Verletzt statt wichtig - und bald weg? Die komplizierte Situation von Matthijs de Ligt beim FC Bayern München

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Matthijs de Ligt bleibt der größte Pechvogel des FC Bayern München: Nach einer Hinrunde zum Vergessen bot sich dem 24-jährigen Innenverteidiger zum Rückrundenstart die große Chance zur Rehabilitation - doch nun fällt er erneut verletzt aus. Ungewiss ist auch seine langfristige Zukunft.

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Während der FC Bayern weiterhin um den größten Spieler seiner Geschichte trauert, spitzt sich die Personalsituation in dessen ehemaligem Regentschaftsgebiet zu. Wo Kaiser Franz Beckenbauer einst den Ton angab, herrscht aktuell eine großen Baustelle: im zentralen Defensivbereich.

Eine Bestandsaufnahme am Dienstag, den 16. Januar 2024: Min-Jae Kim weilt mit Südkoreas Nationalmannschaft beim Asien-Cup, Matthijs de Ligt und Dayot Upamecano verpassen die angesetzte Trainingseinheit, Neuzugang Eric Dier reist aufgrund der bevorstehenden Geburt seines ersten Kindes aus dem Trainingslager in Portugal ab, Nachwuchshoffnung Tarek Buchmann fehlt mit einem Muskelbündelriss verletzt.

Und nun, Thomas Tuchel? Je nach Turnierverlauf (Finale am 10. Februar) verpasst Kim noch bis zu vier Pflichtspiele seines Vereins. Upamecano und Dier dürften am Sonntag gegen Werder Bremen wieder einsatzbereit sein, als Alternative käme der während der Hinrunde kurzerhand zum Aushilfs-Innenverteidiger umgeschulte Leon Goretzka in Frage. De Ligt fällt mit einer Kapselverletzung im linken Knie unterdessen wohl vorerst aus, laut Sky voraussichtlich eine Woche.

Damit untermauert der 24-jährige Niederländer seinen Status als größter Pechvogel des FC Bayern in dieser Saison. Gerade erst von einem Innenbandanriss genesen, hatte de Ligt beim Rückrundenauftakt gegen die TSG Hoffenheim am Freitag (3:0) nach über zwei Monaten sein Startelf-Comeback gefeiert. Obwohl er am Mittwoch wieder ins Lauftraining einstieg, ist ein Einsatz gegen den SVW zumindest fraglich.

In Kims Abwesenheit hätte de Ligt eigentlich die große Chance gehabt, sich nachhaltig in die Startelf zurückzukämpfen, wieder wichtig zu werden. In der Hinrunde war de Ligt - auch, aber nicht nur verletzungsbedingt - schließlich meist Reservist hinter Kim und Upamecano. Unverhofft nutzen könnte de Ligts Chance nun Neuzugang Dier, der in dieser Saison für seinen Ex-Klub Tottenham Hotspur erst 198 Pflichtspielminuten absolviert hat.

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Vom Abwehrchef zum Reservisten: Matthijs de Ligt beim FC Bayern

Für de Ligt setzt sich mit der neuerlichen Verletzung eine Seuchensaison fort. Im Sommer 2022 für 67 Millionen Euro von Juventus Turin verpflichtet, war der Niederländer unter Trainer Julian Nagelsmann direkt zum Abwehrchef avanciert. Legendär seine Grätsche gegen Paris Saint-Germain.

Im Juni verletzte er sich aber bei der niederländischen Nationalmannschaft an der Wade, weshalb er große Teile der Vorbereitung verpasste und sich zum Saisonstart auf der Bank wiederfand. Nach mehreren Einwechslungen durfte er am 5. Spieltag gegen den VfL Bochum erstmals beginnen. De Ligt erzielte sogar ein Tor, musste nach einem Schlag aufs linke Knie aber zur Pause ausgewechselt werden. Ausreichend Zeit für eine ordentliche Genesung bekam er anschließend nicht, weil sich kurz darauf Upamecano am Oberschenkel verletzte.

Innerhalb von nur zwölf Tagen stand de Ligt Ende Oktober viermal in der Startelf. Dann zog er sich beim DFB-Pokal-Aus gegen den 1. FC Saarbrücken einen Innenbandriss im rechten Knie zu und fiel erneut aus. Sein Comeback feierte er kurz vor Weihnachten, ehe er gegen Hoffenheim in die Startelf zurückkehrte. "Letztes Mal, als ich verletzt war, habe ich zu früh wieder gespielt, weil wir keinen anderen Innenverteidiger hatten", berichtete de Ligt anschließend. "Das war, glaube ich, ein Grund, warum ich mich wieder verletzt habe."

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FC Bayern München: Wie geht es mit Matthijs de Ligt weiter?

Nun also die neuerliche Verletzung. Unklar erscheint aktuell aber nicht nur de Ligts kurzfristige Zukunft, sondern trotz Vertrags bis 2027 auch seine langfristige. Übereinstimmenden Berichten zufolge ist das Verhältnis zwischen Tuchel und de Ligt angespannt, der Trainer soll unzufrieden sein mit de Ligts Spielweise. Zu langsam, zu quer und zu uninspiriert im Spielaufbau, so der Vorwurf. Die großen Stärken des 1,89-Meter-Hünen liegen bekanntlich im Kopfballspiel und im wahrhaftigen Verteidigen.

Damit unterscheidet sich de Ligt übrigens von Franz Beckenbauer, den er am Wochenende "eines meiner Vorbilder" nannte. Diese Idol-Wahl ist durchaus überraschend, Beckenbauer beendete seine Karriere schließlich 16 Jahre vor de Ligts Geburt. Dennoch ist Deutschlands Weltmeister-Kapitän von 1974 für den Niederländer "als Innenverteidiger eine Benchmark. Er war ein guter Verteidiger, aber auch mit dem Ball überragend."

Dieses Paket würde Beckenbauer heutzutage wohl zu einem Wunschspieler Tuchels machen. Stattdessen hat es dem Trainer Ronald Araújo angetan. Einen Winter-Wechsel lehnte der FC Barcelona zwar ab, womöglich wagen die Münchner im Sommer einen neuen Anlauf. Der 24-jährige Uruguayer ist noch bis 2026 gebunden, verfügt aber über eine Ausstiegsklausel in Höhe von etwa 80 Millionen Euro.

Neben dem FC Bayern soll sich auch Manchester United für Araujo interessieren. Das letzte Transfer-Duell um einen Innenverteidiger mit einem Premier-League-Klub haben die Münchner verloren: Radu Dragusin entschied sich kürzlich für einen Wechsel zu Tottenham Hotspur. Als Alternative zu Araujo wird bei United übrigens ausgerechnet de Ligt gehandelt. United-Trainer Erik ten Hag und de Ligt kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei Ajax Amsterdam.