BVB-Transferziel Khéphren Thuram: Ist er der perfekte Nachfolger für Jude Bellingham?

Von Christian Guinin
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Hinter dem Verbleib von Jude Bellingham bei Borussia Dortmund steht ein großes Fragezeichen. Ein möglicher Nachfolge-Kandidat soll Khéphren Thuram vom OGC Nizza sein, der sich mit starken Leistungen in den Fokus einiger europäischer Topklubs gespielt hat. Doch wer ist der 22-Jährige?

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Wie das französische Portal Foot Mercato berichtete, gehört der BVB zum Kreis der Vereine, die Interesse an einer Verpflichtung Thurams zeigen.

Doch wie könnte der Mittelfeldspieler dem BVB überhaupt weiterhelfen? Was sind seine Stärken und Schwächen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Khéphren Thuram
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Khéphren Thuram: Sein sportlicher Werdegang

Thuram stammt aus einer waschechten Fußballer-Familie. Sein Vater ist die französische Legende Lilian, welcher unter anderem beim FC Barcelona und Juventus Turin unter Vertrag stand und mit der Equipe Tricolore Welt- und Europameister wurde. Auch sein älterer Bruder Marcus ist ein Begriff - der Stürmer geht seit 2019 für Borussia Mönchengladbach auf Torejagd.

Geboren am 26. März 2001 in Reggio nell'Emilia in Norditalien begann Khéphren im Alter von sechs Jahren mit dem Fußballspielen. Da Vater Lilian zu dieser Zeit für Barcelona auflief, machte er bei den Katalanen auch seine ersten Schritte auf Klubebene. Über die Jugendmannschaften von Olympique de Neuilly und dem AC Boulogne-Billancourt kam er 2016 schließlich in der Nachwuchsakademie der AS Monaco unter, wo er die ersten Erfahrungen im Profifußball sammeln sollte.

Im August 2018 absolvierte er zwei Einsätze für die zweite Mannschaft des Vereins in der 4. Liga und damit seine ersten Einsätze im Seniorenbereich, ein paar Monate später folgte sein Debüt für die erste Mannschaft. Bei der 0:2-Auswärtsniederlage in der Champions League bei Atlético Madrid am 28. November 2018 wurde er als 17-Jähriger vom damaligen Monaco-Trainer Thierry Henry in der 63. Spielminute für Alexander Golowin eingewechselt.

Langfristig konnte er sich im Fürstentum jedoch nicht festspielen, weshalb im Sommer 2019 der Wechsel zum OGC Nizza folgte. Bei den Südfranzosen hatte Thuram anfangs noch leichte Startschwierigkeiten, fand sich im Verlauf der Saison 2019/20 jedoch immer häufiger in der Startelf wieder. Spätestens ab seinem zweiten Jahr war er fester Bestandteil der Profis, absolvierte unter anderem 29 Einsätze in der Ligue 1.

Mit seinen erst 22 Jahren kommt er schon jetzt auf stolze 133 Pflichtspiele für Les Aiglons, aus der ersten Elf ist er kaum mehr wegzudenken. Als Strippenzieher im zentralen Mittelfeld führte er seine Mannschaft in dieser Saison ins Viertelfinale der Conference League, in der Ligue 1 ist man trotz einer jüngsten Schwächephase immer noch in Schlagdistanz zu den internationalen Plätzen.

Und auch in der Nationalmannschaft ist er auf einem guten Weg. Nachdem er sämtliche U-Mannschaften der Equipe Tricolore durchlief, berief ihn Trainer Didier Deschamps Ende März für die A-Länderspiele in der Europameisterschafts-Qualifikation. Dort durfte er gegen die Niederlande seine ersten Minuten genießen.

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Khéphren Thuram: Steckbrief

NameKhéphren Thuram
Geburtsdatum26.03.2001
Alter22
GeburtsortReggio Emilia
NationalitätFrankreich
VereineFC Barcelona, Olympique de Neuilly, AC Boulogne-Billancourt, AS Monaco, OGC Nizza
Vertrag bisJuni 2025
PositionZentrales/Defensives Mittelfeld, Offensives Mittelfeld
Fußrechts
Größe1,92 Meter
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Khéphren Thuram: Was sind seine Stärken?

Thuram fühlt sich vor allem im zentralen Mittelfeld wohl. Dabei kann er, wie es derzeit bei Nizza der Fall ist, als abkippender, defensiverer Sechser zum Einsatz kommen. Mit seinen Fähigkeiten überzeugt er aber auch eine Reihe weiter vorne - etwa als Achter oder sogar als Zehner. Aushilfsweise lief er in dieser Saison sogar schon einige Male auf den Außen im Mittelfeld auf.

Verlassen kann sich Thuram dabei vor allem auf seine starke Übersicht. Auch wenn er mit seiner Größe von 1,91 Metern auf den ersten Blick etwas schlaksig und unbeweglich daherkommt, besitzt er für sein Alter außergewöhnliche technische Qualitäten sowie die körperliche Statur, sich im Zweikampf - sowohl am Boden, als auch in der Luft - zu behaupten.

