-of-Fame-Quarterbacks. Eine Nacherzählung.

Genau wie Brady im Jahr 2020 wurde auch Manning 2012 das erste Mal in seiner Karriere Free Agent - wenngleich unter unterschiedlichen Umständen.

14 Jahre hatte er zuvor für die Colts gespielt, ohne dass der Fortbestand dieser Beziehung jemals wirklich in Frage gestanden hätte.

Der Quarterback war bei den Colts nicht nur vier Mal zum MVP gewählt worden - mehr als jeder andere Spieler in der NFL-Geschichte - und hatte das Team 2007 zum ersten Super-Bowl-Sieg in der Geschichte von Indianapolis geführt. Mannings Bedeutung in Indiana ging noch weit darüber hinaus.

Er hatte Indianapolis aus einer reinen Basketball- und Motorsport-Hochburg zu einer passionierten Football-Stadt gemacht. Wäre er im Draft 1998 nicht bei den Colts gelandet und hätte so eine der erfolgreichsten Äras dieses Jahrtausends eingeläutet, hätte der Franchise womöglich ihr zweiter Umzug ihrer Geschichte bevorgestanden - weg aus Indiana.

Als Manning aufgrund seiner dritten Nackenoperation innerhalb von nur 19 Monaten die komplette NFL-Saison 2011 verpasste, gewann das Team nach neun Playoff-Teilnahmen und neun Saisons mit mindestens zehn Siegen in Serie gerade mal zwei Spiele und beendete die Spielzeit mit der schlechtesten Bilanz aller Teams in der NFL. Es war ein Sinnbild der Bedeutung Mannings für das Team.

Die Colts waren Peyton Manning, das Team nahezu vollständig von ihm abhängig, mehr als jede andere Franchise in der Liga. Als Indianapolis Mannings Entlassung verkündete, twitterte Tennis-Star Andy Roddick: "Dass die Colts Peyton entlassen, fühlt sich so an als würde der Nordpol Santa rauswerfen."

Indianapolis Colts: Andrew Luck als der perfekte Nachfolger

Allerdings: Bereits vor dem Auftreten von Mannings gravierenden Nackenproblemen wurde über die Zukunft der Colts philosophiert, über die Zeit nach Manning. Mindestens sieben Saisons in Serie hatte Indianapolis stets zu den besten Teams der Liga gezählt, nur zwei Jahre zuvor war Manning zum vierten Mal zum MVP gewählt worden. Und doch musste man der Realität ins Auge sehen: Im März 2011 wurde Manning 36 Jahre alt, seine Tage als einer der besten Quarterbacks der Liga schienen gezählt.

Ausgerechnet die monumentale Abhängigkeit der Franchise von ihrem Quarterback sollte ihr schließlich die perfekte Chance auf den Beginn einer neuen Ära präsentieren. Eine Ära ohne Peyton Manning. Das fatale Abschneiden mit nur zwei Siegen und 14 Niederlagen in der Saison 2011 bescherte den Colts nach Jahren als einer der besten Franchises der Liga urplötzlich den ersten Pick im Draft. Und das in einem Jahr, in dem sich mit Andrew Luck das größte Quarterback-Talent seit Jahren, ja, seit Jahrzehnten, für den Draft angemeldet hatte.

Den Colts bot sich somit die in der NFL so gut wie nie existente Möglichkeit, von einer vielversprechenden Ära gleich in die nächste überzugehen, von einem der größten Quarterbacks aller Zeiten zu einem der größten Quarterback-Talente aller Zeiten zu wechseln - und das völlig ohne Wartezeit oder ein längeres Tal durchlaufen zu müssen.

Hätte das Team nicht den ersten Pick im Draft erhalten, hätte es in der Vorsaison nur ein Spiel mehr gewonnen, wäre Manning womöglich in Indianapolis geblieben und hätte seine Karriere bei den Colts beendet, ohne jemals das Trikot ein anderen Teams getragen zu haben. Die NFL-Geschichte der folgenden Jahre hätte komplett anders verlaufen können.

Doch die Chance auf Andrew Luck zerschlug diesen Traum aller NFL-Romantiker.

Manning: "Ich verlasse die Colts mit nichts als guten Gedanken"

Und so kam es schließlich zu einer Trennung, die - trotz Mannings riesiger Verdienste rund um die Franchise der Colts - für alle Seiten akzeptabel und nachvollziehbar erschien, auch wenn die Entscheidung Teambesitzer Jim Irsay alles andere als leicht gefallen sein dürfte.

Als einen "schwierigen Tag geteilten Leids" beschrieb Irsay den Tag von Mannings Verabschiedung. "Es wird keinen anderen Peyton Manning geben", sagte er mit Tränen in den Augen. "Das Trikot mit der Nummer 18 wird nie wieder getragen werden."

Auch Manning, der unmittelbar nach Irsay vor die Reporter trat, konnte seine Tränen nicht zurückhalten. "Ich verlasse die Colts mit nichts als guten Gedanken", so Manning, der selbst zugab: "Unter diesen Umständen ist es das beste für uns alle, den nächsten Schritt zu machen."

Kein Nachtreten, keine unterschwellige Kritik. "Wir wissen alle, dass im Leben und im Sport nichts für immer bleibt", sagte Manning mit wackliger Stimme. "Die Zeiten ändern sich, Umstände ändern sich, das ist die Realität in der NFL. Jim und ich haben ausführlich darüber gesprochen, wo wir heute stehen und unsere Unterhaltungen haben uns beide an den Punkt gebracht, an dem wir realisieren, dass es für beide am besten ist, den nächsten Schritt zu machen."

"Das war nicht leicht für Jim und es war definitiv nicht leicht für mich."

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