Cookie-Einstellungen
Handball

Handball - Christian Schwarzer im Interview: "Für mich ist es die WM der Bauchschmerzen"

Christian Schwarzer (l.) ist 2007 mit Deutschland Weltmeister geworden.

 

Es ist schwierig, einen akzeptablen Übergang hinzubekommen. Trotzdem wollen wir natürlich auch noch über die deutsche Mannschaft sprechen. Hat die Niederlage gegen Ungarn gezeigt, dass die Ausfälle von Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Finn Lemke in der Abwehr schlichtweg nicht zu kompensieren sind?

Schwarzer: Die Vorbereitungszeit war dermaßen knapp, dass sich Alfred Gislason und die Mannschaft immer noch in der Testphase befinden. Wenn die Abwehrformation mit Johannes Golla und Sebastian Firnhaber gegen Spitzenmannschaften aktuell auf einem ähnlichen Niveau wie mit Pekeler und Wiencek, die seit gefühlt fünf Jahren in der Nationalmannschaft und im Verein zusammenspielen, funktionieren würde, wäre das eine riesige Überraschung. Das ist in der Kürze der Zeit nicht möglich. Dafür haben sie sogar noch einen guten Job gemacht. Auf der anderen Seite stand aber mit Bence Banhidi ein Weltklassekreisläufer, der einen Sahnetag erwischt hat und aus dem Rückraum noch dazu genial bedient wurde. Das muss man einfach auch mal anerkennen.

Luft nach oben gibt es eindeutig auch im Tor. Die Statistiken von Andreas Wolff (2 Paraden, 13 Prozent abgewehrte Würfe) und Jogi Bitter (4 Paraden, 21 Prozent) waren gegen Ungarn alles andere als berauschend.

Schwarzer: Leider war unsere Torhüterleistung für ein Spiel auf diesem Niveau nicht ausreichend, obwohl Ungarns Torhüter Roland Mikler mit 27 Prozent auch nicht berauschend gehalten hat. Bei Teams auf Augenhöhe machen genau diese ein, zwei gehaltenen Bälle den Unterschied. Bei Wolff habe ich manchmal den Eindruck, dass er sich selbst zu sehr unter Druck setzt und denkt, er müsste die Nation retten. Wenn man das macht und nicht mit der nötigen Lockerheit ins Spiel geht, kann es vorkommen, dass man nicht seine beste Leistung abrufen kann. Rückblickend könnte man auch sagen, dass es ein Fehler war, ihn gegen Uruguay aussetzen zu lassen. Da die Partie gegen Kap Verde ausgefallen ist, war er somit noch gar nicht drin im Turnier. Allerdings konnte das logischerweise keiner erahnen.

Auf Linksaußen setzte Gislason seinen Kapitän Uwe Gensheimer auf die Bank und ließ Marcel Schiller von Beginn an ran. Hat Sie das überrascht?

Schwarzer: Meine erste Reaktion meinem Sohn gegenüber war: "Ups, der Kapitän im entscheidenden Spiel nicht auf der Platte!" Natürlich hat auch mich das überrascht. Andererseits hat ein Trainer immer ein Bauchgefühl, dazu Trainingseindrücke, womöglich spielten auch Gensheimers vergebene Chancen gegen Uruguay eine kleine Rolle. Letztlich hat Marcel Schiller mit seiner Leistung gezeigt, dass Gislason die richtige Entscheidung getroffen hat.

Schwarzer: "Was Gislason macht, hat Hand und Fuß"

Welchen Eindruck haben Sie bislang generell von Gislasons Arbeit?

Schwarzer: Alles was Gislason bisher macht, hat Hand und Fuß. Er hat der Mannschaft in kürzester Zeit eine Struktur gegeben, in der sie sich gut zurechtzufinden scheint. Sein Vorteil ist, dass er als Spieler und in fast 30 Jahren als Trainer alles erlebt hat. Er kann sich ganz genau in die Lage seiner Spieler hineinversetzen.

Trotz allem steht das DHB-Team nun vor der Herausforderung, Spanien schlagen zu müssen, um noch eine Chance auf den Einzug ins Viertelfinale zu haben. Trauen Sie das der Mannschaft zu?

Schwarzer: Was ich bisher von den Spaniern gesehen habe, war nicht so überragend. Deshalb habe ich nicht den Eindruck, dass es unmöglich wäre, sie zu schlagen. Aber Vorsicht: Spanien spielt eigentlich seit Jahren unspektakulär seinen Stiefel runter und am Ende gewinnen sie dank ihrer unglaublichen Erfahrung mit einem Tor. Das ist bei großen Turnieren ihr ganz großes Plus. Dennoch ist für die deutsche Mannschaft nach wie vor alles möglich.

Bei einer Niederlage gegen Spanien wäre die WM im Prinzip gelaufen. Wäre das Verpassen des Viertelfinales angesichts der insgesamt immens komplizierten Umstände denn so dramatisch?

Schwarzer: Es wäre nicht schön, aber auch nicht megaschlimm. Aus dieser WM könnte Gislason trotzdem ganz wichtige Schlüsse für die Zukunft ziehen. Der Pool von Spielern, aus denen er auswählen kann, hat sich noch einmal ziemlich erweitert. Das könnte für den Bundestrainer in Zukunft zum Luxusproblem werden.

Handball-WM: Spielplan der Hauptrundengruppe I

DatumUhrzeitTeam 1Team 2Ergebnis
Do., 21. Januar15.30 UhrUruguayPolen
Do., 21. Januar18 UhrUngarnBrasilien
Do., 21. Januar20.30 UhrSpanienDeutschland
Sa., 23. Januar15.30 UhrUruguaySpanien
Sa., 23. Januar18 UhrPolenUngarn
Sa., 23. Januar20.30 UhrDeutschlandBrasilien
Mo., 25. Januar15.30 UhrBrasilienUruguay
Mo., 25. Januar18 UhrSpanienUngarn
Mo., 25. Januar20.30 UhrPolenDeutschland
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung