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NBA - Milwaukee Bucks nach chaotischer Free Agency: Der letzte Dominostein entscheidet

Giannis Antetokounmpo kann in dieser Offseason eine vorzeitige Vertragsverlängerung unterschreiben - ansonsten wird er 2021 Free Agent.

Die Milwaukee Bucks sorgten in der Offseason für eine Menge Schlagzeilen - und das nicht immer in positiver Hinsicht. Der geplatzte Deal um Bogdan Bogdanovic war nicht das einzige Fiasko in der Free Agency und dennoch haben sich die Bucks verstärkt. Ob die Offseason ein Erfolg war, hängt aber weiterhin von einem entscheidenden Dominostein ab.

Die heiße Phase der Free Agency ist abgeflacht, jetzt heißt es für die Milwaukee Bucks warten. Warten auf die wohl wichtigste Entscheidung der jüngeren Franchise-Geschichte, die die Verantwortlichen um General Manager Jon Horst jedoch nicht direkt beeinflussen können. Sie warten auf den nächsten Schritt von Giannis Antetokounmpo.

Der 25-Jährige hält sich derzeit in seiner griechischen Heimat auf, dort bereitet er sich auf die kommende Saison vor. Kurz vor dem Start des Training Camps am 1. Dezember steht seine Rückkehr nach Wisconsin auf dem Programm. Horst wird den Greek Freak sicherlich am Flughafen empfangen, in der einen Hand einen Willkommens-Gruß, in der anderen einen unterschriftsreifen Vertrag.

Dieser Kontrakt sieht vor, Antetokounmpo ab 2021 für weitere fünf Jahre und circa 228 Millionen Dollar in der Bierstadt zu halten. Giannis hat bis zum 21. Dezember, einen Tag vor dem Saisonstart, Zeit, die vorzeitige Vertragsverlängerung zu unterschreiben. Tut er dies nicht, wird er im Sommer 2021 Unrestricted Free Agent - genau für dieses Szenario bringen sich schon seit geraumer Zeit rivalisierende Teams wie die Dallas Mavericks in Stellung.

Der Plan von GM Horst und Besitzer Marc Lasry für die Offseason sah deshalb vor, ein klares Zeichen an Giannis zu senden. Nach der neuerlichen Playoff-Enttäuschung in der Disney-Bubble sollten Kader-Veränderungen her, um einen echten Titelanwärter um den zweifachen MVP aufzubauen. Eine verkorkste Free Agency durfte sich Milwaukee nicht erlauben. Doch nach dem Fiasko um den Bogdan-Bogdanovic-Deal drohte genau das.

NBA Free Agency: Giannis umwarb Bogdanovic

Der 28-Jährige war eines der Hauptziele der Bucks in der Offseason. Über Monate hinweg soll Thanasis Antetokounmpo, Giannis' älterer Bruder und Bucks-Forward, in Kontakt mit Bogdanovic gestanden haben, um dem Guard eine Zukunft in Milwaukee schmackhaft zu machen. Das berichtet zumindest Jake Fischer von Bleacher Report.

Demnach machte auch Giannis in mehreren Telefonaten deutlich, dass er den Serben gerne an seiner Seite sehen würde. Sein Wunsch schien sich Anfang der vergangenen Woche zu erfüllen, als Berichte die Runde machten, dass sich die Bucks und Sacramento Kings auf einen Sign-and-Trade-Deal um den Restricted Free Agent geeinigt hätten.

Das Problem: Der angeblich fixe Deal wurde fast eine Woche vor dem Start der Free Agency vereinbart. Laut Regularien durfte Milwaukee also noch gar keine Verhandlungen führen - das Lager von Bogdanovic beharrt darauf, dass es auch keine Verhandlungen gab -, ohne Einigung mit dem Kings-Guard kann es allerdings auch keinen Sign-and-Trade geben.

Zwei Tage später deutete sich an, dass der Deal platzen wird. Wiederum 24 Stunden später leitete die NBA eine Untersuchung der Vorgänge ein - und verschickte ein Memo an die 30 Teams mit einem Hinweis auf die Tampering-Regeln. Und eine Warnung: Bei Missachtung drohen angeblich Strafen von bis zu zehn Millionen Dollar oder der Verlust von Draft-Picks.

Bogdanovic bei den Bucks: Das perfekte Puzzleteil?

Die in dem Deal involvierten Spieler waren laut Fischer zu diesem Zeitpunkt schon längst über den geplanten Trade informiert, angeblich war ein Bucks-Spieler bereits auf Immobilien-Suche in Kalifornien. Doch der Deal war vom Tisch. Zu groß war die Sorge vor einer Bestrafung seitens der Liga, nachdem Bleacher Report zufolge mindestens ein rivalisierendes Team offiziell Beschwerde eingelegt hatte.

Kurz nach dem Start der Free Agency schlugen die Atlanta Hawks bei Bogdanovic zu und hievten sich so in die Riege der Playoff-Anwärter. Eine Championship wird er mit Trae Young und Co. in naher Zukunft nicht gewinnen, bei den Bucks hätte er dagegen das letzte Puzzleteil für einen tiefen Playoff-Run sein sollen.

Eine Verpflichtung von Bogdanovic war angeblich das Lieblings-Offseason-Ziel von Giannis, der offenbar einerseits "die europäische Toughness und den Swagger" des Serben und andererseits dessen sportlichen Fit in Milwaukee schätzte. Seine Qualitäten als Shooter und Playmaker sind genau das, was die Bucks suchten, seine Schwächen in der Defense hätte das Team um DPOY Giannis sicherlich gut verstecken können.

Viel wichtiger: Mit Bogdanovic wären vier der fünf Positionen in einem Crunchtime-Lineup der Bucks hochkarätig besetzt gewesen. Giannis und Khris Middleton sind ohnehin gesetzt, dazu im Backcourt Bogdanovic und Jrue Holiday, dessen Trade nach Milwaukee immerhin durchgewunken wurde. Statt nur einer Variablen in dieser Gleichung gibt es nun aber zwei.

Bucks in der Offseason: Neuzugänge mit Fragezeichen

Ein Upgrade gelang den Bucks auf der Position des Point Guards. Tauchte Eric Bledsoe in den vergangenen Jahren immer wieder in den Playoffs ab, hat man sich in Holiday einen verlässlichen Ersatz geholt. Der 30-Jährige ist einer der besten Two-Way-Player der Liga, der großes Interesse auf dem Trade-Markt auf sich zog.

Da neben Bledsoe auch George Hill das Team im Holiday-Trade verließ, verpflichtete Milwaukee D.J. Augustin als neuen Backup auf der Eins. Der ehemalige Magic-Guard hat seine Stärken im Pick'n'Roll - ein Zusammenspiel mit Giannis klingt genau wie bei Holiday äußerst vielversprechend - und trifft über seine Karriere 37,9 Prozent von Downtown. Allerdings werden gegnerische Teams ihn in der Defense attackieren und 21 Mio. Dollar über drei Jahre ist schon sehr viel Geld für einen 33-Jährigen Bankspieler. Immerhin ist das letzte Vertragsjahr nicht komplett garantiert.

Mit den weiteren Zugängen füllte GM Horst die Bank auf. Dabei waren ihm finanziell weitestgehend die Hände gebunden, da er nach den Holiday- und Augustin-Deals unter einem Hard Cap arbeiten musste. So holte er in Bryn Forbes einen guten Shooter, der aber sonst wenig liefert - und vor allem defensiv ein Problem darstellt. Torrey Craig ist das genaue Gegenteil, ein hartnäckiger Verteidiger ohne Waffen-Arsenal in der Offense.

