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Olympia

Olympische Spiele in Peking - DOSB-Boss Thomas Weikert im Interview: "Ein Sportministerium würde Deutschland guttun"

Seit Anfang Dezember ist Thomas Weikert der neue Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Sie haben angesprochen, dass Peking auch ein Resultat dessen ist, dass die Menschen in klassischen Winterregionen sich gegen die Spiele gestellt haben. Wie steht es um eine weitere deutsche Bewerbung?

Weikert: Aktuell befinden wir uns noch in einer Phase der Aufarbeitung der zuletzt gescheiterten Bewerbungen. Wir schauen uns genau an, was gut war, was schlecht lief, welche entscheidenden Fehler gemacht wurden und wie unsere Chancen in der Zukunft stehen. Danach werden wir uns ganz genau überlegen, ob und wann eine neue Bewerbung Sinn ergibt. Ich kann ihnen aber verraten, dass ich persönlich davon überzeugt bin, dass wir uns bewerben werden. Entscheidend wird dann aber sein, dass wir die Bevölkerung hinter eine Bewerbung bekommen. Ohne die Menschen keine Bewerbung, das ist klar. Das gilt dann ebenso für Politik und Wirtschaft. Wir müssen noch besser überzeugen und den Menschen vermitteln, dass Olympia zwar unmittelbare Kosten bedeutet, aber dass die Vorteile klar überwiegen. Sei es im infrastrukturellen Bereich oder auch im gesellschaftlichen. München 1972 war so viel mehr für die Stadt und für Deutschland als "nur" die Austragung der Olympischen Spiele, daraus ist zum Beispiel die "Trimm-dich"-Bewegung entstanden.

Heute entsteht aus Olympia eher nur Gigantismus, siehe die größte Skisprungschanze der Welt in Peking.

Weikert: Wie angesprochen, ich glaube, dass hier bereits ein Wandel eingesetzt hat und dass die Menschen, wenn man ihnen das klarmacht, sich auch wieder für eine Bewerbung begeistern lassen. Dazu muss sie auch nachhaltig sein. Wir hätten bereits Schanzen.

Die Winterspiele 2030 sind noch nicht vergeben.

Weikert: Ich kann ihnen nicht sagen, ob das zu früh ist oder nicht. Das müssen wir abwarten. Aber ich will es mal so sagen: Ich bin 60 Jahre alt und ich bin zuversichtlich, dass ich noch einmal Olympische Spiele in Deutschland erleben werde. (lacht)

Weikert über Peking-Ziele: "Zwischen Rang zwei und sechs"

Sie haben auch die Rolle der Politik angesprochen bei einer Bewerbung. Warum hat die Sportnation Deutschland auch 2022 immer noch kein eigenständiges Sportministerium?

Weikert: Das ist eine sehr gute Frage, die ich mir auch schon oft gestellt habe. Ein Sportministerium würde Deutschland guttun. Deshalb glaube ich, dass das eine Idee ist, die man diskutieren kann. Im Moment aber arbeiten wir gemeinsam in den Strukturen, die wir haben, und ich bin sehr froh, dass die Eindrücke und der Austausch da nach meiner Wahl sehr gut sind. Ich habe den Eindruck, dass man uns zuhört.

Haben Sie auch den Eindruck, dass die Leistungssportförderung in Deutschland auf dem Niveau ist, dass Deutschland langfristig bei Olympischen Spielen noch weit oben im Medaillenspiegel zu finden sein wird?

Weikert: Die ehrliche Antwort ist, dass ich das noch nicht abschließend bewerten kann. Vieles war mir bekannt, doch vieles muss ich mir jetzt auch aus der Binnenperspektive erarbeiten. Das wird nach Peking aber auf jeden Fall auf den Tisch kommen, weil es, wie Sie zurecht sagen, ein elementarer Punkt ist. Was ich auf jeden Fall weiß, ist, dass wir uns um die Trainerfrage kümmern müssen. Das ist ein ganz großes Thema. Bessere Bezahlung, keine Kettenarbeitsverträge, bessere Arbeitsbedingungen, keine begrenzte Förderung nur für den Olympia-Zyklus - da ist viel Luft nach oben und da müssen wir ran. Und die Trainerthematik ist sicher auch ein Schlüssel für das gesamte Thema der Leistungssportförderung.

Bei Sommerspielen geht der Trend nach unten im Medaillenspiegel, im Winter sollte es noch besser aussehen für Deutschland. Was erwarten Sie von Peking?

Weikert: Ich orientiere mich an der Aussage von Dirk Schimmelpfennig, der meinte, wir sollten irgendwo zwischen Sotschi und Pyeongchang landen. Also zwischen Rang zwei und sechs. Wenn wir das schaffen, wäre ich sehr zufrieden und das halte ich auch für ein realistisches Ziel. Die bisherigen Leistungen in der Wintersportsaison geben diesen Optimismus her.

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