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NBA - Atlanta Hawks nehmen nach der Free Agency die Playoffs ins Visier: Nicht kleckern, sondern klotzen!

Die Atlanta Hawks wollen nach drei Jahren Abstinenz wieder einen Angriff auf die Playoffs starten.

Mit Bogdan Bogdanovic und Danilo Gallinari haben sich die Atlanta Hawks zwei der größten Namen der Free Agency 2020 geschnappt und waren auch sonst sehr aktiv. Mit Defense, Shooting und Tiefe haben die Hawks die drei größten Schwachstellen der Vorsaison adressiert. Haben Trae Young und Co. nun das Zeug zum Playoff-Anwärter?

Mitte Dezember 2019, keine zwei Monaten war die neue Saison alt, hatte sich bereits eine Menge Frustration bei Trae Young angestaut. Nachdem seine Hawks elf von 13 Spielen teils mehr als deutlich verloren hatten, kam es offenbar zu einem emotionalen Ausbruch des 22-Jährigen in der Kabine, wie Shams Charania von The Athletic damals berichtete.

Sportlich gesehen hatte dieser angebliche Wutausbruch keinerlei positive Auswirkungen auf das Team. Atlanta verlor stattdessen in einer Phase Mitte des Monats zehn Spiele am Stück, insgesamt sammelten die Hawks 2019/20 20 Siege aus 67 Partien. Damit reihte sich die verkürzte Spielzeit nahtlos in die enttäuschenden Vorsaisons mit 24 beziehungsweise 29 Siegen ein.

Gefühlt eine Ewigkeit, faktisch aber noch nicht einmal ein Jahr liegt diese Episode nun schon in der Vergangenheit, in der Zwischenzeit machte eine globale Pandemie ein reguläres Saisonende unmöglich, mussten die Hawks tatenlos mit ansehen, wie 22 Teams in der Disney-Bubble um die Playoffs kämpften, und versprach ein hochrangiger Verantwortlicher aus dem Front Office Young einen schon bald deutlich verbesserten Kader.

Spätestens mit der Free Agency 2020 haben die Hawks dieses Versprechen an ihren Franchise-Star eingelöst. Mit dem Deal mit Restricted Free Agent Bogdan Bogdanovic setze General Manager Travis Schlenk das Sahnehäubchen auf eine gelungene Kaderumstrukturierung, die offenbar auch Young gefiel. "It's go time!", twitterte der Point Guard vergangene Nacht das Motto für die kommende Saison.

Atlanta Hawks: Zum Glück ein Ost-Team

In seinem Tweet markierte Young das Profil von Bogdanovic, der direkt mit einem simplen "Let's work" (und drei Ausrufezeichen) antwortete. Das Ziel, für das der Serbe und seine neuen Teamkollegen kommende Saison arbeiten werden, ist klar formuliert: Die Playoffs sollen her.

Dafür münzten die Hawks jede Menge Cap Space in einen beeindruckenden Free-Agency-Fang um, der neben Bogdanovic unter anderem Danilo Gallinari (3 Jahre / 61,5 Mio. Dollar), Rajon Rondo (2 Jahre / 15 Mio. Dollar), Kris Dunn (2 Jahre / 10 Mio. Dollar) und Solomon Hill (1 Jahr / 1,6 Mio. Dollar) umfasste. Im Draft kam an sechster Position Center Onyeka Okongwu, zudem stieß bereits in der vergangenen Saison Clint Capela via Trade aus Houston zum Team. Verletzungsbedingt hat er aber noch kein Spiel im Hawks-Trikot absolviert, auch er ist also quasi ein Neuzugang.

Neben den Suns und deren Trade für Chris Paul sind die Hawks wohl das Nicht-Playoff-Team der vergangenen Saison, das in der Offseason am meisten getan hat, um diesen Umstand zu ändern. Im Gegensatz zum hart umkämpften Westen ist in der Eastern Conference die Hürde zur Postseason relativ niedrig. Der Weg für die Hawks scheint geebnet.