Und Bobby Portis bringt wiederum Fragezeichen in der Defense mit, auch wenn er am anderen Ende des Courts von einer klar definierten Rolle bei einem Titelanwärter profitierten könnte. All das klingt bei Weitem nicht so gut wie der Fit eines Bogdan Bogdanovic.

Bucks: Wer komplementiert das Crunchtime-Lineup?

Doch von der Vorstellung von Bogdanovic bei den Bucks muss man sich verabschieden, auch Giannis. Für den scheint ohnehin nur die Frage entscheidend, ob er mit diesem Team den Titel gewinnen kann oder nicht. Sind die Bucks mit dem jetzigen Kader also besser als vergangene Saison?

Das beste Team der regulären Saison 2019/20 hat in der Offseason etwas an Tiefe eingebüßt, dafür an der Spitze an Stärke dazugewonnen. Die Offense mit Holiday als zusätzlichem Ballhandler wird besser um Giannis funktionieren, als es in der Vergangenheit der Fall war. Die Defense wird mit dem amtierenden DPOY und Brook Lopez weiterhin elitär sein. Entsprechend steht einer starken regulären Saison nichts im Wege.

Doch die Krux an der Sache sind die Playoffs. Zweimal in Folge verfehlte Milwaukee nun bereits die selbstgesteckten Ziele in der Postseason, 2020 war sogar bereits in Runde zwei nach fünf Spielen gegen die Miami Heat Schluss. Aufgrund der schwächeren Tiefe des Kaders wird Coach Mike Budenholzer wahrscheinlich gezwungen sein, seinen Stars mehr Spielzeit zu geben - das war einer der Kritikpunkte in der vergangenen Saison.

Doch wer komplementiert das Crunchtime-Lineup, wenn Giannis auf die Fünf und Lopez auf die Bank rückt? Donte DiVincenzo oder Pat Connaughton, dessen Vertragsverlängerung ebenfalls alles andere als stolperfrei zustande kam, sind gute Defensiv-Optionen, die aber an ihrem Shooting feilen müssen. Gleiches gilt für Craig, während Portis oder Forbes zumindest Spacing liefern würden. Neben Holiday und Middleton wird Budenholzer im Laufe der Saison hier eine Lösung finden müssen.

Milwaukee Bucks: Mit Giannis zum Titel?

Auf dem Papier haben die Bucks dennoch ein besseres Team beisammen als in der vergangenen Saison. Dass dafür im Holiday-Trade drei zukünftige Erstrunden-Picks und zwei Pick-Swaps abgegeben wurden, war ein notwendiges Übel. Sollte Giannis tatsächlich seinen Vertrag verlängern, dann werden die Picks ohnehin regelmäßig am Ende der ersten Runde landen.

Vor gut eineinhalb Wochen, nach Bekanntwerden des Holiday- und des Bogdanovic-Deals, herrschte in der Bierstadt großer Optimismus, dass Antetokounmpos Unterschrift nur noch Formsache sei. Mittlerweile ist zu hören, dass die Bucks-Verantwortlichen etwas vorsichtiger geworden sind. Dennoch stehen die Chancen mehreren Insidern zufolge gut, dass Giannis langfristig in Milwaukee bleiben und mit den Bucks um Championships kämpfen wird.

Auch die bisherige Offseason der Bucks war kein Desaster, sondern gespickt mit sinnvollen Moves. Wenn es gut läuft, dann ist das Bogdanovic-Fiasko schneller vergessen, als Jon Horst "Restricted Free Agent" sagen kann.

Die Milwaukee Bucks in der Offseason: Die Zu- und Abgänge

ZugängeAbgänge
Jrue HolidayEric Bledsoe
D.J. AugustinGeorge Hill
Bobby PortisWesley Matthews
Torrey CraigSterling Brown
Bryn ForbesRobin Lopez
Jordan Nwora (Nr.45-Pick)Kyle Korver
Sam Merrill (Nr.60-Pick)Frank Mason
Jaylen Adams (Two-Way-Contract)Cameron Reynolds
Ersan Ilyasova
Marvin Williams
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