In mancher Hinsicht ist er deshalb genau das Gegenteil seines Bruders Marcus: Khéphren spielt lieber den cleveren Steckpass und überwindet Räume mit Hilfe seines Auges anstatt selbst nach vorne zu stürmen und den Abschluss zu suchen. Für seine Größe ist er darüber hinaus verhältnismäßig schnell und beweglich.

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Khéphren Thuram: Was sind seine Schwächen?

Wie so oft bei jungen Spielern ist auch bei Thuram die fehlende Konstanz ein großes Thema. So spielt der 22-Jährige zwar eine übergreifend starke Saison 2022/23 (zehn Torbeteiligungen in 42 Spielen), oft fehlt ihm aber noch die nötige Erfahrung, seine Qualitäten in jeder Partie konsequent auf den Rasen zu bekommen.

An schlechten Tagen fällt er deshalb auch durch fahrige Pässe und mangelnde Übersicht auf. Zwischenzeitlich kostete ihn das sogar den Stammplatz im Nizza-Mittelfeld, als ihn der damalige Trainer Adrian Ursea Anfang 2021 nach schwächeren Leistungen für einige Spiele auf die Bank setzte.

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Khéphren Thuram: Leistungsdaten 2022/2023*

WettbewerbSpieleToreAssistsGelbe KartenGespielte Minuten
Ligue 1312432.254
Conference League9-31759
UECL Quali2-11196
Coupe de France1---90
GESAMT432853.299

*Daten von transfermarkt.de

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Khéphren Thuram: Wie könnte er dem BVB weiterhelfen?

Mit Mahmoud Dahoud wird ein zentraler Mittelfeldspieler den BVB im kommenden Sommer ablösefrei verlassen, darüber hinaus gibt es mit Jude Bellingham zumindest einen weiteren heißen Kandidaten für einen Vereinswechsel. Topklubs wie Manchester City oder Real Madrid klopfen beim jungen Engländer an. Dass Dortmund ihn für ein weiteres Jahr halten kann, gilt als äußerst unwahrscheinlich.

Thuram wäre dann der logische Kandidat für die Nachfolge im BVB-Zentrum. Vom Spielertyp ähnelt er Bellingham in vielen Belangen, auch wenn er noch nicht ganz die Klasse und Souveränität mitbringt, die der Engländer der Borussia verleiht.

Auch bei einem Abgang von Vereinslegende Marco Reus, dessen Zukunft über den Sommer hinaus nach wie vor nicht geklärt ist, wäre Thuram eine interessante Option. Da die Schwarz-Gelben im defensiven Mittelfeldpart mit Emre Can und Salih Özcan relativ gut aufgestellt sind, könnte der Franzose auch eine etwas offensivere Position hinter einem Dreiersturm bekleiden.

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Khéphren Thuram: Wie ist die aktuelle Lage?

Trotz scheinbar perfekter Voraussetzungen gibt es aus BVB-Sicht dennoch mehrere Hürden, die es für einen Transfer zu überwinden gilt. Zum einen wäre da der Vertrag Thurams zu erwähnen. Beim OGC Nizza besitzt der 22-Jährige noch ein bis 2025 laufendes Arbeitspapier.

Les Aiglons besitzen dementsprechend keinerlei Verkaufsdruck. Erst im Sommer 2024 müsste man sich - sollte bis dahin keine Einigung über eine weitere Zusammenarbeit getroffen werden - mit einem Verkauf auseinandersetzen. Dem Vernehmen nach ist sich Nizza dieser starken Verhandlungsposition bewusst und fordert nicht weniger als 50 Millionen Euro für Thuram.

Eine solche Summe könnte der BVB wiederum nur stemmen, wenn sich etwas auf der Verkaufsseite tut. Dort könnte zwar Bellingham mit einem Transfer die 100-Millionen-Euro-Marke knacken und den Borussen viel Geld in die Kassen spülen, fraglich ist aber, ob Dortmund derart viel Geld in ein so junges Talent wie Thuram investieren möchte.

Ein weiteres Problem stellt die große Konkurrenz im Werben um Thuram dar. Verschiedenen Medienberichten zufolge sollen mehrere europäische Schwergewichte ihre Fühler nach dem Mittelfeldspieler ausgestreckt haben. Die Interessenten reichen dabei vom FC Liverpool über Real Madrid und Paris Saint-Germain bis hin zu Manchester City. Sogar Ligakonkurrent RB Leipzig soll ein Auge auf den 22-Jährigen geworfen haben, auch wenn den Sachsen nur Außenseiterchancen eingeräumt werden.

Überzeugungskraft müsste der BVB deshalb vor allem in Sachen Gesamtpaket leisten. Im Gegensatz zu anderen Topklubs bestünde bei der Borussia für Thuram eine große Chance auf regelmäßige Einsätze bei gleichzeitiger Chance, sich in der Champions League zu beweisen. Auch hat die jüngere Vergangenheit gezeigt, dass der BVB für junge Talente die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Entwicklung bietet. Bellingham ist da nur eines von vielen Beispielen, die Dortmund als Sprungbrett nutzen konnten.