NBA Free Agency: Hawks bedienen sich bei den Kings

Dass Atlanta Bogdanovic von den Kings abwerben konnte, ist der beste Schachzug von GM Schlenk in dieser Offseason. Der 28 Jahre alte Guard zog eine Menge Interesse auf sich, vornehmlich von den Milwaukee Bucks, die aber wohl etwas vorschnell einen Sign-and-Trade mit den Kings einfädelten. Der Deal platzte, mittlerweile haben die Bucks ob des Bogdanovic-Fiaskos eine Untersuchung der Liga am Hals.

Die Hawks nutzten dies geschickt aus. Bogdanovic unterschrieb ein Offer Sheet mit gleich mehreren eingebauten Stolpersteinen für Sacramento, die mit dem Angebot hätten gleichziehen und somit den Restricted Free Agent halten können. Neben den vier Jahren und 72 Millionen Dollar inkludiert der Vertrag auch einen 15-prozentigen Trade-Kicker, den das abgebende Team zahlen muss.

Soll heißen: Hätten die Kings, die mit De'Aaron Fox und Buddy Hield ohnehin schon einen teuren Backcourt ihr Eigen nennen, versucht, Bogdanovic zu einem späteren Zeitpunkt zu traden, wäre es teuer geworden. Mal ganz abgesehen davon, dass der Serbe dank einer No-Trade-Klausel in seinem ersten Jahr sowieso nicht ohne sein Einverständnis verschifft werden darf.

Letztlich ließen die Kings den 27. Pick des Drafts 2014, der erst drei Jahre später sein Debüt in der Association feierte, ziehen. Bogdanovic hat das Potenzial, Atlantas Offense auf ein neues Level zu heben. Er kann Würfe für sich selbst kreieren, ist ein hervorragender Schütze sowie ein guter Playmaker, der Young entlasten und auch mal ein Spiel selbst übernehmen kann.

Letzterer sollte künftig mehr Freiräume bekommen, da gegnerische Defenses nicht mehr ungestraft davonkommen, wenn sie beständig Double Teams auf den Point Guard ansetzen. Auch Off-Ball wird Young wohl vermehrt zum Einsatz kommen, um Screens jagen und Dreier durch die Reuse schweißen. Natürlich ist auch Bogdanovic eine Off-Ball-Gefahr, aus dem Catch-and-Shoot traf er vergangene Saison 40,7 Prozent seiner Triples (bei 5 Versuchen pro Spiel).

Atlanta Hawks: Veteranen für den Playoff-Push

Bogdanovic stellt ein klares Upgrade auf Shooting Guard zu Kevin Huerter, der vergangene Saison 48 Spiele startete, dar. Nachdem GM Schlenk sich in der Free Agency auch Rondo und Dunn angelte passt auch die Tiefe im Backcourt. Letzterer bringt dringend benötigte Defense - definitiv nicht das Steckenpferd von Young und Bogdanovic - und das auf All-NBA-Niveau, auch wenn er am anderen Ende des Courts kein Faktor ist. Das muss er in diesem Team aber auch nicht zwingend sein.

Rondo übernimmt derweil die Rolle als Mentor für Young. Bereits bei seinen letzten Stationen vor dem Lakers-Gig in New Orleans oder Chicago schwärmten die jeweiligen Youngster von den Tipps des 34-Jährigen, der zudem die Erfahrung aus zwei Championship-Runs mitbringt. Wie viel von ihm sportlich in der regulären Saison wirklich zu sehen sein wird, bleibt allerdings abzuwarten. Auch bei den Lakers drehte Playoff-Rondo erst in der Postseason auf.

Deutlich mehr Verlass ist Abend für Abend auf Gallinari. Der Italiener hatte eigentlich vor, mit einem Contender auf Titeljagd zu gehen. Letztlich waren gut 20 Millionen Dollar pro Jahr auf dem Konto aber wohl zu verlockend. Die Verpflichtung des Forwards adressiert die neben der Defense wohl größte Schwachstelle der Hawks aus dem vergangenen Jahr: das Shooting.

Atlanta beendete die reguläre Saison mit einer Dreierquote von 33,3 Prozent und damit abgeschlagen auf dem letzten Platz der kompletten NBA. Gallinari wird in dieser Hinsicht sofort weiterhelfen können, in 2019/20 versenkte er elitäre 40,5 Prozent seiner 7,1 Versuche von Downtown. Das Trio Young, Bogdanovic und Gallinari strotzt nur so vor Firepower.

Atlanta Hawks: Was passiert mit John Collins?

Gleichzeitig dürfte jedem Defensiv-Fanatiker bei diesem Triumvirat Angst und Bange werden. Für dieses Problem sind auch Hill oder Tony Snell, der im Dewayne-Dedmon-Trade von den Pistons kam, keine adäquaten Lösungen, sie bringen aber Tiefe und weiteres Shooting auf dem Flügel. Entsprechend wird viel Defensiv-Arbeit unter dem Ring auf Capela und Rookie Okongwu, immerhin einer der besten Verteidiger des Jahrgangs, zukommen.

Als Starting-Small-Forward wird wohl Cam Reddish in die Saison gehen, auf den ebenfalls vornehmlich Defensiv-Aufgaben zukommen werden und von dem ein Schritt nach vorne bei seinem Dreier erwartet wird (32,2 Prozent von Downtown in seiner Rookie-Saison). Gallinari ist in der modernen NBA definitiv besser auf der Vier aufgehoben, dadurch drängt sich die Frage auf: Was passiert mit John Collins?

Der Power Forward legte vergangene Saison Karrierebestwerte bei den Punkten (21,6) und Rebounds (10,1) auf und wird in dieser Offseason eine vorzeitige Verlängerung oder spätestens im Sommer 2021 als Restricted Free Agent einen kräftigen Zahltag erwarten. Freundet sich der 23-Jährige mit einer Rolle von der Bank an oder wird er sogar im Laufe der Saison getradet?

Die Hawks nach der Free Agency: Es bleiben Fragezeichen

Generell bleiben Fragezeichen, wie sich die aggressiven Moves in der Offseason auf die Entwicklung der jungen Talente der Hawks auswirken. Collins, Huerter (22), Reddish (21) und De'Andre Hunter (22) - allesamt Erstrundenpicks aus den vergangen Jahren - drohen in die zweite Reihe verdrängt zu werden. Ihre Entwicklung sollte nicht außer Acht gelassen werden.

Head Coach Lloyd Pierce wird kommende Saison also einen Spagat meistern müssen, den jungen Spielern weiter Raum für Fehler einzugestehen und gleichzeitig einen Playoff-Anwärter aufs Feld zu schicken. Im Gegensatz zu Gallinari und Rondo passt Bogdanovic mit seinen 28 Jahren immerhin recht gut in die Timeline der Hawks, um mit dem jungen Kern zu wachsen.

Langfristig gesehen sind die anderen beiden, die spätestens nach drei Jahren auch schon wieder aus den Hawks-Büchern gestrichen werden, kein Teil der Zukunft. Kurzfristig helfen sie dem Team aber definitiv weiter. Die Playoffs sind für Trae Young und Co. tatsächlich zum Greifen nahe. Es wäre ein guter Schritt in die richtige Richtung.

NBA: Der Kader der Atlanta Hawks in der Saison 2020/21

Point GuardShooting GuardSmall ForwardPower ForwardCenter
Trae YoungBogdan BogdanovicCam ReddishDanilo GallinariClint Capela
Rajon RondoKevin HuerterDe'Andre HunterJohn CollinsOnyeka Okongwu
Kris DunnTony SnellSolomon Hill Bruno Fernando
Brandon Goodwin
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